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Jede Menge Gänsehaut-Momente und nicht wenige Schenkelklopfer: Dem Kanaltheater ist mit "Asche im Haus" ein mitreißender Einstieg in seinen "Kläsh of Kläns"-Dreiteiler gelungen.

Theater
Großfamilie im Ausnahmezustand

Sven Klamann / 24.06.2019, 06:45 Uhr
Finow (MOZ) Am Ende der knapp anderthalbstündigen Vorstellung will das Publikum gar nicht mit dem Beifallklatschen aufhören und verlangt sogar lautstark nach Zugaben. Das ist der Augenblick, an dem die Akteure auf und hinter der Bühne in der Theaterzentrale an der Fritz-Weineck-Straße 10 in Finow sichtbar entspannen. Der Stress von fünf intensiven Probenwochen verwandelt sich mit einem Schlag in Freude. 90 begeisterte Besucherinnen und Besucher haben den Auftakt der Kanaltheater-Serie, deren Titel sich mit "Kampf der Großfamilien" übersetzen lässt, am Freitagabend verfolgt. Und auch die zweite Vorstellung am Sonnabend war restlos ausverkauft.

"Es ist ein Kultur-Phänomen, dass Fortsetzungsgeschichten auf der Bühne, im TV und im Kino mehr denn je funktionieren", sagt Heike Scharpff, die wieder die Regie verantwortet. Den Text hat die Dramaturgin Katja Kettner verfasst. Was die Clan-Mutter Cora, gespielt von Anna Siegentaler, ihr Freund Michael, verkörpert von Jan Noack, und die anderen Protagonisten in "Asche im Haus" erleben, könnte so auch bei Netflix und anderen Streamingdiensten über die Bühne flimmern. Anklänge an "Dallas" und "Denver", die Fernseh-Dauerbrenner der achtziger Jahre, sind unverkennbar. Nur dass weniger glamourös ist, was in der fiktiven Kleinstadt passiert, die nicht in Deutschland, in Brandenburg und in Finow liegt, wie Cathrin Clift betont, die eine besonders spannende und wichtige Rolle hat. Sie gibt eine Regisseurin, die energisch Dreharbeiten vorantreibt. Und lenkt einen Trupp aus Kameraleuten und Kabelträgern, die alles, was auf der Bühne geschieht, für einen imaginären Film festhalten. So kommt "Asche im Haus" zu einer zweiten Ebene. Schon bald verschwimmen die Grenzen dessen, was eben noch real wirkte. Die Illusion, das gerade wirklich ein Dreh erfolgt, bekommt durch die zwei  fünf Meter breiten und zwei Meter hohen Leinwände weiter Auftrieb, auf die live die Handlung projiziert wird.

Arg fieses Mustersöhnchen

Der ganz besondere Theaterabend gewinnt zudem durch eine Liveband, die in die Handlung einbezogen ist, und durch Videoeinspieler zusätzlich an Reiz.

Ach, Cora ist nicht zu beneiden. Sie verdient nicht wenig Geld als Buchhalterin in einem alles andere als seriösen Klub. Deswegen ist immer Asche im Haus. Ihre größte Sorge gilt ihren fast erwachsenen Söhnen. Chris, gespielt von Denny Eggert, macht auf lieb, klaut seiner Mama aber deren Erspartes, verkauft Drogen und behandelt seine Freundin Lina alias Susanna Schmidt schlecht. Lennart, den Patrick Meinhardt, besser bekannt als Keule, spielt, ist nicht das schwarze Schaf, für das ihn seine Familie und er selbst halten, obwohl er kifft, säuft und bis in die Puppen pennt. Sein Herz schlägt nur für Lina, die Freundin seines Bruders, der er seine Liebe nie gestehen würde. Sich selbst auf der Gitarre begleitend, brüllt er so herzzerreißend eine Hymne an das Mädchen, dass ihn die Regisseurin fragt, ob er schon einmal in einer Punkband gesungen habe. Die spontanen Lacher im Publikum zeigen, dass Keules Vita in Eberswalde bestens bekannt ist.

Sehnsucht nach Mandy

Cora und ihre Familie sind geblieben. Die Clan-Mutter fühlt sich im Alltag überfordert. Sie fragt sich, ob es nicht besser gewesen wäre, einfach abzuhauen, wie es ihre beste Freundin Mandy ihr vorgemacht hat. Dass die inzwischen als Regisseurin arbeitet, wird in dem Stück nicht weiter thematisiert. Doch als die verzweifelte Cora endlich Mandy per Telefon erreicht, hat sie Cathrin Clift an der Strippe.

Fortsetzung folgt. Am 22. August feiert der zweite Teil von "Kläsh of Kläns" Premiere, der "Mandy kehrt zurück" heißt. Und am 13. Dezember kommt es zum großen Serien-Finale, dessen Titel "Schluss mit lustig" lautet.

Kartenreservierung per E-Mail an  info@kanaltheater.de

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