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Neujahrsempfang
Stehende Ovationen zum Abschied für Uwe Schoknecht

Sabine Rakitin / 06.01.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 06.01.2020, 11:40
Finowfurt (MOZ) Endlos lang scheint am Sonnabend die Schlange von Menschen zu sein, die zum Neujahrsempfang der Gemeinde Schorfheide Einlass in die Sporthalle in Finowfurt begehren. Jeden einzelnen von ihnen nimmt Bürgermeister Uwe Schoknecht am Eingang mit einem Händedruck und einem persönlichen Wort in Empfang. Es wird das letzte Mal sein, dass er die Gäste des Neujahrsempfangs auf diese Weise begrüßt.

An diesem Dienstag hat Uwe Schoknecht seinen letzten Arbeitstag in der Gemeindeverwaltung. Nach 16 Jahren als Bürgermeister von Schorfheide geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Der Zulauf an Gästen beim Neujahrsempfang ist genau diesem Umstand geschuldet. Wer Uwe Schoknecht kennt, der will sich auch von ihm verabschieden. Die meisten tun es mit Wehmut. Der bodenständige Finowfurter ist beliebt – weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinweg.

Gekommen sind die Mitarbeiter der Verwaltung, Vertreter von Vereinen und Feuerwehren, Schulen und Kitas, Unternehmer, Ortsvorsteher, Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordnete, alle Verwaltungschefs aus dem Barnim – mit Ausnahme des Bernauer Bürgermeisters –, Landrat Daniel Kurth, dessen Amtsvorgänger Bodo Ihrke und Vize-Landrat a.D. Carsten Bockhardt. Selbst von Bund und Land sind Abgesandte dabei: Stefan Zierke (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburgs neuer Umweltminister. Nicht zuletzt sagen auch die Bürgermeister der Partnergemeinden Mielno (Polen) und Korschenbroich (Nordrhein-Westfalen) Uwe Schoknecht in herzlichen Worten tschüss.

400 Gäste kamen zum Neujahrsempfang der Gemeinde Schorfheide in die Finowfurter Spoerthalle. Bürgermeister Uwe Schoknecht verabschiedete sich von seinen Wegbegleitern und übergab den Staffelstab an Wilhelm Westerkamp.
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Neujahrsempfang Gemeinde Schorfheide

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Landrat Daniel Kurth hat die Aufgabe übernommen, Schoknechts 32 Jahre im Dienst der Gemeinde – 1987 wurde der Lehrer stellvertretender Bürgermeister in Finowfurt – Revue passieren zu lassen. Er preist den Gründer des Bündnis Schorfheide als einen Mann, der überparteilich den Konsens sucht, an Ausgleich und Frieden orientiert ist. "Aber bei Dingen, die Dir besonders wichtig sind, kämpfst du mit Charisma energisch für Deine Vorstellungen", weiß der Landrat nur zu gut. Er nennt Uwe Schoknecht "eine Konstante, die seit vielen, vielen Jahren die Gemeinde prägt" und nicht nur diese, sondern den gesamten Landkreis.

Eine Anekdote, die Daniel Kurth zum Besten gibt, beschreibt wie Uwe Schoknecht seine Rolle als Bürgermeister verstand. Von einem ehemaligen Kreistagsabgeordneten nach seiner E-Mail-Adresse gefragt, antwortete er: "Uwe Punkt Schoknecht@Gemeinde Bindestrich Schorfheide Punkt de". Darauf erwiderte der Abgeordnete: "Warte mal, das schreib’ ich mir auf." Zum besseren Verständnis wiederholte der Bürgermeister seinen Namen – "Schoknecht" – und setzte hinzu: "Scho wie Schorfheide und Knecht wie Knecht der Gemeinde".

Er wollte nie autoritär sein

Es sei die "Zeit der Alphatiere, der Machos und Narzisten gewesen, die ihre Mitarbeiter behandelten wie Untergebene", erinnert sich Uwe Schoknecht an das Jahr 1995, als er Amtsdirektor von Barnim-Nord wurde. "Ich habe dem damals bewusst ein anderes Führungsmodell entgegengesetzt. Ich wollte nicht autoritär sein, aber auch nicht laissez-fair, sondern eher wie ein Bergführer, der das gemeinsame Ziel vorgibt." Das habe ihm viel Widerspruch und Spott eingebracht, erzählt er. Die Erinnerungen an die Bildung der Gemeinde Schorfheide Anfang dieses Jahrtausends verbindet Uwe Schoknecht mit "Lügen, Intrigen und Abwerbungsversuchen". Er sagt: "Heute ist unvorstellbar, welcher Druck damals aufgebaut wurde."

Heute steht die Gemeinde mit ihren mehr als 10 000 Einwohnern gut da. Uwe Schoknecht übergibt seinem Nachfolger Wilhelm Westerkamp ein bestelltes Feld – und an diesem Abend den symbolischen Staffelstab. Mit stehenden Ovationen verabschieden die etwa 400 Menschen im Saal den scheidenden Bürgermeister.

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