Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ausstellung
Und ab und zu kräht ein Hahn im Saal

Sven Klamann / 13.01.2020, 19:03 Uhr - Aktualisiert 13.01.2020, 19:03
Eberswalde (MOZ) Wo sonst in der Reihe "Kommunales Kino" Filme aller Genres über die Leinwand flimmern oder Konzerte gegeben werden, war zwei Tage lang Gegurre und Gegacker zu vernehmen. Ab und zu krähte irgendwo im Saal ein Hahn.  In den schmalen Gängen zwischen den Käfigreihen drängelte sich das zumeist fachkundige Publikum. "Viele Tiere sind wirklich erstklassig", lobte zum Beispiel Hans-Werner Klamann aus Grünow, einem Ortsteil von Mark Landin in der Uckermark, der selbst passionierter Taubenzüchter ist, nach wie vor dem Kleintierzuchtverein in seinem früheren Wohnort Chorin vorsteht und überdies im Barnim als Kreiszuchtwart Verantwortung trägt.

An anerkennenden Worten von Besuchern fehlte es zur Freude von Ivonne Glöck nicht. Die Vorsitzende des vor zwölf Jahren wiedergegründeten, 18 Mitglieder zählenden Rassegeflügelzuchtvereines Joachimsthal leitete die Schau, an der sich neben Ausstellern aus der Schorfheidestadt auch Züchter aus anderen Barnimer Vereinen und aus der Uckermark beteiligt haben.

Enten und Gänse fehlen

"Diesmal machen schon 39 Zuchtfreunde mit", hob die Joachimsthalerin hervor, die ausdrücklich den Betreibern des Kulturhauses für deren Kooperation dankte. Aus Rücksicht auf das Parkett im Heidekrug war darauf verzichtet worden, Enten und Gänse zu zeigen. "Jedes Wassergeflügel wäre für diesen Fußboden eine Zumutung", erklärte Ivonne Glöck, die vor elf Jahren damit begonnen hat, Süddeutsche Schildtauben zu züchten. "Ich habe diese Rasse das erste Mal auf der Landesschau in Paaren-Glien gesehen und bin ihr sofort verfallen", erinnerte sie sich. Über den Hauptgrund für ihre anhaltende Begeisterung muss die Vereinsvorsitzende nicht lange nachdenken. "Wenn ich im Sommer vor der Voliere sitze und das sanfte Gurren meiner Vögel höre, ist der Alltag sofort weit weg", schwärmte die Züchterin. Sich um Tauben zu kümmern, mache vielleicht viel Arbeit und koste Zeit und Geld, sei aber auch ein Stressabbau vom Feinsten.

Der Faszination der Taubenzucht hat sich auch Karl-Heinz Krüger aus Britz ergeben, der Texaner und Rheinische Ringschläger züchtet. Letzteres sei eine in Barnim und Uckermark noch immer kaum verbreitete Rasse, mit der sogar eigene Wettbewerbe ausgetragen würden. "Die Taube setzt sich auf den Boden, der Täuber muss sich von oben herunter stürzen und dann mindestens sechs Runden um sie kreisen", berichtete der Züchter, der seine Tiere allerdings davor bewahrt, sich diesem merkwürdigen Treiben auszusetzen. "Denn die Tauben werden dabei arg zerfetzt", sagte Karl-Heinz Krüger, für den nie in Frage stand, dass er sich Tiere hält. "Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden. Und kümmere mich außer um meine Zuchttauben noch um Perlhühner und Vorwerkhühner", verriet der Britzer, der erst seit etwas mehr als zehn Jahren Tauben züchtet.

Dagegen ist Karl-Heinz Kaiser wahrlich ein alter Hase. Seit 1968 bemüht er sich darum, auf Ausstellungen Vögel zu präsentieren, die dem Ideal ihrer Rasse möglichst nahe kommen. Aktuell sind Mittelhäuser Weiß die Tauben seiner Wahl. "Vor jeder Schau überlege ich mir genau, welche Tiere ich mitnehme", plauderte der Joachimsthaler, der im gastgebenden Verein stellvertretender Vorsitzender ist, aus der Züchter-Schule. "Bei der perfekten Taube fehlt keine einzige Feder, stimmt die Farbe von Schnabel und Augenring und kommt die Körperhaltung stolz rüber", sagte Karl-Heinz Kaiser, der in der Saison von Oktober bis Januar an sechs Ausstellungen teilnimmt.

Familiärer Züchterstolz

Wie der Vater, so die Töchter – das gilt in der Familie Thiede aus Joachimsthal auf jeden Fall. Papa Tino züchtet seit 15 Jahren Kupfergimpel sowie Rote Mittelhäuser. "Wenn es meinen Tauben gut geht, bin auch ich glücklich und zufrieden", sagt er. Und spricht damit seinen Zwillingen Gina und Lisa aus den Herzen, die 24 Jahre jung sind und ihre Zuchtgemeinschaft vor zehn Jahren angemeldet haben. Beide sind auf Pfau­tauben in unterschiedlichen Farbschlägen versessen. "Wir mögen die Abwechslung, die unser Hobby bietet", sagte Gina. "Unsere Freunde wundern sich zwar manchmal über uns, finden dann aber doch interessant, was wir machen", ergänzte Lisa.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG