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Im Brandenburgischen Viertel hat Mohammed Sifeddin vor wenigen Wochen Bienenkästen aufgestellt – ein Gemeinschaftsprojekt mit der Genossenschaft 1893.

Imkerei
Syrer zeigt die süße Seite des Quartiers

Viola Petersson / 16.07.2019, 19:45 Uhr - Aktualisiert 17.07.2019, 14:23
Eberswalde (MOZ) Vor wenigen Wochen hat die Wohnungsgenossenschaft 1893 auf einen Schlag Tausende neuer Mieter gewonnen. Genauer gesagt: drei Völker. Drei Bienenvölker. Ihr Quartier haben sie im Brandenburgischen Viertel, an der Havellandstraße 15 hinter dem dortigen Vereinshaus, der H 15. In einem Unterstand mit petrolfarbenem Anstrich, der Farbe der Genossenschaft, hat Imker Mohammed Sifeddin aus Syrien drei Bienenkästen aufgestellt. Und inzwischen sogar die erste Ernte "eingefahren". 15 Kilogramm Honig. Ein Ergebnis, das auch ihn überrascht hat.

Mohammed Sifeddin lebt seit fünf Jahren mit seiner Familie in Eberswalde, wohnt im Brandenburgischen Viertel, ist selbst Mieter der Wohnungsgenossenschaft. Von Beruf sei er Maurer, erzählt der 52-Jährige, der heute als Hausmeister in Berlin arbeitet und für den Job pendelt. Die Imkerei sei Hobby, seine große Leidenschaft. Schon sein Vater und sein Großvater hätten Bienen gehalten. Von denen habe er das Imkern gelernt.

Erste Ernte überrascht

Die Kooperation mit der Genossenschaft sei eher zufällig zustande gekommen. "Wir wollen, dass das Brandenburgische Viertel auflebt. Dass die Eberswalder das Quartier von einer anderen Seite wahrnehmen", sagt Vorstand Volker Klich. Dazu gebe es vielfältige Bemühungen, etwa die Ideenküche im Vereinshaus, die Galerie Fenster mit kulturellen Angeboten oder jetzt das Bienenprojekt. Auch mit der Stiftung Waldwelten sei das Unternehmen im Kontakt.

Die Bienenkästen habe er selbst gebaut, erzählt Sifeddin. In der freien Werkstatt des Vereins Hebewerk in der H 15. Seit Anfang Juni seien sie "bevölkert". Weitere Kästen habe er in der Nähe des Studentenwohnheimes im Quartier sowie am Schwappachweg aufgestellt. Der Standort an der H 15 sei aber offenbar der beste. Der Imker öffnet, ganz ohne die sonst übliche Montur, einen Kasten und hebt einige Rahmen hoch. Die Bienen fühlen sich sichtlich wohl. "Sonst wären sie nicht so ruhig", versichert der Experte. Die Ausrichtung der Kästen stimme, das Nahrungsangebot … Im Brandenburgischen Viertel, das über "viele schöne Flächen" und Grün verfügt, produzieren die Völker Lindenblütenhonig. Am Schwappachweg sei hingegen ein gemischter Waldhonig das Ergebnis.

Das Grundprinzip der Bienenhaltung sei in Syrien und Deutschland dasselbe, sagt Sifeddin. Unterschiede gebe es natürlich beim Wetter oder in den konkreten natürlichen Bedingungen, in der Umgebung. Wichtig sind für ihn: "Nicht zufüttern und kein Einsatz von Medikamenten." Gleichwohl sei sein "System" doch etwas anders als das vieler hiesiger Kollegen. Andere Imker würden schon staunen. Vor allem darüber, dass seine Bienen nur 16 Tage für die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt brauchen – statt normalerweise 21. Aber er stelle sein "System" gern vor, tausche Erfahrungen etwa im Imkerverein aus. Bekanntlich gibt es auch verschiedene Formen von Bienenbeuten, von Behausungen.

Spätestens seit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" im Freistaat Bayern ist das summende Insekt auch wieder verstärkt in den medialen Fokus gerückt. In Eberswalde hat die Biene, die zum Synonym für Artenvielfalt wurde, seit vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, eine vergleichsweise starke Lobby. Dank "Bienenpapst" Professor Joachim Bergmann und der Bienenvorlesungen, die an der Eberswalder Hochschule HNE gehalten werden. Landesweit gibt es mehr als 5000 Imker. Ganz so hoch und so wissenschaftlich wollen die Genossenschaft und Mohammed Sifeddin ihr Projekt nicht angebunden wissen. "Aber wir wollen etwas tun für die Umwelt und wir wollen es schon auch anderen zeigen. Vor allem würden wir uns freuen, wenn sich Kita-Gruppen oder Schulklassen für die Bienenhaltung interessieren", so Klich, der noch einmal betont, dass nicht die Honigproduktion  im Vordergrund steht. Die ersten Gläschen aus der Ernte vor wenigen Tagen haben der Imker und Klich verschenkt. Als süße Aufmerksamkeit. Das Brandenburgische Viertel habe so viel Potenzial. Die H 15 sei der beste Beleg.

Anmeldung: Tino Fischer, Tel. 30416; auch in Brandenburg startete eine Volksinitiative "Artenvielfalt retten", der Info-Bus dafür steht vom 12. bis 14. August auf dem Markt Eberswalde

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