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Entwarnung im Garten: Eine ungewöhnliche Spinne an ihrem Rosenstrauch gibt einer Eberswalderin Rätsel auf. Das Internet gibt Antwort zur Art. Dass die Spinne gar nicht so selten und für den Menschen ungefährlich ist, schildert ein Experte.

Tierwelt
Weiß, weiblich, extralange Beine

Ellen Werner / 13.06.2019, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Groß wie der Nagel eines kleinen Fingers prangte das dickleibige Krabbelwesen auf ihrer Hochstammrose im Garten hinterm Haus. Und zwar, von den rötlichen Seitenstreifen einmal abgesehen: in Weiß. Eine Spinne mit so ungewöhnlicher Färbung habe sie zuvor noch nie gesehen, sagt Angela Glänzel. Sie zückte erst einmal die Kamera.

Übermäßig beunruhigt war die 68-Jährige, die in der Eberswalder Innenstadt lebt, über den Gartengast, der am nächsten Morgen auf der Glockenblume neben den Rosen saß und fortan von Nacht zu Nacht eine Pflanze weiterzog, zunächst nicht. Die Fotos zeigte sie herum. "Die Reaktionen reichten von ,Ih’ bis ,ist doch nicht echt’", erzählt sie. Doch insbesondere ihren Enkelsöhnen, zehn und zwölf Jahre alt, sei das Tier, mit dem sie nun den Garten teilten, nicht geheuer gewesen.

Um sie zu beruhigen, begann Angela Glänzel, im Internet nachzuforschen. Und stieß als Erstes auf den unangenehmen Verdacht, es könnte sich um eine Weiße Witwe handeln. Deren Biss, ist nachzulesen, wäre in der Regel für Menschen zwar nicht gefährlich, könnte ähnlich wie der der Südlichen Schwarzen Witwe aber durchaus toxische Wirkung haben. Doch ist diese Spinnenart eigentlich in Steppen und Wüsten etwa in Nordafrika und Zentralasien zuhause. Die Eberswalderin klickte sich weiter durch Aufnahmen von weißen Achtbeinern, stieß dabei auch auf die rötlichen Streifen und war schließlich sicher: Es handelt sich um die Veränderliche Krabbenspinne.

Oliver Brauner, freiberuflicher Naturgutachter in Eberswalde, hat Angela Glänzels Aufnahmen gesehen und kann ihre Vermutung bestätigen. Dass es sich um eine Krabbenspinne handelt, sei unter anderem an den typischen Beinen zu erkennen. "Beide vorderen Beinpaare übertreffen die hinteren in der Länge – daher wahrscheinlich auch der Krabbenbegriff", sagt er.

Fast 50 Arten in Deutschland

Unter den Krabbenspinnen gebe es in Deutschland fast 50 Arten, so Brauner. Eine Besonderheit der von Angela Glänzel beobachteten Art ist tatsächlich ihre Färbung – die nur aus Menschensicht auffällig ist. Das Tier tarnt sich damit – um zwischen Blüten, vorzugsweise weißen, nicht gesehen zu werden. Demselben Zweck dient die Fähigkeit der Veränderlichen Krabbenspinne, ihre Farbe zu wechseln: ins Gelbe, mit dem sie eher auf gelben Blüten anzutreffen wäre.

Allerdings dauere es einige Tage, bis die Spinne eine andere Farbe annehme, sagt Brauner, der vor allem als Insektenkundler tätig ist. Immerhin mit ihren roten Streifen sei das Tier in Glänzels Garten an die Blütenknospen angepasst. Eingrenzen kann der Fachmann auch das Geschlecht: "Die weißen Tiere sind nur die ausgewachsenen, reifen Weibchen." Männchen seien deutlich kleiner und zudem dunkler gefärbt. So selten wie Laien die an vielen Orten in der Welt und ganz Mitteleuropa beheimatete Spinne ins Auge fällt, sei sie gar nicht, sagt Oliver Brauner. "Meinen Beobachtungen nach ist sie bei uns relativ weitverbreitet, vor allem an sonnigen, trockenen Orten, an Waldrändern und in Gärten."

Fotografiert hat er das Tier, das er als Lauerjäger bezeichnet, auch schon mehrmals: beim Verzehr der Beute, auf die es beim Blütenbesuch wartet. Kleine Insekten, aber auch größere, Schmetterlinge und selbst Honigbienen werden per Giftbiss, meist hinter dem Kopf platziert, zum Opfer. Giftig sei die Veränderliche Krabbenspinne wie jede andere Spinne auch. Für den Menschen ist der Giftbiss allerdings ungefährlich – ihre Beißwerkzeuge dringen nicht durch unsere Haut.

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