Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Tischtennis
Gelungener Re-Start beim TTC Finow

Johannes Gohlke und Steffen Kretschmer / 05.06.2020, 06:30 Uhr
Eberswalde Fast schon ein wenig neidisch schauten über 100 Mitglieder des TTC Finow Eberswalde bislang auf die Nachwuchs-Kaderspieler des Vereins, die schon seit Mitte Mai unter strengen hygienischen Auflagen wieder am Finower Landes-Stützpunkt trainieren durften.

Jetzt, knapp zwei Wochen später, durfte dann auch endlich wieder die breite Masse ran. Natürlich nicht alle auf einmal, sondern in kleinen Grüppchen von maximal sechs Spielern in der Finower Heinz-Seeger-Halle. Die ersten, die in den Genuss des Trainings kommen durften, war die Trainingsgruppe der Rentner um Präsident Jürgen Krenz.Trainingsteilnehmer Roland Pauli schrieb anschließend in die WhatsApp-Gruppe des Vereins: "Es hat auch trotz der kleinen Einschränkungen sehr viel Spaß gemacht!"

Verbot der beliebten Doppel

Eine große Einschränkung ist für die Meisten das Verbot von Doppeln. Das Spielen zusammen mit einem Partner an der Seite, war besonders bei den älteren Mitgliedern des TTC Finow sehr beliebt. Denn dabei kommt der Teamgedanke noch mehr zum Tragen und es ist nicht ganz so anstrengend wie ein Einzel.

Neu ist nun auch, dass sich jeder Trainingsteilnehmer vor dem Training in eine Teilnehmerliste eintragen und abschließend auch wieder austragen muss. Auch das Händedesinfizieren vor, zwischen und nach dem Training ist neu. Nach jedem Training müssen nun auch die Tische desinfiziert werden.

Turnhalle wieder nutzbar

Da ab Dienstag dann auch die Turnhalle der Grundschule Finow, in der bis zu zwölf Spieler an sechs Tischen zeitgleich trainieren können, für den Verein zur Verfügung stehen wird, werden sicherlich schon bald alle Mitglieder, die Lust darauf haben auch trotz der noch lang anhaltenden Wettkampfpause sich am Tisch auszupowern, mindestens einmal an der Platte gewesen sein.

"Nach zehn Wochen Pause freuen wir uns sehr, unseren Mitgliedern das Tischtennisspielen in unserem Verein endlich wieder ermöglichen zu können", meint TTC-Präsident Jürgen Krenz. "Ich bin mir sicher, dass sich in einigen Wochen alle an die neue Situation gewöhnt haben."

Auf ein großes Talent müssen die Finower in der kommenden Saison allerdings verzichten. Carolin Gragoll kehrt zurück zu ihrem Heimatverein TTV Fürstenberg, den sie vor zehn Jahren verlassen hatte. Als gestandene Regionalliga- und Oberliga-Spielerin im Frauenbereich wird die 20-Jährige künftig in der Landesliga an der Platte stehen – bei den Männern.

"Ich habe damals schon sehr gerne gegen Herren gespielt", sagt Carolin Gragoll, die das offensive Top-Spin-Spiel bei den Herren schätzt. Eher noch, als die schnellen Konterduelle der Damen direkt am Tisch. "Anfangs wird das für mich sicher ein komisches Gefühl sein, auf einmal gegen Männer anzutreten. Für meine Gegner umgekehrt aber sicher auch", sagt Carolin Gragoll.

Die Fürstenbergerin hat "jetzt schon eine Weile nicht mehr gespielt. Ich brauche aber nicht viel Zeit, um nach Pausen wieder richtig reinzukommen". Bei Carolin Gragoll sind es neben Corona auch private Gründe, weshalb sie ihre Leidenschaft momentan bewusst etwas in den Hintergrund rückt. "Ich will Medizin studieren", sagt sie. "Dafür muss ich dann Tischtennis opfern.  Die Ausbildung vernünftig zu absolvieren, ist mein Hauptziel. Irgendwann ist das auch wichtiger als alles andere. Der sportliche Ausgleich fehlt mir trotzdem sehr. Ich hoffe, dass ich nach meinem Physikum wieder mehr angreifen kann. Wenn ich das Studium beendet habe, vielleicht sogar noch einmal höherklassig." Momentan sei daran jedoch nicht zu denken. Viel hänge einfach davon ab, wie stressig künftig die Semester seien. Genau aus diesem Grund fiel die Wahl auf den TTV Fürstenberg, bei welchem sie nun ihre Laufbahn fortsetzen wird.

2010 war Carolin Gragoll zum ESV Prenzlau gewechselt. Drei Jahre später zog sie es zum TTC Eberswalde Finow. "Von Fürstenberg bis zu einem Heimspiel musste ich immer zwei Stunden fahren. Jetzt brauche ich von meinem Elternhaus bis zur Halle nur fünf Minuten." Es sei einfach notwendig gewesen, den Aufwand für das Tischtennis etwas zurückzuschrauben. Wenngleich sich Carolin Gragoll diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht hat. "Eberswalde Finow zu verlassen war nicht einfach für mich. Ich war schließlich sieben Jahre lang dort. Angebote, woanders zu spielen, hatte ich auch." Aber: "Mein Papa hat mich dann gefragt, ob ich nicht wieder nach Fürstenberg kommen möchte, um dort zu spielen."

Die Option, zurückzukehren, ließ sich Carolin Gragoll erst einmal durch den Kopf gehen. Dass sie sich am Ende tatsächlich dafür entschied, bezeichnet sie mittlerweile als "völlig richtig und absolut passend".

Neustart in die Vergangenheit

Wenn man so will, ist es für die 20-Jährige nun sogar ein Neustart in der eigenen Vergangenheit. "Unter anderen Bedingungen, aber mit vielen bekannten Leuten. Mein Vater freut sich schon wieder sehr darauf, wenn er bei mir, wie früher auch, an der Bande stehen kann. Er kann mich besser beruhigen und anders als ein fremder Trainer auf mich eingehen."

Doch aus der Nachwuchs-Spielerin Carolin Gragoll ist eine erwachsene Akteurin an der Platte geworden, für die der Spaß künftig mehr in den Fokus rücken soll. Deshalb sagt sie, "dass es früher schon etwas anderes war. Damals standen mein Vater und ich bei Spielen regelmäßig unter Druck. Diesmal wird es aber wohl keinen emotionalen Zusammenbruch mehr geben."

Jahrgangsbeste und Landesmeisterin

Wichtige Erfolge von Carolin Gragoll:- 2013 Jahrgangsbeste in Brandenburg und Gewinn der Verbandsrangliste der Mädchen bis 17 Jahre- 4. Platz beim  DTTB-Future Cup- mehrere Landesmeister- und Ranglistentitel im Land Brandenburg (Schülerinnen, Mädchen und Damen)- 2013 Norddeutsche Schülermeisterin- 2016 Deutsche Vize-Mannschaftsmeister mit dem TTC Finow und Norddeutsche Vize-Meisterin bei den Mädchen- 12. Platz Top 48 der Schülerinnen⇥skr

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG