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Landwirtschaft
Oderberg wird Bio

Verkauf perfekt: Künftig wird das Ökodorf Brodowin unter Ludolf von Maltzan (l.) die Flächen der Oderberger Agrargenossenschaft bewirtschaften. Steffen Kögler, langjähriger Vorsitzender in Oderberg, wird den Prozess der Übergabe begleiten.
Verkauf perfekt: Künftig wird das Ökodorf Brodowin unter Ludolf von Maltzan (l.) die Flächen der Oderberger Agrargenossenschaft bewirtschaften. Steffen Kögler, langjähriger Vorsitzender in Oderberg, wird den Prozess der Übergabe begleiten. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 15.03.2020, 02:00 Uhr
Brodowin (MOZ) Womit Alt-Kanzler Willy Brandt 1989 den Mauerfall in Berlin kommentierte, das dürfen die Brodowiner und Oderberger Bauern 31 Jahre später im ganz wörtlichen Sinne für sich reklamieren. Es wächst zusammen, was zusammengehört. Der Landwirtschaftsbetrieb Ökodorf Brodowin übernimmt die Bewirtschaftung der Flächen der Agrargenossenschaft Oderberg. Die Landwirte sitzen in den Startlöchern, warten darauf, mit der Frühjahrsbestellung loslegen zu können. Für die Oderberger wird es die letzte konventionelle sein. Nach der Ernte 2020 wird der Anbau auf Bio umgestellt.

Zu DDR-Zeiten in der LPG vereint

Die Ökodorf Brodowin GmbH & Co. KG sowie die BioBoden Genossenschaft haben die Genossenschaft Oderberg gekauft. Vor wenigen Tagen wurde der Notarvertrag unterzeichnet. Womit der Fortbestand des Oderberger Betriebs gesichert wurde. Bereits zu DDR-Zeiten, so heißt es, hätten Oderberger und Brodowiner unter derselben LPG gewirtschaftet. Viele der Beziehungen würden auch heute noch bestehen und werden gepflegt. Ein Aspekt, der laut Ludolf von Maltzan, Inhaber und Geschäftsführer der Ökodorf Brodowin GmbH, maßgeblich zur partnerschaftlichen Übernahme beigetragen habe.

Steffen Kögler von der Genossenschaft Oderberg hatte Mitte vorigen Jahres Kontakt zu Betrieben in der Nachbarschaft aufgenommen, um Möglichkeiten der Übergabe zu recherchieren. "So hat er auch uns angerufen. Und wir haben sofort Interesse signalisiert", erzählt von Maltzan. Brodowin selbst habe sich für die Übernahme einen Partner gesucht und diesen in der BioBoden gefunden. Die BioBoden sei eine bundesweit aktive Genossenschaft, die einerseits selbst Landwirtschaft betreibt, andererseits den Kauf von Flächen und Betrieben unterstützt, um den ökologischen Anbau zu fördern.

Ludolf von Maltzan beschreibt den Prozess der Übernahme der Oderberger Genossenschaft als ausgesprochen konstruktiv. Und "angenehm". Die Gespräche seien "sehr offen und ehrlich" geführt worden. Die Arbeitsplätze der drei Oderberger blieben selbstverständlich erhalten, so der Geschäftsführer. "Und ich freue mich, dass Steffen Kögler den Übergang selbst begleiten wird. So ist für auch Kontinuität gesorgt."

Mit der Übernahme wächst die Anbaufläche der Brodowiner um etwa 860 Hektar auf dann knapp 2500. "Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt weiter", sagt von Maltzan und begründet so zugleich die Entscheidung. Sein Unternehmen habe mit Blick auf die Entwicklung des Marktes unter anderem bereits die Tierbestände erhöht. "Aber wir brauchen dafür natürlich auch mehr Futtermittel."

Gute Nachricht für Verbraucher

Deshalb werde man die Agrarwirtschaft ab Herbst auf den Oderberger Flächen auf die ökologische Richtlinie "demeter" umstellen. Ein Prozess, der sich über drei Jahre erstrecke. Und: Die Oderberger Äcker hätten Potenzial, bescheinigt Ludolf von Maltzan. Die Felder seien beispielsweise flacher und gleichmäßiger. Aufgrund der Bodenwertzahl könne man sogar zum Teil über Gemüseanbau nachdenken.

Der Wechsel auf Bio sei unter anderem auch mit der Einführung einer anderen Fruchtfolge verbunden. Bislang habe Oderberg – neben Winter- und Sommergetreide sowie Raps – viel Mais für Biogasanlagen angebaut. Da werde es Änderungen geben.

"Dass Ökodorf Brodowin die Bio-Landwirtschaft durch die neuen Flächen signifikant ausbauen kann, ist eine gute Nachricht für alle, die sich in Berlin und Brandenburg ökologisch, nachhaltig und regional ernähren möchten", kommentiert BioBoden-Vorstand Uwe Greff das Geschäft.

Zahlen und Fakten

Die Ökodorf Brodowin GmbH und Co. KG, 1991 gegründet, bewirtschaftet selbst etwa 1600 Hektar in den Gemarkungen Brodowin, Serwest und Buchholz. Angebaut werden vor allem Brotgetreide, Futtergetreide sowie Ölsaaten. Zudem werden Flächen als Grünland genutzt. Der Tierbestand umfasst derzeit etwa 190 Milchkühe, 250 Milchziegen sowie 1600 Legehennen. In der unternehmenseigenen Hofmolkerei werden jährlich vier Millionen Liter Rohmilch verarbeitet. Zum Sortiment gehören Trinkmilch, Käse, Quark, Joghurt und Butter.

Bereits Mitte der 1990er-Jahre hat das Unternehmen mit dem Brodowiner Ökokorb eine eigene Vertriebslinie aufgebaut. Inzwischen liefert der Betrieb pro Woche etwa 2500 Kisten an Verbraucher. Dafür gibt es neun Touren sowie zahlreiche Fahrrad-Touren im Zentrum Berlins. Teil der Direktvermarktung ist auch der Hofladen am Standort Brodowin.⇥vp

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