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Einschränkung des Standesamtes Britz-Chorin-Oderberg ist im Choriner Gemeinderat und bei Gastronomen Thema. Vorerst bleibt es dabei.

Hochzeitstourismus
Schulterzucken statt Ja-Wort

Hochzeitswerbung auf der Kloster-Website: Einheimische und Kirchliche können sich weiter dort trauen lassen.
Hochzeitswerbung auf der Kloster-Website: Einheimische und Kirchliche können sich weiter dort trauen lassen. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Marco Marschall / 09.10.2019, 06:45 Uhr
Chorin (MOZ) Mittlerweile wurde der Hinweis von der Internetseite des Amtes genommen. Doch das liege laut Hauptamtsleiterin Solveig Spann daran, dass neue Nachrichten auf der Seite eingeflossen sind. Damit gilt nach wie vor, dass Eheschließungen für das Jahr 2020 im Amtsbereich Britz-Chorin-Oderberg aus personellen und organisatorischen Gründen nur Brautpaaren angeboten werden können, die im Zuständigkeitsbereich wohnen oder dort ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Hintergrund ist der längerfristige Ausfall einer Mitarbeiterin. Damit hätten nur noch zwei diese Qualifikation.

Die Einschränkung ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil mehr als die Hälfte der Paare in diesem Jahr von außerhalb kam. Wie die Märkische Oderzeitung berichtete, waren 2019 bis vor zwei Wochen nur 16 Einheimische unter den 51 Hochzeitspaaren im Amtsbereich. Vor allem das Kloster Chorin gilt als Heiratshotspot.

Dünnes Eis

Die Nachricht über die eingeschränkte Terminvergabe war daher auch im Choriner Gemeinderat Thema. Allerdings im nichtöffentlichen Teil. Bürgermeister Martin Horst, der aus der Zeitung davon erfahren hatte, sieht auf Nachfrage der MOZ wenig Handlungsspielraum. Gut möglich, dass der Amtsausschuss das Thema noch einmal aufgreift. "Doch über den Amtsausschuss können wir uns auch keinen Standesbeamten backen", sagt er. Es sei eine missliche Lage und zeige, dass man sich mit der Zahl der Standesbeamten möglicherweise auf zu dünnem Eis bewegt habe. Horst macht darauf aufmerksam, dass es nicht nur um den Trauungsakt allein gehe, sondern auch um Vorgespräch und Nachbearbeitung. Denkbar sei laut Choriner Bürgermeister nun, eine weitere Kraft im Amt für diese Aufgabe zu qualifizieren. Für den Moment aber könne seitens der Gemeinde nichts getan werden.

Ralph Schroedter, Hoteldirektor im Haus Chorin, spricht von einem "Schlag in den Nacken". Zwischen 10 000 und 20 000 Euro schätzt er den jährlichen Umsatz seines Betriebes durch Hochzeitsgesellschaften. Auf der Internetseite des Hotels wird explizit auf die Möglichkeit der standesamtlichen Trauung im Kloster hingewiesen. Und auch das Kloster selbst macht auf seiner Homepage auf dieses Angebot aufmerksam. Auch auf Messen wirbt das Hotel fürs Heiraten in Chorin. Denn wer als Hochzeitsgast kommt, kommt vielleicht wieder.

Das Standesamt Britz-Chorin-Oderberg ist selbstverständlich nicht das einzige, das bei Paaren aus Berlin und dem Speckgürtel beliebt ist. Knapp die Hälfte der Paare, die sich in der Gemeinde Schorfheide standesamtlich trauen lassen, kommen nicht aus dem Zuständigkeitsbereich der Verwaltung in Finowfurt. Das betrifft 18 von 43 Hochzeiten in diesem und 32 von 67 im vergangenen Jahr. Sie heiraten im Jagdschloss Groß Schönebeck, im Schloss Lichterfelde oder in der Gemeindeverwaltung. Alle würden gleich behandelt, heißt es. Damit der Hochzeitsbetrieb läuft, gibt es zwei Standesbeamte und eine gegenseitige Aushilfsvereinbarung mit dem Amt Joachimsthal, die bisher aber noch nicht in Anspruch genommen werden musste.

Eberswalde ist, vor allem mit seiner Märchenvilla, ebenfalls ein beliebter Ort zum Heiraten. 100 der 252 Eheschließungen im vergangenen Jahr betrafen auswärtige Paare. Für das laufenden Jahr haben sich 72 heiratswillige Duos von außerhalb im Standesamt der Barnimer Kreisstadt angemeldet. Knapp 200 gaben sich 2019 insgesamt bereits das Ja-Wort. Dafür gibt es laut Pressestelle des Rathauses derzeit drei Mitarbeiterinnen im Standesamt Eberswalde plus eine Mitarbeiterin im Sachgebiet Pass- und Meldewesen des gleichen Amtes – dem Bürgeramt – die bei Bedarf einspringen kann.

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