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Corona-Krise
Der Wildpark Schorfheide braucht Hilfe

Neugierig: Wo sind die Besucher hin? Das Rotwild sonnt sich im weitläufigen Schorfheider Gehege. Der Wildpark Groß Schönebeck braucht Hilfe.
Neugierig: Wo sind die Besucher hin? Das Rotwild sonnt sich im weitläufigen Schorfheider Gehege. Der Wildpark Groß Schönebeck braucht Hilfe. © Foto: Wolfgang Rakitin
Andrea Linne / 25.03.2020, 09:00 Uhr - Aktualisiert 25.03.2020, 14:56
Schorfheide (MOZ) Der Wolf streift über sein weitläufiges Areal im Wildtierpark Schorfheide. Ein Fischotter trollt sich verspielt. Rot- und Damwild, Schwarz- und Muffelwild sowie Tiere, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben sind, wie Wisent, Elch und Przewalski-Pferd weiden in ihren Gattern. Sie haben täglich Hunger, auch wenn gerade keine Besucher das mehr als hundert Hektar große Areal in Groß Schönebeck betreten dürfen.

Deshalb hat der Wildpark Schorfheide jetzt einen Hilfeaufruf gestartet und zahlreiche Medien mobilisiert. "Wir freuen uns darüber, dass wir so viel Zuspruch erhalten", sagt die Geschäftsführerin Imke Heyter, die der privaten Einrichtung vorsteht. Doch zu Ostern wäre der Wildpark in die Saison gestartet. Das fällt nun aus.

Von den 22 Beschäftigten konnte sie noch vier behalten, die nun die 250 Tiere im Wildpark versorgen. Die restlichen Mitarbeiter musste der Park in Kurzarbeit schicken. Ein Schicksal, das viele Menschen aktuell teilen.

Dem Wildpark fehlen die Besucher - und die Einnahmen

"Eigentlich würden wir jetzt schon das Geld für den nächsten Winter erwirtschaften", berichtet Imke Heyter. Denn die Kosten, die der Park monatlich stemmen muss, sind immens. Die Wolfsmutter, die sich insbesondere um die zwei Rudel Wölfe im Wildpark kümmert, will sich dennoch nicht unterkriegen lassen. "Wir bleiben optimistisch, es muss doch weitergehen", sagt sie im Brustton der Überzeugung. Jährlich kommen 100 000 Besucher in den Wildpark und lassen sich bei fachspezifischen Führungen mit vielen Erklärungen über seltene Zuchterfolge bei Englischen Parkrindern, rauhwolligen pommerschen Landschafen oder Exmoorponys und Wollschweinen berichten.

Doch gegenwärtig braucht die Arche für wilde Tiere dringend Unterstützung von allen Freunden und Fans. 45 000 Euro im Monat fehlen, um die Einrichtung erhalten zu können. "Dabei hilft uns Geld am meisten", sagt Imke Heyter. "Wir haben einen Spendenaufruf initiiert, der auf unserer Internetseite steht. Dort sind alle wichtigen Fakten zu finden."

Vor allem für Futter und Lohnkosten sind die Gelder gedacht, die jetzt hoffentlich eintreffen. 120 Ballen Heu, 170 Kilogramm Möhren, hundert Kilogramm Äpfel und 500 Kilogramm Getreide werden jede Woche benötigt. Dazu kommen verschiedene Zusammensetzungen an Spezialnahrung, wie Elchpellets oder Mischungen aus Luzerne, die im Handel in Biesenthal erworben werden. Das Futter stellen die Tierpfleger je nach Rasse und Alter der Tiere zusammen. Die heimische Biotonne nützt den Parkwächtern dabei nichts. "Wir dürften gar keine Futterreste aus den Biotonnen verfüttern", verweist Imke Heyter auf strenge Vorgaben zum Schutz der im Park lebenden Wildtiere. Die Gesetze müssten dennoch eingehalten werden.

Hoffnung bleibt in der Schorfheide

Auch die Technik muss auf dem weitläufigen Areal weiter im Einsatz bleiben. So wurde ein Traktor geleast, der Kosten verursacht. Sieben Kilometer lange Wege lassen sich nicht mit der Schubkarre bewältigen. Die Pfleger haben ihre Hilfsmittel und haben die Gesundheit der 250 Tiere im Blick.

"Gerade jetzt ist es so schön, wir haben viele Jungtiere, die geboren werden, zum Beispiel die Pommernschafe und Skudden", bedauert die Geschäftsführerin die Besuchsregelungen. Bis zum 19. April ist zunächst einmal dicht. Die angesetzten Führungen dürfen nicht stattfinden.

"Aber wir sind bereit. Sobald wir wieder öffnen dürfen, ist alles parat", schaut Imke Heyter trotz Corona optimistisch in die Zukunft. Vielleicht helfen da auch die Freunde des Wildparks, die jetzt mit ihren Spenden und aufmunternden Worten ganz besonders gefragt sind. "Wenn wir wieder dürfen, sind wir mit unseren Führungen und Veranstaltungen wieder präsent", spricht sich die Wolfsmutter auch selbst ein bisschen Mut zu.

www.wildpark-schorfheide.de

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