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Schornsteinfegermeister Axel Irrling überlässt dem Museum Original-Handwerkszeug seiner Zunft.

Ausgestellt
Glück und Zubehör als Geschenk für Eberswaldes Museum

Rußgeschwärzt: Schornsteinfegermeister Axel Irrling übergab Museumsleiterin Birgit Klitzke in der schwarzen Küche Original-Werkzeug: einen Besen und ein Schultereisen.
Rußgeschwärzt: Schornsteinfegermeister Axel Irrling übergab Museumsleiterin Birgit Klitzke in der schwarzen Küche Original-Werkzeug: einen Besen und ein Schultereisen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 27.07.2019, 13:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Gekocht wird in der schwarzen Küche schon lange nicht mehr. Und auch nicht geräuchert. Der typische Geruch ist indes noch heute wahrnehmbar. Für feine Nasen. Auch die Kulisse, das Ambiente, ist erhalten. Die schwarze Küche im Museum in der Adler-Apotheke sei die letzte in dieser Form noch erlebbare in Eberswalde, sagen Museumsleiterin Birgit Klitzke und Schornsteinfegermeister Axel Irrling. Weshalb der  Eberswalder der Einrichtung ein paar Original-Utensilien überlassen hat: einen Stielbesen, eine Steigerkappe sowie ein Schultereisen.

Zubehör wie es der Schornsteinfeger, einst Feuermauerkehrer genannt, früher benutzt hat. Die Kappe, Axel Irrling streift sie sich über, bedeckt nicht nur den Kopf, sondern auch den Nacken und Teile der Schulterpartie. "Damit einem eben kein Ruß in den Nacken fällt." Denn: Früher wurden die Schornsteine, auch Steiger genannt, von innen bestiegen. Keine einfache Sache, wie der Fachmann sogleich hinzufügt. Er selbst habe das in der Ausbildung noch gelernt. Das war 1977/78. "Da musst du schon einigermaßen sportlich oder zumindest fit sein." Beim Kehren selbst kamen dann der Besen im sogenannten Dreischlag und das Eisen zum Einsatz.  Letzteres für die ganz hartnäckigen Stellen, etwa in Ecken.

Die schwarze Küche im Museum entspreche noch weitestgehend jener Situation von 1663, also dem Originalzustand. Bei der Sanierung Mitte der 1990er-Jahre sei der Schornsteinkopf erneuert und abgedeckt worden. Und: "Früher war der Steiger dreizügig", zeigt Irrling auf alte Zeichnungen. Lediglich der Rauchfang sei nicht mehr erhalten.

Doch warum müssen Schornsteine überhaupt gekehrt werden? "Aus Brandschutzgründen", erklärt Irrling. Der Ruß sei leicht entflammbar. Weshalb früher auch deutlich häufiger als heute der Schornsteinfeger antreten musste.

Birgit Klitzke verweist auf die "Feuer-Polizei- und Lösch-Ordnung für die Stadt Neustadt-Eberswalde" aus dem Jahr 1834. Laut Paragraf 20 waren die Hausbesitzer verpflichtet, "sechs Mal im Jahre" den Schornstein fegen zu lassen. Und zwar zwei Mal im Sommer und vier Mal im Winter. Auch die Termine waren genau bestimmt: "zu Neujahr, zu Lichtmessen, Ostern, Johannis, Michaelis und Martini". Der Einsatz von Nachtwächtern, ebenfalls in besagter Ordnung geregelt, sollte dazu beitragen, etwaige Brände in der Nacht möglichst schnell zu entdecken. Entsprechend der damaligen Stadtgröße waren für Eberswalde und Vorstadt vier Mitarbeiter vorgesehen.

Gleichwohl kam es früher häufiger zu Schornsteinbränden, wie Irrling weiß. Der Glaube vom Schornsteinfeger als Glücksbringer fuße genau auf seiner Tätigkeit: Habe der schwarze Mann den Kamin, den Schornstein gereinigt, drohe zunächst mal keine Gefahr, sei man vor einem Brand relativ sicher.

Museumsleiterin Klitzke wiederum erklärt anhand der offenen Kochstelle in der schwarzen Küche sogleich den Ursprung der Redewendung "Einen Zahn zulegen". Der Topf ist in eine Zahnstange oder in ein Zahneisen eingehängt. Dort kann er dank mehrerer Ösen höher oder tiefer positioniert werden. Je tiefer er hängt in der Zahnstange, desto schneller wird das Essen fertig.

Reinigungspflicht exakt geregelt

Schwarze Küchen mit entsprechenden Schornsteinen seien noch bis in die Nachkriegszeit verbreitet gewesen, so Irrling. In Teilen seien solche Zeitzeugnisse in Eberswalde noch in der Steinstraße 1 sowie in der Breiten Straße 15/16 erhalten. Und in Niederfinow auf dem Klockow-Hof, wie der Handwerker weiß. Darüber hinaus gilt die schwarze Küche im unter Denkmalschutz stehenden Querhaus Hohenfinow als sehr besonders.

So alt das Handwerk des Feuermauerkehrers anmutet, so jung sei der Beruf eigentlich, verrät Irrling noch. Der Beruf komme eigentlich aus Italien. Gerade für Oberitalien sei die schwarze Küche typisch gewesen. Im 16./17. Jahrhundert mit dem Erlass von Brand- oder Feuerordnungen etablierten sich auch in Deutschland die schwarzen Männer. Das Berufsbild hat sich freilich seither massiv verändert.

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