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An der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule in Eberswalde haben Pioniere, Soldaten und Stasi-Offiziere das Kommando übernommen. Spannender lässt sich Geschichte nicht aufbereiten.

Jahrestag
Zeitreise in die Deutsche Demokratische Republik

Mit sozialistischem Gruß: Was wie Politfasching aussieht, verleiht dem Projekttag Authentizität. Zum Abschluss bringen die Jugendlichen den DDR-Alltag auf die Bühne.
Mit sozialistischem Gruß: Was wie Politfasching aussieht, verleiht dem Projekttag Authentizität. Zum Abschluss bringen die Jugendlichen den DDR-Alltag auf die Bühne. © Foto: Sven Klamann/MOZ
Sven Klamann / 08.11.2019, 20:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Was unterscheidet die Deutsche Demokratische Republik vom Eiffelturm? Beim Pariser Wahrzeichen sitzen die größten Nieten unten!", ist in der Ausstellung zu lesen, mit der die 60 Zehntklässler der vom Kreis Barnim getragenen Bildungsstätte an der Friedrich-Engels-Straße ihr Projektfinale bereichern. Seit Schuljahresbeginn haben sich die Jugendlichen immer wieder intensiv mit einer Zeit befasst, die sie bis dahin höchstens aus dem Unterricht oder aus Gesprächen mit ihren Eltern und Großeltern kannten. Die auf Zetteln abgedruckten und an einer Leine befestigten politischen Witze lockern die Schau auf, die umfassend auf den Bau und den Fall der Mauer sowie auf den Alltag und die Strukturen der DDR eingeht.

Wer am Donnerstagabend das Schulgebäude betreten wollte, musste den einst für Fahnenappelle genutzten Ehrenhof überqueren und an der Eingangstür an einem Schlagbaum Schlange stehen. In sämtlichen Fluren waren Mädchen und Jungen anzutreffen, die zu weißen Blusen und Hemden rote oder blaue Halstücher trugen. Oder Uniform trugen. Auch ein Geheimdienstmitarbeiter, der sein Gesicht hinter dem hochgezogenen Mantelkragen versteckte, war zu entdecken. "Das ist kein Politfasching", sagte Gabriele Schneider (60), Klassenlehrerin der 10 a, die mit ihren Kolleginnen Angela Siewert (60), Klassenlehrerin der 10 b, und Juliane Saß (37), Klassenlehrerin der 10 c, die Projektarbeit im Epochen-Unterricht betreute. Vielmehr hätten sich die Zehntklässler verkleidet, um zum Abschluss ihrer besonderen Zeitreise auf der Bühne in der Aula authentischer Szenen aus dem Vorwende-Alltag spielen zu können.

"Der 9. November 1989 ist ein Datum, das für viele einen Neuanfang bedeutet", sagte Gabriele Schneider zu dem vor allem aus Eltern bestehenden und auf dem Ehrenhof wartenden Publikum, bevor auf ihre Veranlassung hin der Schlagbaum angehoben wurde. Nicht immer sei dieser Anfang leicht gewesen, sicher sei auch manches anders gekommen, als der eine oder andere gedacht oder gehofft habe. "Und dennoch bedeutet dieses Datum für uns, dass sich Familien nach 28 Jahren Trennung wieder in den Armen lagen und dass sich ganz neue Möglichkeiten ergaben, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen", erklärte die Lehrerin, die einst an der Nikolai-Iwanowitsch-Kuszenow-Schule unterrichtet hat. Wie ihre gleichaltrige Kollegin Angela Siewert stand sie den Jugendlichen als Zeitzeugin zur Verfügung. Juliane Saß, das Küken unter den Klassenlehrerinnen der drei Zehnten, war hingegen selbst eine Lernende.

Zehntklässler erforschen Wende

"Als die Mauer fiel, war ich gerade eingeschult worden", verriet Juliane Saß, die in Görmin, heute Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen ist. Einmal habe sie beim Fahnenappell Meldung machen dürfen, erinnert sie sich.

Für Ingo Postler (54), den stellvertretenden Schulleiter, war der Lehreralltag noch ziemlich neu, als sich auch sein Leben radikal veränderte. Er hatte nach Abschluss seines Pädagogikstudiums gerade an der Bildungsstätte angefangen, an der er nach wie vor tätig ist. "Es war, als ob ich einen Schwarz-Weiß-Film sah. Und plötzlich wird alles bunt", fasste Ingo Postler seine Wende-Eindrücke zusammen.

Der gesellschaftliche Umbruch, der schon für im Deutschland nach dem Mauerfall Geborene kaum einzuordnen ist, war für Achmed Dadaev (16) erst recht ein schweres Thema. "Meine Familie stammt aus Tschetschenien. Wir hatten dort ganz andere Probleme", sagte er.

"Ich weiß jetzt, dass die Wende eine bewegende Zeit war", betonte Cedric Neidhardt (15).

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