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Bahnwerk
Alle Zeichen stehen auf grün

Legt selbst Hand an den Hammer: Bernd Becking (r.) ist Chef von gut 12 000 Mitarbeitern in Berlin und Brandenburg. Im Eberswalder Werk bearbeitet der Behördenchef diesen Waggon.
Legt selbst Hand an den Hammer: Bernd Becking (r.) ist Chef von gut 12 000 Mitarbeitern in Berlin und Brandenburg. Im Eberswalder Werk bearbeitet der Behördenchef diesen Waggon. © Foto: Thomas Burckhardt
Julia Lehmann / 18.06.2019, 06:45 Uhr - Aktualisiert 18.06.2019, 08:44
Eberswalde (MOZ) Es geht aufwärts: Nach Jahren der Unsicherheit stellt das Bahnwerk wieder ein und bildet aus.

Er könne sich noch gut an die Lage vor zwei Jahren erinnern, sagte Bernd Becking. Damals wurde noch von Schließung gesprochen, der damalige Betreiber, die Deutsche Bahn, wollte das geschichtsträchtige Bahnwerk in Eberswalde im Jahr 2016 aufgeben. Heute stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Der Vorsitzende der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit war in der vergangenen Woche für einen Rundgang zu Gast, um sich zusammen mit Constanze Hildebrandt, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Eberswalde, und Petra Röhlinger-Hissnauer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, vor Ort ein Bild über die aktuelle Mitarbeiterlage zu verschaffen.

Ulf Boehnke, Personalreferent bei der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH Eberswalde, die das Werk Anfang 2018 übernahm, führte durch die Werkhallen. "Vor zwei Jahren war die leer", sagte Constanze Hildebrandt, als die Gruppe die Halle 1 betrat. An diesem Tag stehen hier mehrere 80- und 90-Fuß-Wagen, die auf ihre Instandsetzung oder Inspektion warten. Bernd Becking und seine Begleiterinnen geben sich optimistisch. Die zum Teil 45 Jahre alten Waggons auf den Strecken zu reparieren, sei noch immer wirtschaftlicher als der Neukauf, sagte Ulf Boehnke. Das war natürlich auch schon so, als das Bahnwerk kurz vor dem Aus stand. Heute kommen aber nicht mehr 80 Prozent der Aufträge allein von der Deutschen Bahn, die Abhängigkeit von dem Unternehmen ist nicht mehr so groß. Stattdessen seien die Auftraggeber vielfältig, die Auftragslage "gut", sagte Boehnke. Das sagen auch die Mitarbeiterzahlen.

Ausbilden und einstellen

Inzwischen arbeiten 149 Menschen am Eberswalder Standort, 35 in Wittenberge. Bis zum Ende des Jahres sollen es 200 werden, sagte Ulf Boehnke. Zum Vergleich: Mit 71 Mitarbeitern sei man 2018 gestartet. Auf die fünf Ausbildungsplätze gebe es zudem Anwärter, die über Praktika in den Beruf hineinschnuppern. Einer von ihnen konnte über die Last-Minute-Stellenbörse Anfang des Monats gewonnen werden. Zum 1. September wird zudem ein Praktikant mit afghanischen Wurzeln eine Woche zu Gast sein. Die Einstiegsqualifizierungen fördert die Agentur für Arbeit. Ausgebildet werden unter anderem Mechatroniker, Schlosser oder Schweißer. Ulf Boehnke ist optimistisch, dass alle Stellen bis zum Beginn des Ausbildungsjahres vergeben sein werden. Mit 760 Euro im ersten Lehrjahr sei die Ausbildung "hochattraktiv", machte Bernd Becking Werbung für das Werk. Und um zu beweisen, dass ein körperlich anspruchsvoller Job nicht unbedingt einen Nachteil darstellt, griff Becking selbst zum Vorschlaghammer und bearbeitete eine schief geratene Metallplatte eines Containerwaggons. Generell gelte das für Berufe im Industriebereich, aufgrund ihrer guten Bezahlung und, im Falle der Azubis, wegen der garantierten Übernahme in den Betrieb. Auch beim Eberswalder Bahnwerk sei das so. "Wir bilden für uns aus", so Personalreferent Boehnke.

Bahnwerk wieder "fit"

Nach der Übernahme des Bahnwerks in 2018 sind darüber hinaus Mitarbeiter durch die Agentur für Arbeit nachgeschult worden, um ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. So habe es Teilqualifizierungen für Mitarbeiter ohne Abschluss und anpassende Ausbildungen für Mitarbeiter, deren Berufsabschluss aus DDR-Zeiten heute nicht mehr anerkannt werden, gegeben. "Dass Fitmachen der Mitarbeiter hat das Unternehmen gerettet", ist Bernd Becking überzeugt. Eine Frage, die den Vorsitzenden umtreibt: Wie kann man mehr junge Menschen, auch Mädchen, für Berufe in der Industriebranche begeistern? Sei doch der Bedarf, ähnlich wie in der Baubranche, hoch. "Die Schule muss bei der Berufsorientierung früher ansetzen." Dann würde auch die Abbrecherquote unter den Azubis, die in Brandenburg bei 30 Prozent liegt, sinken. Becking beobachte auch, einen bis heute anhaltenden Traditionalismus bei der Berufswahl. Diese Muster müssten endlich aufgebrochen werden.

Im ganzen Landkreis Barnim kommen noch 516 offene Lehrstellen auf 583 bei der Agentur gemeldete unversorgte Bewerber. In der Uckermark sind es 317 freie Plätze und 429 unversorgte Ausbildungsplatzsuchende.

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