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Björn Wiese (46) steigt mehr und mehr aufs Lastenrad um. Schon der Großvater des Bäckermeisters war in Eberswalde dienstlich in die Pedalen getreten.

Klimaschutz
Erstrampelte Lebensqualität

Lieferfahrt zum "Gustav": Bis zu 50 Brote und 300 Brötchen passen in die Box, die Björn Wiese mit dem Lastenrad transportiert. Anja Neumann freut sich über seine Vorbildwirkung.
Lieferfahrt zum "Gustav": Bis zu 50 Brote und 300 Brötchen passen in die Box, die Björn Wiese mit dem Lastenrad transportiert. Anja Neumann freut sich über seine Vorbildwirkung. © Foto: Sven Klamann
Sven Klamann / 28.06.2019, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Mitinhaber der Privatbäckerei Wiese, die mit 65 Mitarbeitern das Kaffeehaus "Gustav" am Markt, eine Backwerkstatt an der Friedrich-Ebert-Straße sowie eine Verkaufsstelle und die Backstube in Britz betreibt, mag nicht als leuchtendes Vorbild gelobt werden, das für eine bessere Umwelt Nachteile in Kauf nimmt. "Mich haben im Gegenteil handfeste Vorteile vom Lastenrad überzeugt", betont Björn Wiese.

Vor allem zu den Stoßzeiten komme er schneller mit dem Rad als mit dem Auto durch den Stadtverkehr. Auch der Betriebskosten-Vergleich spreche eine deutliche Sprache. Nicht zuletzt sei er froh darüber, an Lebensqualität gewonnen zu haben, erklärt der Bäckermeister, der dankbar dafür ist, dass ihm Anja Neumann vom Ende August auslaufenden Klimaschutzprojekt Transition Thrive und Fabian Wulf vom Hebewerk-Verein bei der Auswahl des Lastenrades beratend zur Seite gestanden haben.

Seit Anfang Mai nennt Björn Wiese ein Zweirad sein eigen, das stolze 4200 Euro gekostet hat, maximal 150 Kilo transportieren kann und über einen zuschaltbaren Elektromotor verfügt. Den nimmt der Unternehmer für die Fahrten von seinem Wohnort in Britz und von der dortigen Backstube nach Eberswalde zur Hilfe.

Neues Dienstauto wäre teurer

Den Anschaffungspreis will der Lastenrad-Freund nicht kleinreden. "Das war schon eine Menge Geld. Doch wenn ich mir ein Dienstauto angeschafft hätte, wäre dies noch deutlich teurer geworden", hebt er hervor.

Anfangs war Björn Wiese skeptisch: Sein Privatauto hatte komplett den Geist aufgegeben, aber die Ersatzbeschaffung erwies sich als schwierig. "Ich konnte mich einfach nicht entscheiden", räumt der Bäckermeister ein. Der Zufall wollte es, dass er vom Projekt "Ich entlaste Städte" erfuhr, dass er vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erfuhr, das Testfahrer suchte. Der Bäckermeister meldete sich, bekam das 147. von 150 Testrädern ausgeliehen und begann damit, Erfahrungen zu sammeln.

Aus der Notlösung wurde eine Leidenschaft: Als die Ausleihfrist abgelaufen war, hatte sich Björn Wiese entschlossen, dauerhaft aufs Lastenrad umzusteigen. "Das ist auch eine Kopfsache", sagt er. Längst komme er mit dem Gefährt, das am Anfang etwas wacklig auf ihn gewirkt habe, prima klar. Inzwischen greife er auch kaum noch zum Autoschlüssel, wie ihm dies zu Beginn aus alter Gewohnheit und aus Versehen gelegentlich geschehen sei. Mit seinem neuen Lastenrad ist Björn Wiese schon 770 Kilometer gefahren. Perspektivisch will der Unternehmer die Fahrzeugflotte der Privatbäckerei mit weiteren Lastenrädern ausstatten. "Auf diesem Weg will ich die Belegschaft mitnehmen", kündigt er an. Und setzt darauf, mit gutem Beispiel voranzutrampeln.

Nachahmer willkommen

Björn Wiese fährt mit dem Lastenrad zur Arbeit und nach Hause. Die Lieferfahrten zwischen der Backwerkstatt und dem Kaffeehaus wickelt er komplett mit dem Gefährt ab, das beim Abschlussprojekt des Klimaschutzprojektes auf den Namen "Waldmeester" getauft wurde Bald sollen die Frühstückstouren folgen.

Spätestens da schließt sich ein Kreis: Björn Wieses Großvater Herbert Petscheleit war 1939 Lehrling in der Eberswalder Bäckerei Görwitz. "Vor der Berufsschule ist er jeden Morgen mit dem Lastenrad durch die Stadt gefahren und hat unter anderem die Villen in der Rudolf-Breitscheid-Straße beliefert", berichtet der Unternehmer.

"Das Bäckerfahrrad ist wirklich der Urgroßvater unter den Lastenrädern", sagt Anja Neumann. Und setzt darauf, dass Björn Wiese zahlreiche Nachahmer findet. Die Klimaschutz-Aktivistin verwiest auf die stetig wachsende Eberswalder Lastenradszene. Auch wenn das geförderte Projekt Transition Thrive Ende August ausläuft, können vier Lastenräder weiter ausgeborgt werden.

Info:www.lastenrad-eberswalde.de

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