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Fußball
"Bundesliga wäre schon toll"

Auf Ballhöhe: Tobias Behm steht bei einem Testspiel des Brandenburgligisten Preussen Eberswalde an der Linie.
Auf Ballhöhe: Tobias Behm steht bei einem Testspiel des Brandenburgligisten Preussen Eberswalde an der Linie. © Foto: Dirk Schaal
Dirk Schaal / 11.09.2019, 05:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Einmal im Jahr wird es ernst für die jungen Schiedsrichter im Fußballkreis Oberhavel/Barnim. Dann steht die Aufnahme in den Förderkader der Saison an. Doch vorher muss ein Leistungstest durchlaufen werden.

Der Test besteht aus einer Abfrage von Regelkunde, einem Lauftest und einem Videoszenentest. Beim Video müssen sich die jungen Schiedsrichter verschiedene Zweikampfszenen anschauen und das Gesehene bewerten, ob strafstoßwürdig, fairer oder unfairer Körpereinsatz sowie nach weiteren Gesichtspunkten. Die Norm für den Lauftest sind jeweils 35 Sekunden für Intervalle von 150 Meter Sprint und 50 Meter Gehen über insgesamt vier km (sogenannter FIFA-Test).

Wenn man diesen Leistungstest bestanden hat, kommen die besten zehn Jung-Schiris unter 22 Jahren in den Förderkader. Der ist das Sprungbrett zum Aufstieg in höhere Ligen. "Das mit den Förderkadern setzt sich im Landesspielbetrieb sowie beim NOFV fort. Auch dort werden die Besten gezielt gefördert und so für höhere Aufgaben vorbereitet", erklärte Max Mangold, Lehrwart und Koordinator Lehrstab im Fußballkreis.

Ein Coach an der Seite

Die Förderung besteht aus mehreren Komponenten. Jedem Förderkadermitglied wird ein erfahrener Coach zur Seite gestellt, der bei Fragen die passenden Antworten parat hat sowie mindestens zwei Spiele seines Schützlings beobachtet und auswertet. Dazu kommen vier extra Lehrveranstaltungen, zusätzlich zu den allgemeinen Schulungen, pro Saison. Darüber hinaus stehen die Förderkaderschiris auch im besonderen Fokus des Fußballkreises, drei bis vier Beobachtungen pro Saison durch erfahrene Kollegen  sind dabei die Regel.

Ziel der Förderung ist, die Schiris, die in dieser Saison ein Durchschnittsalter von etwa 16 Jahren aufweisen, fit zu machen für Einsätze in höheren Ligen. Im Kreis sind pro Saison der Aufstieg in zwei höhere Ligen möglich, im Landesspielbetrieb ist es dagegen nur eine.

"Im aktuellen Förderkader sind zwei Schiedsrichter, die es im nächsten Jahr in die Landesklasse schaffen können. Die weitere Förderung übernimmt dann der Landesverband", erklärte Max Mangold.

Beim jungen Schiedsrichternachwuchs sieht er den Fußballkreis derzeit gut aufgestellt, in der Altersklasse zwischen 25 und 40 Jahren ist derzeit eine große Lücke.  Es ist nie zu spät, sich als Schiedsrichter ausbilden zu lassen, wobei das Einstiegsalter von etwa 14 Jahren perfekt ist, berichtete Max Mangold. "Ein gewisses Talent sollten die jungen Schiedsrichter schon mitbringen, das Wissen vermitteln wir.  Die persönliche Entwicklung kommt meist durch die Tätigkeit auf dem Platz, da kann man als Lehrwart nur unterstützend tätig werden", sagte Max Mangold.

Selbstbewusstsein gelernt

So eine enorme Entwicklung hat der erst 15-jährige Tobias Behm durchlaufen. Seine Mutter Andrea Behm sagt, mit unübersehbarem Stolz über ihn: "Seit er als Schiedsrichter tätig ist, ist er ein ganz anderer Mensch geworden. Vorher war er eher so der stille zurückhaltende Typ, jetzt tritt er auch außerhalb des Platzes sehr bestimmt und selbstbewusst auf."

Mit sechs Jahren Tobias Behm bei der Schul-AG mit Fußball angefangen, später durchlief er Jugendstationen bei Preussen und Lok Eberswalde. Weil ihn die Technik nicht ganz so lag, sahen seine Trainer seine Position eher zwischen den Pfosten. "Doch da fehlte ihm die Bewegung, er war todunglücklich", erklärte seine Mutter lachend. So lief er sehr erfolgreich bei Wettbewerben der Region wie dem Sparkassenlauf-Cup, dem Eberswalder Stadtlauf oder auch dem Werbellinseelauf ganz vorn mit.

Doch so richtig ließ ihn der Fußball nicht los und so entdecke er seine ganz große Leidenschaft: Schiedsrichter sein.

Schon bald war er dann auf dem Schiedsrichterlehrgang des Fußballkreises zu finden. Den Regeltest schloss er als Lehrgangsbester mit 51,5 von 52 möglichen Punkten ab, ein absoluter Spitzenwert.

Unverhofft zum ersten Einsatz

Seinen ersten Einsatz hatte er im Nachwuchsspiel der D2-Junioren von Lok Eberswalde gegen Joachimsthal. Der eigentliche Schiedsrichter fehlte, Tobias Behm wurde von der Tribüne geholt und machte seine Sache gut: "Es war im November unter Flutlicht. Komisch war es schon, Freunde waren dabei, fürs erste Spiel war es aber ganz gut", sagte der 15-Jährige.

Sein Weg führte über viele Nachwuchsspiele und Turniere nun bis zu den Männern der 1. Kreisklasse. Mit seinen 1,85 Meter Körpergröße ist er trotz seines jugendlichen Alters eine Erscheinung auf dem Platz. Mit seiner selbstbewussten Art hat er auch diese Spiele im Griff, auch wenn es ihn manchmal noch komisch vorkommt, Erwachsene zur Räson rufen zu müssen. "Ich denke, ich habe genau meine Bestimmung gefunden", sagte Tobias Behm. Dabei soll im Landesfußball nicht Ende sein mit seiner Schiedsrichterkarriere: "Bundesliga pfeiffen wäre schon eine tolle Sache."

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