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Eberswalde
ZWA sucht neuen Chef - Vorgänger beurlaubt

Abgewählt: Wolfgang Hein. Der 69-Jährige steht unter Anklage. Der ZWA benötigt jetzt einen neuen Chef.
Abgewählt: Wolfgang Hein. Der 69-Jährige steht unter Anklage. Der ZWA benötigt jetzt einen neuen Chef. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 13.02.2020, 19:00 Uhr
Eberswalde Der Eberswalder Zweckverband für Wasserver- und Abwasserentsorgung (ZWA) sucht einen neuen Chef. Die Verbandsversammlung hat den bisherigen Vorsteher am Mittwochabend einmütig abgewählt. Gegen den 69-jährigen Wolfgang Hein hatte die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit und Untreue im Spätsommer 2019 Anklage erhoben. Seither war er vom Dienst suspendiert.

Mit der Abwahl findet im Eberswalder Wasserbetrieb die Ära Hein ein jähes Ende. Hein hatte 1974 im damaligen VEB WAB Frankfurt (Oder) als Investbauleiter angefangen. Nach der Wende übernahm der Wasserwirtschaftler die Geschäftsführung, seit 1998 leitete er den Zweckverband als hauptamtlicher Verbandsvorsteher. Zuletzt war Hein 2014 wiedergewählt worden, für weitere acht Jahre.

Aufgrund dieser Historie hat die Verbandsversammlung am Mittwoch – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – Hein auch die Kündigung ausgesprochen. Seine Arbeitsverträge von 1993 und 1998 wurden aufgelöst. Hein muss zweieinhalb Jahre vor dem Ablauf seiner Amtszeit gehen.

Stelle wird ausgeschrieben

Hein selbst war bei der Tagung nicht anwesend. Der Abwahlantrag vom 16. Dezember war ihm samt Begründung im Januar zugegangen, heißt es. Von der Möglichkeit, Stellung zum Antrag und zu den Vorwürfen zu beziehen, habe er Gebrauch gemacht.

Trotz der sofortigen Entlassung Heins, ein Machtvakuum gibt es an der Spitze des ZWA nicht. Die bisherige Vize-Chefin Petra Walter, im Dezember bereits mit der kommissarischen Leitung betraut, führt die Geschäfte weiter. Bis die Nachfolgefrage geklärt ist. Ihr Vertrag, eigentlich wollte Walter Ende 2019 in den Ruhestand gehen, wurde verlängert.

Läuft alles nach Plan, könnte die Verbandsversammlung auf ihrer nächsten ordentlichen Sitzung am 17. Juni einen neuen Verbandsvorsteher wählen. Die Verbandsversammlung beschloss am Mittwoch den Text der Stellenausschreibung sowie das Procedere der Neubesetzung. Demnach haben Kandidaten mit einer Bewerbung bis 31. März Zeit. Petra Walter und Rechtsanwalt Rainer Kühne, der das Verfahren juristisch begleitet, sichten dann die Unterlagen und prüfen, ob die fachlichen Kriterien erfüllt sind. Kandidaten, die dem entsprechen, werden zu persönlichen Gesprächen eingeladen. Der Auswahlkommission gehören die Bürgermeister bzw. Amtsdirektoren von Eberswalde, Schorfheide, Biesenthal-Barnim, Britz-Chorin-Oderbeg sowie Joachimsthal an. Die Kommission werde die "am besten befähigten" Bewerber  nominieren. Diese dürften sich auf der Verbandsversammlung am 17. Juni präsentieren.

Verhandlungsbeginn offen

Frank Winter, Oberstaatsanwalt für den Schwerpunkt Korruption in Neuruppin, erklärte auf Anfrage, dass die Akte Hein jetzt beim Amtsgericht Eberswalde liege. Die Staatsanwaltschaft habe bekanntlich 2019 Anklage wegen Bestechlichkeit und Untreue erhoben. Zu den Beschuldigten würden drei weitere Personen gehören. Johannes Wolfs, Direktor des Amtsgerichts, bestätigte, dass der Fall an seiner Justizbehörde geführt wird. Mit der Eröffnung des Hauptverfahrens sei aber "wegen vorlaufender Veranlassungen", etwa durch Akteneinsichtsgesuche, "nicht alsbald zu rechnen".

Die Ermittlungen gegen den ZWA-Chef waren im Frühjahr 2017 ins Rollen gekommen. Durch eine anonyme Anzeige, in der Hein Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Bauarbeiten an seinem Eigenheim in Joachimsthal zur Last gelegt wurden.

Mit der Abwahl hat die Verbandsversammlung, der Dienstherr, die Reißleine und einen Schlussstrich unter die Causa Hein gezogen. Ein Ende bei der juristischen Aufarbeitung scheint indes noch nicht in Sicht.

Wasserverband ZWA in Zahlen

Der Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Eberswalde war – laut Feststellungsbescheid des Landkreises Barnim – am 22. November 1992 gegründet worden. Heute gehören dem Verband 17 Kommunen an.

Zu den technischen Anlagen im Bereich Trinkwasserversorgung gehören zehn Wasserwerke, sechs Druckerhöhungsstationen, knapp 50 Brunnen sowie mehr als 550 Kilometer Leitung. Die Abwasserentsorgung wird sichergestellt durch sechs Kläranlagen, knapp 150 Pumpwerke sowie fast 390 Kilometer Leitung.

Vorsitzender der Verbandsversammlung ist André Nedlin, Amtsdirektor von Biesenthal-Barnim. ⇥red

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