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Die Krankenkasse DAK schlägt Alarm. Der Landkreis Barnim ist bei den krankheitsbedingten Ausfallzeiten ein Spitzenreiter in Brandenburg.

Alarm
Barnimer am häufigsten krank

Eine Krankschreibung.
Eine Krankschreibung. © Foto: Christin Klose/dpa
Sven Klamann / 10.09.2019, 21:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Laut DAK-Gesundheitsreport waren 2018 im Barnim an jedem Tag des Jahres von 1000 Beschäftigten 60 krankgeschrieben. Damit beträgt die Ausfallquote 6,0 Prozent. 2017 waren es noch 5,4 Prozent. Zum Vergleich: Der niedrigste Krankenstand in Brandenburg wurde mit 4,6 Prozent in der Landeshauptstadt Potsdam verzeichnet. Für die Uckermark stehen 5,8 Prozent zu Buche, für Märkisch-Oderland 5,7 Prozent. Im Bundesdurchschnitt beläuft sich die Ausfallquote auf 4,2 Prozent.

Wenn die Barnimer der Arbeit wegen Unpässlichkeit fernbleiben, haben sie es meistens am Rücken: Je 100 Versicherte gab es 451 Fehltage wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (2017: 447). Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von einem Prozent.

Plausible Erklärungen fehlen

Deutlich stärker, um 15 Prozent, haben Atemwegserkrankungen zugenommen, bei denen im vorigen Jahr 351 Fehltage zu verzeichnen waren (2017: 306). Warum so viel mehr Beschäftigte im Landkreis an Bronchitis, Schnupfen oder Madelentzündungen litten, weiß auch Heiko Schübler nicht, der das Servicecenter der Krankenkasse für Barnim und Märkisch-Oderland leitet. Auch für das Abrutschen des Barnims auf den letzten Platz der Krankentage-Statistik in Brandenburg hat die DAK-Führungskraft nicht wirklich eine plausible Erklärung parat. "Die Barnimer Beschäftigten sind ja nicht plötzlich alle anfälliger oder gar fauler geworden", betont Heiko Schübler. Mit ihren Analysen zum Krankenstand im Landkreis setze die Krankenkasse gezielt beim betrieblichen Gesundheitsmanagement an und biete Arbeitgebern konkrete Programme an.

311 Ausfalltage kamen im vorigen Jahr zustande, weil Barnimer wegen Depressionen, Angstzuständen oder anderen psychischen Erkrankungen mit ärztlichem Attest ihrer Arbeit ferngeblieben sind, 2017 war deswegen 314 Ausfalltage aufgelaufen. 297 Ausfalltage gingen im vorigen Jahr auf das Konto von Verletzungen, 110 waren Erkrankungen des Verdauungssystems geschuldet. Bei 115 Ausfalltagen gab es unspezifische Symptome.

Ein anderer Blick in die Statistik: 20,5 Prozent aller Fehltage im Barnim lagen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zugrunde, gefolgt von denen des Atmungssystems (15,9 Prozent), Verletzungen (13,5 Prozent), unspezifischen Symptomen (5,2 Prozent), Erkrankungen des Verdauungstraktes (5,0 Prozent), von Nervensystem, Augen, Ohren (4,9 Prozent), Infektionen (4,9 Prozent), Kreislaufbeschwerden (4,4 Prozent), Neubildungen (3,1 Prozent) und sonstigen Erkrankungen (8,3 Prozent).

Brandenburgweit hat die DAK im vorigen Jahr untersuchen lassen, wie verbreitet Süchte und Abhängigkeiten sind. Demnach trinkt jeder zwölfte Arbeitnehmer Alkohol in riskanten Mengen. Fünf Prozent aller Erwerbstätigen gelten als Computerspieler, die sich diesbezüglich nicht mehr unter Kontrolle haben. 16 Prozent aller Beschäftigten sind nikotinabhängig. Jeder zweite Raucher kann nicht auf die Pause warten und zieht auch während der Arbeit am Glimmstengel.

Riskanter Umgang mit Alkohol

"All diese Süchte geben Anlass zur Sorge", betont Heiko Schübler, der die anderen Abhängigkeiten keinesfalls kleinreden will, jedoch im unkontrollierten Umgang mit Alkohol ein besonders zentrales Problem der Gesellschaft sieht, das gravierende Folgen für die Arbeitswelt habe. "Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann", sagt der Leiter des DAK-Servicecenters.

Beim Thema Alkoholprävention würden in Brandenburg flächendeckende und wirksame Angebote fehlen. Die Krankenkasse schließe diese bisherige Versorgungslücke künftig mit einem neuen Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen, das im Internet unter www.dak.de abrufbar sei.

Wofür die Krankenkasse Zahlen nutzt

Das Servicecenter der DAK für Barnim und Märkisch-Oderland betreut in beiden Landkreisen zusammen etwa 34 000 Versicherte. Allein im Barnim sind es etwa 25 000 Versicherte. Deren Krankmeldungen wurden von der Krankenkasse statistisch erfasst. Weil dies in allen anderen Landkreisen Brandenburgs genau geschieht, ergeben sich vergleichbare Zahlen, die für die DAK nicht nur wichtig sind, um eine Rangliste erstellen zu können. Vielmehr werden die Angaben benötigt, um zielgerichtet Präventionskurse anzubieten. So wurde das Online-Programm "Vorvida" entwickelt, das bei Alkoholproblemen greift und einen reduzierten Konsum zum Ziel hat.⇥sk

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