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Die Teilnehmer des Krippenmarktes verzücken die Besucher mit allerlei weltlichen Verlockungen.

Markttreiben
Eine Sünde in Eberswalde

Eine Sünde wert: Die Genüsse waren so vielfältig, dass die Besucher gar nicht widerstehen konnten.
Eine Sünde wert: Die Genüsse waren so vielfältig, dass die Besucher gar nicht widerstehen konnten. © Foto: Jörn Kerckhoff
MOZ / 03.12.2019, 06:15 Uhr
Eberswalde Wahrscheinlich liegt es an der Ausstrahlung der Maria-Magdalenen-Kirche, dass man in ihrer Nähe irgendwie ehrfürchtig und demütig wird. Mächtig und dennoch beschützend kommt die Stadtkirche daher, die im gotischen Stil ab dem Jahr 1333 erbaut wurde. So bekommt auch der Krippenmarkt, der rund um den roten Backsteinbau stattfindet, eine sehr spezielle Atmosphäre. Auch am Sonnabend hatten die Händler wieder ihre Stände zum Eberswalder Krippenmarkt aufgebaut, zahlreich pilgerten die Besucher den kleinen Hügel zum Kirchplatz hinauf, um sich im Schatten des Gotteshauses ganz ausgiebig weltlichen Genüssen hinzugeben.

Weltliche Genüsse im Überfluss

Und von denen gab es tatsächlich eine ganze Menge, da fiel es schwer, sich zu entscheiden. Völlerei ist ja eine Todsünde – aber zum Glück nur bei den Katholiken. Bei den Protestanten verzeiht einem der liebe Gott hoffentlich, dass man bei diesem Angebot ein wenig der Maßlosigkeit erliegt und sich nach der Straußenbullette und dem Wildschweinspieß auch noch eine Waffel gönnt und dazu einen leckeren, warmen Met trinkt. Bei einer Geburtstagsfeier ist das eben so, dass man etwas die anerzogene Zurückhaltung schleifen lässt. Und letzten Endes ist Weihnachten ja nichts anderes, als eine Geburtstagsfeier – und zwar seit nunmehr gut 2000 Jahren die größte der Welt. Da wird der Herr schon nicht böse sein, wenn die Gäste zu Ehren seines Sohnes nicht so sehr aufs Maß achten.

Aber Spaß beiseite, die Teilnehmer des Marktes hatten sich wirklich viel Mühe gegeben, den Besuchern einen angenehmen Aufenthalt zu bescheren. Knackig kalt war es übrigens am Sonnabend, so wie es in der Zeit von Weihnachtsmärkten sein muss. Für manch einen der Händler war das sicher auch förderlich beim Verkauf. Unter anderem für Tita Tatze – ihren bürgerlichen Namen möchte die Frau, die Entspannung beim Stricken findet, nicht verraten. Selbstgestrickte Wollsocken, Schals und Mützen hatte sie an ihrem Stand im Angebot, da dürfte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt der ein oder andere schwach geworden sein.

Dabei scheint es Tita gar nicht so sehr ums Verkaufen zu gehen. "Ich stricke einfach gerne und ich mag die Atmosphäre hier auf dem Krippenmarkt", erzählt sie. Sie stricke sogar täglich – hat wahrscheinlich auch etwas Meditatives. Seit acht Jahren sei sie dabei, damals sei ihr Verkaufsstand nur halb so groß gewesen wie jetzt. So viel, wie sie das ganze Jahr über stricke, könne sie an diesem einen Tag gar nicht verkaufen. Aber das ist ihr eben auch gar nicht so wichtig.

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