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4000 Starter bei Extrem-Hindernislauf
Spartan Race in Finowfurt: "Wenn schon, dann alle drei"

Dirk Schaal / 01.10.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 01.10.2019, 10:00
Finowfurt (MOZ) Ich wollte mal etwas anderes ausprobieren, aber dagegen ist Triathlon ja schon fast Kindergarten", meinte Franziska Lechner glückstrahlend nach dem Zieleinlauf. Die 43- jährige Triathletin war aus der Nähe von Hamburg angereist, um ihren ersten Spartan Race zu absolvieren. "Ich komme ab jetzt öfter, versprochen, irgendwie sind hier alle cooler drauf und nicht so verbissen wie bei anderen Wettkämpfen. Jetzt muss ich aber los, der Besuch wartet Zuhause", rief sie noch im Vorbeigehen zu.

So wie ihr erging es wohl auch dem Großteil der 4000 Starter. Keiner wollte sich eine Blöße geben, aber da wurde kurzerhand auch schon mal dem Nebenmann beim Überwinden der Hindernisse geholfen und wildfremde Menschen lagen sich nach dem gleichzeitigen Zieleinlauf in den Armen.

Über 4000 Spartaner aus 42 Nationen trafen sich zum großen Abschluss-Event der Spartan Race Serie Deutschland und Österreich im Luftfahrtmuseum Finowfurt.
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Spartan Race in Finowfurt

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Diese Erfahrung machte auch der Finower Bernd Dräger. "Beim letzten Hindernis fing es an zu nieseln. Da hatte ich Mühe, über die Holzwand zu kommen. Plötzlich half einer von unten zu drücken, oben fasste jemand zu und zog mich drüber", berichtete der 65-Jährige, der zum ersten Mal solch einen Hindernislauf bewältigte. Gut kam er durch den Wettkampf, bei gerade einmal zwei Hindernissen musste er passen: "Beim Hangeln bin ich am letzten Ring abgerutscht und beim Seilklettern ist mir das Seil aus den Beinen gerutscht." Passiert so etwas, sind 30 Burpees fällig. Das sind auf gut deutsch Hockstrecksprünge, zwischen denen man in Bauchlage gehen muss.

"Ich mache das jederzeit wieder, bin auch beim nächsten Mal wieder dabei. Ob ich dann wieder die fünf Kilometer laufe oder vielleicht doch eine längere Strecke, das wird sich noch entscheiden. Auf alle Fälle werde ich bis dahin mehr meinen Oberkörper trainieren, denn jetzt schmerzen einige Muskeln, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt", sagte Bernd Dräger lachend.

Keiner war schneller

Ebenso wie Bernd Dräger hatte Jan-Philip Dieckmann, der Gewinner des Beast (der längste Lauf mit 21 Kilometern und 30 Hindernissen), den Speerwurf mit Erfolg ausgeführt. "Das war mein Glück. Der Franzose Grégory Basilico lag vor mir, aber sein Speer traf nicht. So konnte ich ihn noch kurz vor dem Ziel überholen", sagte der Sieger freudestrahlend. Nach 1:42,44 Stunden kam er ins Ziel, zwei Minuten vor seinem französischen Kontrahenten. Auch wenn die absolute Weltspitze aufgrund der gleichzeitig stattgefundenen Weltmeisterschaft im kanadischen Lake Tahoe nicht in Finowfurt am Start war, war Dieckmann über den Sieg in Finowfurt überglücklich.

Mindestens fünfmal in der Woche trainiert der Student für Wirtschaftsingenieurwesen gleich nach dem Aufstehen, 70 Laufkilometer kommen so pro Woche zusammen. Dazu kommen noch verschiedene Kraftübungen. So hat er es auch in das weltweite Pro-Team geschafft, dem die 200 besten Athleten im Extrem-Hindernislauf (Obstacle Course Racing, kurz OCR) angehören. In zwei Wochen startet er bei einer Art unabhängiger WM, bei der Hindernisse aller Veranstalter eingesetzt werden. "Da möchte ich schon mindestens aufs Podest kommen", sagte Dieckmann.

Platzierungen sind für Felix Neumann eher nebensächlich. "Es ist immer ein Stück Selbstüberwindung. Hast du es geschafft, dann ist es ein richtig schönes Gefühl", beschrieb der 30-Jährige seinen Antrieb für solche Extrem-Hindernisläufe. Doch nur ein Lauf reicht dem Britzer Fußballer nicht: "Wenn schon, dann müssen es alle drei sein." So lief er in Finowfurt den Beast (21 km), Super (13 km) und den Sprint (5 km) und überwand dabei 75 Hindernisse. Das nennt man dann Tages-Trifecta und ist die inoffizielle Krönung eines jeden Wettkampftages.

Augen zu und durch

Dabei war nicht einmal klar, ob der Eberswalder Kindergärtner überhaupt einen Wettkampf zu Ende bringen kann. "Gleich beim ersten Lauf, dem Beast, bin ich vom Twister gestürzt und unglücklich auf die Schulter gefallen. Da hatte ich schon überlegt, ob ich aufhöre, weil es sehr geschmerzt hat", berichtete Neumann. Doch nach dem Lauf ließ er sich ein Kühlkissen geben, das auch seine Wirkung nicht verfehlt hatte. "Danach ging es wieder, mit kühler Schulter und viel Adrenalin habe ich die beiden anderen Läufe auch noch geschafft", erklärte Neumann.

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