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Leichtathletik
Endlich Schluss mit Stubenhocken beim Eberswalder Nachwuchs

Britta Gallrein / 06.06.2020, 05:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Konzentration ist den Kindern ins Gesicht geschrieben, die sich gerade im Fritz-Lesch-Stadion mit der Disziplin des Hochsprungs vertraut machen. Seit dem 19. Mai kann die Abteilung Leichtathletik des SV Motor Eberswalde nun endlich wieder das Training im Freien aufnehmen – nach über acht Wochen Pause.

Trainerin Sabine Preuß ist darüber mehr als erleichtert. "Ich bin sehr froh, dass sich meine Kinder hier in der Leichtathletik wieder unbeschwert bewegen können und ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Denn das, was man den Kindern seit Mitte März angetan hat, ist unfassbar und unverantwortlich", findet sie. "Alles wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Bildung scheint nicht systemrelevant zu sein und Sport schon gar nicht." Was sie am meisten ärgert: "Es gibt so viele Kinder, die ihren Sport immer noch nicht ausüben können", spielt sie auf diejenigen an, die auf Hallensport angewiesen sind. "Es sind ja auch immer noch nicht alle Außen-Sportanlagen geöffnet." Eine Einschränkung, die sie nicht nachvollziehen kann. "Hier draußen im Freien auf eine Aerosol-Wolke zu stoßen  das wäre ja wie ein Sechser im Lotto", erklärt sie. "Dann soll man doch die Millionen ins Gesundheitswesen und in den Schutz der Alten und Kranken stecken und die Kinder hier ihren Sport machen lassen. Die kriegen sonst einen Schaden fürs Leben."

Für die Quarantäne-Zeit hatten Sabine Preuß und eine Kollegin Trainingsempfehlungen und Online-Kurse empfohlen. "Aber wenn man zu Hause eingesperrt ist und dann noch in einer Neubau-Wohnung – was soll man denn da groß machen?" Abgesehen davon bräuchten die Kinder die Gemeinschaft mit ihren Trainings-Freunden. Zum Glück hätten die meisten Kinder aber viel mit ihren Eltern zusammen trainiert.

Spaß an Bewegung vermitteln

Trainiert wird jetzt in Kleingruppen bis zu sechs Kindern. Jeder Trainer hat eine feste Gruppe. Dabei ist die Ausbildung aber sehr vielfältig. Für die ganz Kleinen geht es los mit einfach Koordinationsübungen und Spielen. Den Kindern soll Spaß an der Bewegung vermittelt werden. Und das ist dringend nötig, weiß Sabine Preuß. Denn es gibt immer mehr unsportliche Kinder. "Das wird wirklich immer schlimmer. Ich habe mal mit Zehn-, Elfjährigen eine Ansprungrolle vorwärts gemacht, also man springt ab und hechtet auf die Matte. Die Mädchen konnten es noch halbwegs, aber bei den Jungen musste ich abbrechen, weil es halsbrecherisch aussah." Die Gründe lägen auf der Hand. "Die Kinder bewegen sich zu wenig draußen. In der Schule sind inzwischen viele Übungen verboten, weil sie zu gefährlich sind für die Kinder. Die Beweglichkeit nimmt dadurch weiter ab."

Umso wichtiger sei es, dass Kinder sich möglichst früh viel bewegen. Das müsse nicht unbedingt in der Leichtathletik sein. "Turnen zum Beispiel ist auch sehr gut für die Koordination." Empfehlenswert sei aber ein Sport, der insgesamt keine zu frühe Spezialisierung erfordere. "Das geht natürlich auch zum Beispiel beim Fußball. Auch da sollte Wert auf eine vielseitige Ausbildung in jungen Jahren erfolgen. Bei den Profis geschieht das ja. Das sieht man daran, wie die beim Torjubel manchmal einen Salto auf dem Rasen machen. Aber es ist wichtig, dass die Trainer das auch vermitteln und das machen viele nicht."

Großes Ziel: Sportschule

Von Laufen, Hoch- und Weitsprung bis zum Werfen  – bei Motor erlernen die Kinder alles. "Frühstens in der fünften oder sechsten Klasse gucken wir mal, was sich bei jedem heraus kristallisiert und das wird dann verstärkt gefördert. Weil die Kinder ab der siebten Klasse dann auf die Sportschule gehen können." Im Durchschnitt schaffe es ein Kind pro Jahr auf die Sportschule. "Das ist ein sehr guter Schnitt."

Antonius Pagel ist einer von den älteren Motor-Leichtathleten. "Als Kind hab ich auch Karate, Kegeln und Tischtennis ausprobiert. Aber Leichtathletik hat mir am meisten Spaß gemacht." Seine Spezialdisziplinen sind Weitsprung und 100-Meter-Sprint. Im Training hat der 25-Jährige aus Eberswalde schon die 6,30 Meter geknackt. Über die 100-Meter liegt seine Bestleistung bei 11,72 Sekunden.

Kein Leben ohne Sport

Ohne Sport kann er sich sein Leben nicht mehr vorstellen. "Wenn ich nichts mache, fehlt mir etwas." Auch er weiß: Für Kinder ist frühe sportliche Betätigung wichtig. "Man muss den Bewegungsdrang nutzen. Auf den Grundlagen kann man aufbauen. Wenn sie erst mit zwölf anfangen, wird es schon schwieriger."

Rund 70 Kinder trainieren bei acht Übungsleitern

Die Abteilung Leichtathletik des SV Motor hat 100 Mitglieder, davon etwa 70 Kinder. Sie werden trainiert von acht Übungsleitern. Immer wieder bildet der Verein Jugendliche zu Trainern aus. Anfangen können Kinder ab vier Jahre, einige sind sogar erst drei Jahre. Motor-Sportler bilden gemeinsam mit dem Kreis Uckermark die LG Uckermark/Barnim, um bei Landes-Wettbewerben erfolgreich zu sein. "Alleine schafft man das sonst nicht mehr", so Sabine Preuß.⇥bag

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