Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

In Oderberg soll ein Lagerplatz für Pflanzenreste aus dem Wasser entstehen. Die Standortsuche gestaltet sich schwierig.

Standortsuche
Wohin mit dem Kraut aus der Alten Oder?

Marco Marschall / 08.11.2019, 06:15 Uhr
Oderberg Es sind große Herausforderungen für die Gewässerunterhaltung, die die Wetterextreme mit sich bringen. Unterwasser- und Ufervegetation würden schnell und üppig wachsen. Die entnommene Biomasse aus den Fließgewässern sei in diesem und im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gewesen. Damit begründet das Landesamt für Umwelt (LfU) die Notwendigkeit eines ausgebauten Krautlagerplatzes in Oderberg.

Derzeit lagert das, was entnommen wird, auf dem sogenannten Mittelbusch, also der Landzunge zwischen Oder-Havel-Kanal beziehungsweise Oderberger See und Alter Oder. Weil der Platz nicht befestigt ist, gelangen übers Sickerwasser erhebliche Nährstoffmengen in das angrenzende Gewässer, das dadurch quasi gedüngt wird. Das LfU will dem mit einer etwa 500 Quadratmeter großen befestigten Fläche begegnen. Dort soll die Biomasse auf einer Schottergrundfläche vortrocknen und zum weiterem Trocken in ein Silo, etwa 200 Quadratmeter der Gesamtfläche, verfüllt werden. Die austretende Flüssigkeit wird aufgefangen und entsorgt.

Eingriff in die Natur

Soweit das Vorhaben. Doch was ist mit dem Standort? Den würde das LfU gern auf die gegenüberliegende Seite des Mittelbuschs verlagern, dort wo sich auch der Sportplatz befindet. Laut Antwort der Behörde auf eine Anfrage der Märkischen Oderzeitung ist das die Vorzugsvariante, weil dieser Standort am leichtesten für den Abtransport der Pflanzenreste erreichbar ist. Beim derzeitigen Standort ist genau das wegen einer fehlenden Zuwegung schon jetzt problematisch.

Ein Abtransport per Boot sei die mit Abstand teuerste und unwirtschaftlichste Lösung, heißt es seitens des LfU. Der Ausbau des bestehenden Lagerplatzes auf der Landzunge und der Bau eines befestigten Schotterweges dorthin würden den größten Eingriff in die Natur bedeuten. Mit ein Grund, warum auch der Stadtverordnete Peter Fischer diesen Standort ablehnt. Der Weg würde durch Naturschutzgebiet führen. Auch aus Sicht der Kanuverleihbetreiber Ines und Karsten Förster wäre dies nicht einzusehen. Naturschutzbelange hätten zum Beispiel Vorhaben wie den Wiederausbau des Kaiser-Friedrich-Turms auf dem Pimpinellenberg verhindert. Warum sollten sie diesmal keine Rolle spielen?

Doch eben diese Variante auf dem sogenannten Mittelbusch hat in der Oderberger Stadtverordnetenversammlung nun eine Mehrheit gefunden. Eine Beschlussvorlage gab es nicht. Bürgermeisterin Martina Hähnel bezeichnet die Lösung nach Abwägung der in der Vergangenheit diskutierten Varianten als geringstes Übel. Und die Tatsache, dass die Zuwegung zum Silo durchs Naturschutzgebiet verlaufen würde? "Das ist nicht unser Part", sagt sie im Gespräch mit der MOZ.

Die Vorzugsvariante des LfU auf Sportplatzseite hat die Stadt Oderberg bereits in der vergangenen Legislaturperiode abgelehnt. Denn auf dieser Seite befinden sich auch Gärten, denen man den Lagerplatz nicht vor die Nase setzen wollte. Zudem besteht auf dieser Uferseite der Wunsch nach einer Badestelle.

Noch keine Bauanfrage

Wird das Lager tatsächlich auf dem Mittelbusch errichtet, befänden sich Badegäste wie schon jetzt vis-à-vis zum Lagerplatz. Selbst wenn eine Begrünung des Ortes in Aussicht gestellt ist, sei das touristisch fragwürdig, finden die Stadtverordneten Johanna Martin, Peter Fischer und auch Heike Fröhlich von der Perspektive Oderberg sowie Ines Förster vom Kanuverleih. Sie würden sich eine weitere Abwägung von Alternativen wünschen. Zum Beispiel ein Lager auf Sportplatzseite, etwas entfernt von der gewünschten Badestelle.

Für Bürgermeisterin Hähnel ist das Thema mit der Entscheidung im Stadtrat abgehakt. Trotzdem scheint noch vieles offen. Beim Landkreis als Genehmigungsbehörde liegt noch keine Anfrage auf den Bau des Lagers vor. Aktuell ist das Landesamt bei der Vorplanung, heißt es seitens des LfU. Eine Kostenschätzung gebe es deshalb auch noch nicht. Diese würde letztlich auch vom gewählten Standort abhängen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG