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Mobilitätswende
Wenn Elektroautos brennen

Feuer-Auto: Wenn Kraftfahrzeuge erst in Flammen stehen, brennen sie oft aus. Noch schwerer zu löschen als Benzin- oder Dieselfahrzeuge wären für die Feuerwehr aber brennende Akkus in Stromautos. Dafür ist fünfmal mehr Löschwasser nötig.
Feuer-Auto: Wenn Kraftfahrzeuge erst in Flammen stehen, brennen sie oft aus. Noch schwerer zu löschen als Benzin- oder Dieselfahrzeuge wären für die Feuerwehr aber brennende Akkus in Stromautos. Dafür ist fünfmal mehr Löschwasser nötig. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Jörn Kerckhoff / 25.09.2019, 22:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Republik soll in Sachen Mobilität elektrifiziert werden. Auch der Landkreis Barnim setzt auf die Zukunft von Stromautos. Die Kreiswerke wollen alle 15 Kilometer Ladesäulen für E-Fahrzeuge aufstellen und mit Elektroflotten sowie dem Carsharing-Angebot "Barshare", das ebenfalls auf Elektroautos setzt, ihren Teil zur Umstellung beitragen. Ein Ziel, das weitere Herausforderungen mit sich bringt.

Wie muss zum Beispiel die Feuerwehr reagieren, wenn ein Elektroauto einen Unfall baut? Immer wieder liest man nämlich, dass die Rettung von Fahrzeuginsassen aus beschädigten Elektroautos für die Rettungskräfte gefährlich werden könne. Immerhin liegt auf den Leitungen von E-Autos und Hybridfahrzeugen eine Spannung von 400 bis 600 Volt an. Sollten die Leitungen oder der Lithium-Ionen-Akku beschädigt sein, kann dies für Ersthelfer und die Feuerwehr Gefahr bedeuten. Wie groß ist diese Gefahr aber in der Realität?

Zahl der Fahrzeuge noch gering

"Wir haben bei Einsätzen bislang noch keine Erfahrung mit Elektro- oder Hybridfahrzeugen gemacht", erklärt dazu Nikolaus Meier, Stadtbrandrat der Berufsfeuerwehr Eberswalde. Die Zahl dieser Fahrzeuge im Landkreis Barnim sei noch relativ gering. Laut Kfz-Zulassungsstelle sind es aktuell 432 Elektro- und 1052 Hybridfahrzeuge im Landkreis (im Vorjahr 328 E- und 654 Hybridfahrzeuge), was einen Anteil von knapp 1,4 Prozent der 155 122 gemeldeten Fahrzeuge im Barnim ausmacht.

Aber natürlich bereite sich die Feuerwehr auf den Fall der Fälle vor, so Meier. Dies könne durch das Lesen von Fachliteratur geschehen, oder aber auch durch das Üben am Objekt. So stelle ein Autohändler der Feuerwehr Eberswalde im Oktober ein Elektroauto zur Verfügung, damit sich die Feuerwehrleute mit einem solchen Fahrzeug vertraut machen können. Im Aufbau seien diese Fahrzeuge alle gleich, so Meier. Natürlich gebe es – wie bei Autos mit Verbrennungsmotor auch – kleine Unterschiede zwischen den einzelnen E-Autos, aber die Anatomie sei grundsätzlich immer die gleiche.

Die Gefahr, dass Ersthelfer oder Rettungskräfte zu Schaden kommen, sei durch die Bauweise der Elektrofahrzeuge inzwischen aber auch sehr gering, versichert Meier. Zum einen seien die Akkus im Unterboden der Autos sehr geschützt angebracht, sodass sie bei einem Unfall nur sehr selten in Mitleidenschaft gezogen würden. Auch die stromführenden Leitungen seien besonders ummantelt, damit sie, selbst bei einem heftigen Aufprall, intakt blieben.

Zum anderen gebe es bei den meisten Elektrofahrzeugen einen Mechanismus, der mit den Airbags gekoppelt ist und den Lithium-Ionen-Akku automatisch vom Bordnetz trennt, wenn der Airbag ausgelöst wird. "Es gibt keinen Grund, verletzten Personen in einem Elektro- oder Hybridfahrzeug nicht zu helfen", macht Meier deutlich. Er habe bundesweit noch von keinem Fall gehört, bei dem Helfer durch ein E-Auto verletzt worden seien.

Kompliziert werde es, wenn der Akku oder die Leitungen doch beschädigt seien und das Fahrzeug sogar in Brand gerät. "Ein brennender Lithium-Ionen-Akku ist deutlich schwerer zu löschen, als ein brennendes Benzin- oder Dieselfahrzeug", so der Stadtbrandrat. Bei einem solchen Fahrzeug brauche die Feuerwehr etwa 2000 Liter Wasser zum Löschen des Brandes, beim Brand eines Fahrzeugs mit Lithium-Ionen-Akku seien es etwa 10 000 Liter, oder es brauche sogar spezielle Löschmittel.

Ein Problem sind Akkus im Müll

Genau diese Gefahr, die von den Lithium-Ionen-Akkus ausgeht, sorgt nun übrigens dafür, dass die deutschen Abfallentsorger die Einführung eines Pfands von 50 Euro beim Verkauf von E-Scootern oder Elektrogeräten fordern. Oft würden diese Akkus nicht ordnungsgemäß entsorgt und achtlos in den Restmüll geworfen, was bereits zu zahlreichen Bränden in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen geführt habe. Dort könnten die Akkus nämlich beschädigt werden – wenn etwa der Müll in einem Müllwagen zusammengepresst wird – sich entzünden und schwere Brände auslösen. Das Pfand soll dafür sorgen, dass die Käufer die Akkus zurückbringen, wenn das Gerät kaputt sei, und diese sachgemäß entsorgt werden.

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