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Boxen
"Der haut drauf wie ein Irrer"

Gute Form bewiesen: Gegen den Afrikaner Betuel Ushona hat Rico Müller den ersten Kampf in Bernau gewonnen. Auch im vom Ushona geforderten Rückkampf in Berlin hatte der Afrikaner keine Chance.
Gute Form bewiesen: Gegen den Afrikaner Betuel Ushona hat Rico Müller den ersten Kampf in Bernau gewonnen. Auch im vom Ushona geforderten Rückkampf in Berlin hatte der Afrikaner keine Chance. © Foto: Dirk Schaal
Britta Gallrein / 06.07.2019, 06:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Rico Müller hat einen Traum. Eine Vision. Er will Deutschlands derzeit einziger Box-Weltmeister werden. Und damit nicht genug. Müller möchte in die Fußstapfen des großen Max Schmeling treten. Den ersten Schritt in Richtung geht er am 14. September.

Der Eberswalder Rico Müller sei einer der unterschätztesten Boxer Deutschlands, befanden Nils Lappahn und Fynn Schröder jüngst in ihrem "Boxtalk" bei Boxen1. Das könnte sich schlagartig ändern, wenn Müller seinen Kampf am 14. September gewinnt und sich die Krone im Light-Weltergewicht holt.

25 Siege in 28 Kämpfen

Der 31-jährige Müller kann eine beeindruckende Box-Bilanz vorweisen. Von 28 Kämpfen hat er 25 gewonnen, davon 17 durch K.o. Nur zweimal ging er als Verlierer aus dem Ring, unter anderem vor drei Jahren, als er gegen den Australier Jeff Horn in Brisbane unterlag. Horn besiegte ein Jahr später überraschend Manny Pacquiao und sicherte sich den WBO-Weltmeistertitel im Weltergewicht.

In Müllers Gewichtsklasse, dem Weltergewicht, steht zur Zeit kein Titel zur Disposition. Am heutigen Sonnabend kämpft Müllers Kumpel Sebastian Formella in Hamburg gegen Tulani Mbenge um die IBO-Weltmeisterschaft. Vormella hat im Falle eines Sieges einen anschließenden WM-Kampf gegen seinen guten Freund Müller aber bereits abgelehnt. Müller hat sich daher entschieden, eine Gewichtsklasse runter zu gehen und im Halbweltergewicht anzutreten.

Ponce gewann 16-mal durch K.o

Als Gegner für den 14. September hat sich Müller einen harten Brocken ausgesucht: den Argentinier Jeremias Nicolas Ponce. 24 Kämpfe hat der 23-jährige Halbweltergewichtler absolviert und alle gewonnen, davon 16 durch K.o. Ponce ist IBF-Interconti-Champion – also mit Sicherheit kein Schaukampf-Gegner. "Der kann ganz schön draufhauen", ist Müller gewarnt, der sich einige Videos seines Gegners angesehen hat. Gegen den 1,86 Meter großen Ponce das Heil im Innenkampf zu suchen, sei auch keine gute Idee. "Er haut extrem gute Leberhaken, er haut wie ein Irrer", sagt Rico lachend.

"Naja, wir boxen um die Weltmeisterschaft, da wollen wir natürlich auch einen guten Kampf bieten", erklärt der Profi-Boxer, warum er sich Ponce ausgesucht hat. "Ich weiß, dass ich ein absolutes Risiko eingehe, aber so ist das eben: Hop oder Top", so der 31-Jährige. "Ich nehme die Herausforderung an. Ich weiß, dass das für mich wahrscheinlich die letzte große Chance ist."

Zweimal täglich ist Training

Seit drei Wochen befindet sich Müller in der Vorbereitung auf den Kampf. Zweimal täglich steht Training auf dem Programm. Morgens geht es von Eberswalde ins Gym in der Berliner Wuhlheide. Nachmittags trainiert Müller im Sportstudio Colosseum in Eberswalde. In den letzten sechs Wochen wird auch noch Mittags trainiert.

Absoluter Verzicht auf Süßes

Sein derzeit größtes Problem ist aber noch das Gewicht. Im Weltergewicht dürfen die Boxer nicht mehr als 63,5 Kilo auf die Waage bringen. "Angefangen habe ich bei 75 Kilo, inzwischen bin ich bei 70. Aber es ist verdammt hart", gesteht Müller. Der 31-Jährige muss komplett auf seine geliebte Schokolade und Gummibärchen verzichten. Salat und Wasser stehen auf dem Speiseplan. "Ich habe vorher immer viel Süßes zwischendurch gegessen. Das ist jetzt absolut verboten. Aber für meine große Chance mache ich das", sagt der Top-Athlet, der übrigens noch einen Sponsor sucht. "Vielleicht findet sich ja jemand, der mich auf dem Weg begleiten will."

Denn der WM-Fight soll nicht das letzte Kapitel sein. "Wenn ich gewinne, dann will ich in die USA, um da meinen Titel zu verteidigen", berichtet er. Schafft er das,  was anderen deutschen Boxern wie Maske, Schulz und Abraham verwehrt blieb, dann wäre ihm der Ruhm in Deutschland sicher, denn eine Titelverteidigung in den USA hat vor ihm nur der große Max Schmeling geschafft.

Das Ziel ist zum Greifen nah

"Das Ziel ist jetzt zum Greifen nah und das gibt mir natürlich mega viel Motivation", sagt Müller. Dann hätte es der Boxer aus Eberswalde geschafft, ohne viel Hilfe von außen, ohne großes Promotionsteam im Hintergrund.

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