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Das Museum Eberswalde lädt in den Ferien zum Papierschöpfen ein. Bis Anfang der 1990er-Jahre wurde in der Fabrik Wolfswinkel noch produziert, erfahren die Kinder.

Altes Handwerk
Wie vor zwei Jahrhunderten

Viola Petersson / 11.07.2019, 06:45 Uhr
Eberswalde (MOZ) Ärmel hochkrempeln, jetzt wird geschöpft!, heißt es am Mittwochnachmittag im Museum. Mitarbeiterin Doreen Pagel macht’s vor und nach einem Demonstrationsdurchgang ist dann auch schon der Nachwuchs dran. Mit dem Papierschöpfen. Ein altes Handwerk, das in Eberswalde eine lange Tradition hat.

Zwei Farben stehen zur Auswahl: braun und gelb. Die vierjährige Johanna entschiedet sich spontan für Gelb. Und taucht den Rahmen samt Schöpfsieb, mit Unterstützung von Doreen Pagel, sogleich in das Bad ein. Abtropfen lassen, jetzt kommt der Schwamm zum Einsatz – und dann geht es zum Wollfilz, wo das Material vom Sieb gelöst wird, in der Fachsprache "Gautschen" genannt. In Wirklichkeit hat das alles natürlich früher viel länger gedauert. Um nach 60 Minuten ein kleines Kunstwerk mit nach Hause nehmen zu können, helfen Doreen Pagel und ihre Kolleginnen bei der Ferienaktion etwas nach. Da kommt zum Trocknen etwa ein Bügeleisen zum Einsatz.

Während Johanna bereits die letzte Station, das Drucken, erreicht und dort ein Blumen-Motiv wählt, sind beim Schöpfen die Zwillinge Salome und Sara (5) an der Reihe. "Wir haben das schon mal in Glauchau gemacht", verrät Salome. Gar nicht so schwer.

Nur das Drucken erfordert ganz schön viel Kraft, wie Dean (8) an der Spindelpresse feststellt. Das Ergebnis fasziniert alle, Kinder und Eltern bzw. Großeltern. "Ein schönes Handwerk", findet Lena Settke aus Eberswalde.

Mit Eierkartons und Bügeleisen

Doch wie kommt die Farbe eigentlich in das Bad, in die Wanne und damit aufs oder ins Papier? Früher, so verriet Doreen Pagel den Teilnehmern vorab, wurden textile Stoffe verwendet, "Hader" genannt. Sie verwendete Eierkartons. Gelbe und braune. Klein geschnitten und im Haushaltsmixer zu einer breiartigen Masse püriert. Etwas Bindemittel Kaolin dazu und dann dem Wasser zugesetzt. Das mit dem Mixer ist vielleicht nicht unbedingt zur Nachahmung daheim zu empfehlen. Aber hier geht’s.

Während Leni, Oma Anne, die Zwillinge und Co. zum Teil schon ihr zweites Werk in Angriff nehmen, verrät Pagel, dass das Papierschöpfen seit drei Jahren im Museum als Ferienaktion angeboten wird. Für Gruppen und Einzelbesucher. Das alte Handwerk eigne sich dafür sehr gut. Und es habe natürlich einen lokalen Bezug.

Denn die Papierherstellung hat in der Region eine lange Geschichte. In und um Eberswalde gab es einst etliche Papiermühlen und später die zwei bekanntesten Fabriken: Spechthausen und Wolfswinkel. Während in Spechthausen die Produktion schon 1956/57 eingestellt wurde, war in Wolfswinkel, das seinerzeit die Handbütte aus Spechthausen übernahm, 1994 Schluss.

Original-Siebrahmen im Fundus

Das Museum ist unter anderem in Besitz einiger Original-Siebrahmen, darunter das berühmte mit dem Wasserzeichen Specht für das handgeschöpfte Büttenpapier. Wobei in Spechthausen und Wolfswinkel nicht nur Schreib- oder Briefpapier hergestellt wurde. Sondern ebenso technische Papiere sowie Papier zur Produktion von Banknoten. Spechthausen etwa ging in die Geschichte ein mit der Produktion der falschen Pfundnoten im Zweiten Weltkrieg.

Spannend für Ferienkinder dürfte ebenso die Schatzsuche sein, die das Museum täglich (außer montags) anbietet. Für größere Kinder und Jugendliche empfiehlt Doreen Pagel wiederum das Quiz zu "Tatort Lücke".

Museum Eberswalde: Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, Gruppenanmeldungen Tel. 03334 520

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