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Sabine Büttner und Alexander Horn sprechen im MOZ-Interview über das soziale Leben in ihrem Ort.

Interview
Wege zum Zusammenwachsen

Kerstin Ewald / 12.07.2019, 08:00 Uhr - Aktualisiert 12.07.2019, 08:55
Werneuchen (MOZ) Sabine Büttner ist in Hohenschönhausen aufgewachsen. Nach einem zehnjährigen Intermezzo in Friedrichshain ist sie 2015 nach Werneuchen-Rudolfshöhe gezogen. Dort wohnt auch Alexander Horn, der allerdings in Werneuchen aufgewachsen ist. Beide haben Kinder mit ihren jeweiligen Partnern. Beide arbeiten in der IT-Branche, wobei Alexander Horn gerade Elternzeit für sein drittes Kind genommen hat. Er ist Stadtverordneter für die Partei Die Linke. Soeben hat er seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl im September bekannt gegeben. Die MOZ hat Alexander Horn weniger als Politiker und Kandidat, denn als "Ur"-Werneuchener  zum Doppelinterview mit der Neu-Werneuchenerin Sabine Büttner eingeladen.

Herr Horn, wie stark bestimmen Vereine Ihr soziales Leben?

Um als Abgeordneter Neutralität zu wahren, bin ich nicht in vielen Vereinen Mitglied. Ich bin seit jeher im Verein Lindenblatt Mitglied, welcher früher regelmäßig ein kommunales Informationsblatt herausgegeben hat.  Außerdem bin ich in den Kitaförderverein eingetreten,  da dringend Mitglieder gesucht wurden, um den Verein zu erhalten. Als meine Frau schwanger war, habe ich als Vertretung für sie bei der VSG Seefeld mitgeturnt – aber nur vorübergehend.

Frau Büttner, wie sieht das bei Ihnen aus?

Büttner: Ich bin bei Karate vom Sportverein Rot-Weiß Werneuchen.  Außerdem mache ich beim Kita Förderverein mit.

Horn: Im Kitaverein ist Frau Büttner sehr aktiv, sie übernimmt dort die Öffentlichkeitsarbeit.

Frau Büttner, Sie wohnen mit Ihrer Familie seit 2015 in Werneuchen und gehören damit noch zu den "Zugezogenen". Wie haben Sie Ihre Anfangszeit in Werneuchen erlebt?

Die erste Zeit war anstrengend, wir mussten eine Kita finden, eine Schule, ich musste mir einen neuen Kundenstamm für meine Firma aufbauen. Als Marita Zinkler von der Landmarie ein Gartenseminar anbot, bin ich da auch hingegangen, um Leute kennenzulernen.

Der Seefelder Ortsvorsteher Frank Kulicke hatte die Idee, eine Begrüßungsmappe für Neu-Werneuchener zu erstellen. Hätte Ihnen das weitergeholfen?

Fände ich ganz nett. Aber mir fehlt in Werneuchen vor allem ein Treffpunkt. Das ist eigentlich das Einzige, das ich hier wirklich vermisse. In Berlin hat ein Teil des sozialen Lebens auf Spielplätzen stattgefunden.

Hier in Werneuchen gibt es doch auch Spielplätze…

Horn: Ja, zum Beispiel den Platz neben der Grundschule, der durch eine Elterninitiative entstanden ist.  Dieser wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen des Jugendetats stetig erweitert. Die Kinder können klettern, Tischtennis spielen, rutschen, schaukeln, sich an einem Wasserspielplatz erfreuen und im Winter manchmal auch rodeln. Auch in Amselhain und dem Wohngebiet am Bahnhof sowie in allen Ortsteilen gibt es Spielplätze. Ein weiterer soll in Stienitzaue entstehen, mit dem Vorhaben beschäftigen sich die Abgeordneten seit einiger Zeit.

Büttner: Trotzdem sind die Spielplätze allein für viele als Treffpunkt nicht attraktiv. Es fehlt dort ein Angebot für die Eltern der kleineren Kinder. Wie ein Café zum Beispiel.

Ein bisschen Flair, ein bisschen Lifestyle?

Büttner: Ja (lacht).

Horn: Ich bin mit meinem Sohn in zwei Krabbelgruppen. Daher kenne ich den Wunsch der Leute mit Kindern, mehr nach draußen zu gehen. Heutzutage findet man auf den Grundstücken der meisten Familien  Spielgeräte für die Kinder. Somit ersparen sich Eltern – oft auch aus zeitlichen Gründen – den Gang zum öffentlichen Spielplatz. Es werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, die Kinder haben ihren Spaß im Garten und die Eltern können nebenbei ihre Arbeiten im Haushalt erledigen.

Es gibt offensichtlich ein Dilemma bei Kulturangeboten in Werneuchen. Alle wünschen sich mehr, aber wenn jemand was anbietet, gehen oft nur wenige hin.

Horn: Ja, die Erfahrung habe ich bei unseren Sommerkabaretten  gemacht, die ich mit organisiert habe.

Büttner: Auch zu den Veranstaltungen in der Alten Schmiede kommen oft nur wenige. Es gab allerdings Abende, die waren richtig gut besucht. Beispielsweise als Radfahrer Täve Schur oder Mikis Wesensbitter kamen.

Es gibt also Sternstunden?

Büttner: Die Leute erwarten viel und wertschätzen nicht die Tatsache, dass jemand überhaupt etwas organisiert. In den Angeboten steckt ja jeweils eine Menge Arbeit, Zeit und Herzblut drin.

Liegt das vielleicht daran, dass oft der soziale Bezug fehlt?

Büttner: Genau!

Frau Büttner, sie engagieren sich mit anderen für ein Bürgerhaus in Werneuchen. Warum glauben Sie, dass die Leute das als Treffpunkt wirklich annehmen würden?

Um für die Bürger attraktiv zu sein, müsste es zentral im Stadtkern liegen. Wir halten die alte Schule in der Breiten Straße für gut. Im Hof könnte man gemeinsam einen richtig tollen Motto-Spielplatz anlegen, Thema wäre vielleicht "Flugplatz". Das passt zu Werneuchen. Die Erwachsenen könnten dort zwanglos Kaffee trinken und sich beim gemeinsamen Bauen und Gärtnern im Bürgergarten kreativ ausleben.

Horn: Ich stelle mir eine Art "urban gardening" vor.

Büttner: Ja. Das genaue Konzept würden die Interessierten mit der Stadt zusammen machen und vielleicht auch mit den Leuten von der Seniorenresidenz.

Horn: Meine Älteste ist gerade sieben geworden und wir versuchen, ihr mehr Freiräume einzuräumen. Für diese Altersgruppe ist es dennoch wichtig, Treffpunkte in den Siedlungsgebieten vorzuhalten.

Büttner: Ja. Aber die brauchen dann schon wieder andere Spiel­angebote, als es dort in der Regel gibt. Statt Wasserspielplatz und Kletterburg könnten es zum Beispiel Plätze zum Ballspielen oder eine Tischtennisplatte wie an der Grundschule sein.

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