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Abschied
Schorfheides Brandmeister am Einsatzort überrascht

Marco Marshall / 20.06.2020, 07:00 Uhr - Aktualisiert 20.06.2020, 08:50
Finowfurt (MOZ) Ohnehin kein idealer Gartentag dieser verregnete 19. Juni. Da ist es vielleicht auch weniger schlimm, dass am Vormittag Bernd Biederstedts Pieper geht. Bestätigte Rauchentwicklung in einem großen Gebäude in Finowfurt. Die Gemeindeverwaltung am Erzbergerplatz ist der Einsatzort. Es kommt dem 63-jährigen Lichterfelder komisch vor, dass keine weiteren Informationen eintreffen. Sämtliche Schorfheider Feuerwehren werden alarmiert. Biederstedts Frau Rita animiert ihren Mann endlich loszufahren.

Der Gemeindebrandmeister zieht die Einsatzkleidung an und macht sich auf den Weg. Um 10 Uhr der Alarm, um 10.11 Uhr fährt der Feuerwehrmann auf den Platz. Er ist an diesem Tag der letzte. Sämtliche anderen Feuerwehren sind bereits eingetroffen, die Einsatzfahrzeuge wurden in Reihe geparkt. 22 Brandschützer haben auf der Bühne vor der Gemeindeverwaltung Stellung bezogen.  Nicht wie Biederstedt in Einsatzkleidung, sondern in feierlicher Uniform. Als der erfahrene Feuerwehrmann aus dem Kleinbus steigt, wird er vom zukünftigen Gemeindebrandmeister Christian Seeger (34) und Bürgermeister Wilhelm Westerkamp in Empfang genommen.

Schirm statt Schlauch für Bernd Biederstedt

Statt des Schlauchs drückt ihm das Schorfheider Gemeindeoberhaupt eine längliche Geschenktüte in die Hand. "Um die Pumpe anzugießen", sagt Westerkamp. Dazu gibt es einen Regenschirm. Es sind Abschiedsgeschenke. Zwar bleibt Bernd Biederstedt der Feuerwehr weiterhin treu und will trotz Rentnerdasein noch ausrücken, doch wird an der Spitze der Gemeindewehr demnächst der Generationswechsel vollzogen.

Der Gemeindebrandmeister Bernd Biederstedt geht in den Ruhestand. Am Freitag bereiteten ihm die Feuerwehren der Gemeinde Schorfheide einen gebührenden Abschied. 15 Jahre bekleidete er das Amt.
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Feuerwehr verabschiedet Bernd Biederstedt

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Nachfolger Christian Seeger nimmt den sichtlich gerührten Lichterfelder, dessen Zeit als Gemeindewehrführer nach 15 Jahren endet, mit auf die Bühne. Eigentlich sollte die feierliche Verabschiedung im Rahmen des Gemeindefeuerwehrtags stattfinden. Weil dieser nicht begangen werden konnte, hatten sich die Feuerwehrleute den fingierten Alarm am Erzbergerplatz ausgedacht, wo schließlich ein noch etwas größeres und deutlich schwereres Geschenk enthüllt werden sollte: Eine wuchtige Gartenbank aus Holz mit den Jahreszahlen der Amtszeit "2005 bis 2020". Auf dieser Bank soll Biederstedt, der aus seinem Beruf als Hausmeister der Finowfurter Schule bereits verabschiedet wurde, nun sitzen und sein Rentnerbierchen trinken.

Sein Engagement bei der Feuerwehr geht wesentlich weiter zurück als die Zeit als Gemeindewehrführer. Bis vor drei Jahren war Biederstedt Ortswehrführer von Lichterfelde, füllte also zeitweise eine doppelte Führungsrolle aus. Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Lichterfelde ist er seit 1984. Der bereits verstorbene Lichterfelder Reinhard Masuhr hatte ihn dafür begeistert. Die eigenen Ahnen waren keine Brandschützer. Dafür konnte Bernd Biederstadt dieses Engagement aber an nachfolgende Generationen weitergeben. Der gelernte Baufacharbeiter und Handwerksmeister hat drei Kinder. Sohn und Schwiegersohn sind bei der Feuerwehr. Zwei von vier Enkelkindern machen bei der Jugendfeuerwehr mit. "Man muss dahinterstehen. Das lässt sich nicht so nebenbei machen", rät er jenen, die heute der Freiwilligen Feuerwehr beitreten wollen. Im Einsatz, das bescheinigt er den Kameraden, die ihm am Freitag zum Abschied applaudieren, hätten alle immer ihr Bestes geben. Der Gaststättenbrand in Werbellin 2007, aber auch die jüngste Vermisstensuche auf dem Üdersee sind zwei Großeinsätze, die ihm besonders in Erinnerung blieben.

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