Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Innerhalb von zwei Wochen hat Gisela Loch (75) aus Oderberg zwei Ansichtskarten erhalten, die 19 und 20 Jahre lang unterwegs waren. Auch die Deutsche Post AG steht vor einem Rätsel.

Irrläufer
Schneckenpost aus Irland und Harz

Sven Klamann / 11.07.2019, 06:30 Uhr
Oderberg (MOZ) Gut Ding will Weile haben, heißt es im Volksmund. An dieses Sprichwort muss Gisela Loch häufiger denken, seit sie in ihrem Briefkasten am 1. und am 15. Juni schriftliche Grüße vorfand, bei denen von Aktualität keineswegs die Rede sein kann. Ein guter Bekannter, Frank Buck aus Oderberg, hat sie auf die Idee gebracht, die Geschichte, die sie eher kurios als ärgerlich findet, in der Öffentlichkeit preiszugeben.

Die erste Ansichtskarte wurde in Dublin, der Hauptstadt von Irland, aufgegeben. Sie stammt von Barbara und Peter Kulig, ihrem Cousin und ihrer Cousine. Der einzige Poststempel weist den 24. August 2000 als Absendedatum aus. "Doch zunächst ist mir nur aufgefallen, dass  mein Mann als Empfänger aufgeführt war", sagt die Verkäuferin im Ruhestand, die nach 47 Jahren im Arbeitsleben jeder Oderberger kennen dürfte. Denn ihr Mann Manfred Loch ist 2014 mit 74 Jahren verstorben. Die Adressaten allerdings  sind noch länger tot – seit 2003 und 2006. Für das Paar aus Duisburg dürfte die Reise nach Irland einer der letzten gemeinsamen Urlaube gewesen sein.

Kaum hatte sich Gisela Loch von ihrem Schrecken halbwegs erholt, fischte sie eine Ansichtskarte ihrer Tochter Heike (52)  aus dem Briefkasten, die laut einzigem Stempel am 30. März 1999 in Goslar aufgegeben worden war. "Mein Kind schwärmt darauf in den höchsten Tönen von seinem Harz-Urlaub", berichtet die Oderbergerin, die wie ihr Bekannter vermutet, dass die reichlich verspätete Zustellung dem derzeitigen Erweiterungsbau für den Netto-Markt in Oderberg geschuldet ist, in den die ehemaligen Postsortier-Räume einbezogen sind. "Da könnte jemand beim Ausräumen diese Schätze geborgen und in die Tagespost gegeben haben", findet Frank Buck.

Luftballon am Ufer gefunden

"Ohne die Details zu kennen, halte ich diese These für unwahrscheinlich", sagt Anke Blenn, die bei der Deutschen Post AG Presseanfragen aus Berlin und Brandenburg beantwortet. Der Zustellservice sei seit 1999 und 2000 mehrfach umorganisiert worden. Daher sei es kaum vorstellbar, dass in den Räumlichkeiten  noch alte Postsendungen liegen würden. Doch auch der Post-Sprecherin fällt keine halbwegs plausible andere Erklärung ein.

Derweil ist Gisela Loch gespannt, ob aus Oderberg noch weitere Schneckenpost-Fälle bekannt werden. Dass sich Nachrichten auch viel schneller verbreiten lassen, hat die Rentnerin gerade selbst erlebt. Am Sonntag fand sie am Ufer der Alten Oder einen herzförmigen Luftballon, an dem eine Postkarte hing, um deren prompte Rücksendung ein Hochzeitpaar aus Glienicke bei Berlin bat. Der Ballon war am Sonnabend gen Himmel geschickt worden. Gisela Loch wird ihre Antwort unverdrossen der Deutschen Post anvertrauen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG