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Sie teilen jede freie Minute. Lieselotte Wenzel (78) und Manfred Werner (87) haben sich in der "Herbstsonne" kennengelernt – und verlobt.

Hochzeitspläne
Frisch verliebt im Pflegeheim

Genießen jede Umarmung: Manfred Werner und Lieselotte Wenzel leben im Oderberger Awo-­Senioren­zentrum "Herbstsonne" und sind glücklich, einen Partner an ihrer Seite zu haben.
Genießen jede Umarmung: Manfred Werner und Lieselotte Wenzel leben im Oderberger Awo-­Senioren­zentrum "Herbstsonne" und sind glücklich, einen Partner an ihrer Seite zu haben. © Foto: Ellen Werner
Ellen Werner / 11.08.2019, 11:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Lieselotte Wenzel zupft Manfred Werner liebevoll am Hemd und streichelt seine Wange. "Wir lieben uns doch, wa, Manni?", fragt sie. Der 87-Jährige tastet nach den Händen seiner neun Jahre jüngeren Partnerin und hält sie fest. Ein tief beglücktes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. "Wir wollen ja auch, solange wir leben, zusammen sein, was, kleine Maus?", stellt er in einem dieser innigen Momente fest.

An den Ringfingern der beiden glänzt es silbern: Sie sind verlobt und dabei erst seit Kurzem ein Paar. Kennengelernt haben sich die aus Letschin stammende einstige Melkerin und der frühere Polizist aus Schiffmühle, als Lieselotte Wenzel im November ins Oderberger Seniorenzentrum "Herbstsonne" einzog. Manfred Werner schien nur auf sie gewartet zu haben. "Sie war mir gleich sympathisch, ihr ganzes Wesen", sagt er. "Ich habe mir immer so eine Frau gewünscht – so lieb und umgänglich, immer nett und freundlich."

Sie half dem Mann im Rollstuhl

"Lotte hat sich fast immer neben Manni gesetzt", schildert Physio- und Beschäftigungstherapeutin Michaela Nitschke die Anfänge der Altersliebe aus ihrer Sicht. Die neue Bewohnerin habe dem Mann im Rollstuhl beim Essen und anderen Beschäftigungen geholfen, wo es ging, ihn aber auch gestreichelt und umarmt. "Sie hat sich sehr um ihn bemüht. Dann hat sich das in der Form entwickelt", sagt die Mitarbeiterin.

Manfred Werner lebt seit elf Jahren in dem familiär wirkenden Haus der Awo mit rund 40 Pflegeplätzen. "Wegen meines Zuckers habe ich erst das Bein verloren und dann das Augenlicht", erzählt er. Nach einer Operation habe er damals nicht mehr in sein Haus zurückkehren können.

Schon vorher sei er 30 Jahre allein gewesen. Seine erste Frau verstarb, genauso wie eine von zwei Töchtern, an einer Krebserkrankung. Und auch Lieselotte Wenzel, die sich selbst nur noch bruchstückhaft an ihre eigene Vergangenheit erinnert, habe sich seit Langem einsam gefühlt, wisse er von ihrem Sohn. Ihre erste Ehe, aus der noch zwei Töchter hervorgingen, sei vor fast 50 Jahren geschieden worden. Ihre Eltern leben längst nicht mehr, der Aufenthaltsort einer Zwillingsschwester sei unbekannt.

In der "Herbstsonne" jedenfalls genießt das Paar gemeinsame Momente, wann immer es geht. "Früh erzählt sie mir immer gleich, was sie anhat", berichtet Manfred Werner, für den Lieselotte Wenzel nun oft das Sehen übernimmt. "Wir sitzen immer zusammen und halten Händchen." Weil beide an allen Aktivitäten von Gedächtnistraining bis Sport Freude haben, gibt es viele Gelegenheiten, die Zeit zu teilen. Selbst bei der Physiotherapie helfe Lieselotte ihrem Partner, sagt Michaela Nitschke. "Und der Apfel, der seit Jahren Mannis Ritual nach dem Frühstück ist, wird nun zusammen verdrückt."

Die Physiotherapeutin war es auch, die im März das von beiden gewünschte Verlöbnis im Beisein der Einrichtungsleitung mit feierlichen Worten begleitete. Dazu gab es Sekt. Mit Lieselottes Wenzels Sohn stießen die Verlobten später noch an. "So habe ich nun auch wieder eine Familie", sagt Manfred Werner. Während sich die Mitarbeiter mit dem Paar über dieses wertvolle Stück Lebensqualität freuen, ist vonseiten der Bewohner jedoch auch Neid auf ihre Zweisamkeit zu spüren, berichten Lieselotte Wenzel und Manfred Werner. Die wenigsten im Haus haben noch einen Partner. Über noch etwas wären beide froh: ein eigenes Zimmer. "Wir kuscheln gern", sagt Manfred Werner. Bisher teilen sie ihre Zwei-Bett-Zimmer mit anderen Pflegebedürftigen.

Werden nun auch die Hochzeitsglocken läuten? Lieselotte Wenzels Sohn als ihr Betreuer habe vorgeschlagen, die Beziehung erst noch eine Zeitlang zu testen, sagt Manfred Werner. Er hofft, dass er zum Jahresende "Ja" sagen kann.

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