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Kultur
Trauma Records - Tradition und Subkultur in Eberswalde

Markus Pettelkau / 23.06.2020, 06:49 Uhr - Aktualisiert 23.06.2020, 07:24
Eberswalde (MOZ) Plattenläden gelten bei vielen Jugendlichen heute als "old school". Es ist schön, dass es sie noch gibt, ab und an schaut man mal rein, aber meist wird dann doch digital heruntergeladen. Darum gibt es leider immer weniger von diesen Läden. Einer hält sich aber seit fast 25 Jahren in Eberswalde: Trauma Records von Sven Schmerschneider.

Ein wenig versteckt auf einem Hinterhof - zusammen mit einer KFZ-Werkstatt, einer Reinigungsfirma, einem Computerladen und einem Frisör - in der Eisenbahnstraße 89 betreibt der 47jährige sein 100m² großes Geschäft. "Hier gibt es viel, was du sonst nicht kriegst", sagt Schmerschneider voller Stolz. "Die Leute kommen teilweise aus 50 Kilometern Entfernung. Größtenteils habe ich Stammkunden, die sich hier umschauen. Die Altersspanne reicht dabei von 14 bis über 80."

Angefangen hat Schmerschneider 1996, aus Trotz. Er war bei einer lokalen Metal-Band für das Merchandise zuständig. Die Produkte ist er aber nicht losgeworden, also hat er kurzerhand seinen eigenen Laden gegründet. "Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Ahnung hatte ich damals so gut wie keine. Ich war frei, ledig und voller Tatendrang und hab es einfach probiert." Gelernt hatte er eigentlich Zimmermann. "Aber in dem Beruf wirst du nicht alt. Viele Kollegen hatten schon früh etliche Wehwehchen. Und Musik war schon immer meine Leidenschaft. Ich komme aus einer Musikerfamilie. Das Thema begleitet mich also schon mein ganzes Leben." Die Liebe zur Musik führte dann auch zum eigenen Festival:  "Rock im Hof" - in Kooperation mit Connex Studio. Knapp 1 000 Zuschauer strömen jährlich auf das Gelände, um sich lokale Bands anzuschauen. In diesem Jahr muss das Festival Corona-bedingt allerdings ausfallen. Aufgrund der Verordnungen musste Schmerschneider auch seinen Laden vorübergehend schließen, wie viele andere Einzelhändler auch. "Ich betreibe nebenbei noch einen Online-Handel. Das hat mir etwas geholfen in der Zeit."

Das Internet war hier ein Segen, während es in vielen anderen Situationen eher ein Fluch ist. Mit dem Aufkommen von Amazon, Ebay und Co wandelte sich die Branche innerhalb kürzester Zeit. "Das hat mir natürlich etwas Angst gemacht. Meine ganze Existenz hängt hieran. Du gehst ja mit allem in Vorkasse. Das war in der Anfangszeit schwierig, weil man sich ja erst etablieren muss und das war mit den wachsenden Möglichkeiten des Internets schwierig, weil viele Dinge weitaus leichter verfügbar sind. Wenn du früher eine Export-Platte haben wolltest, dann ging es nur über den Händler, das ist heute anders."

Potpourri der Subkulturen

Viele Kunden schauen vor allem nach Sammlerstücken oder besonderen T-Shirts. Andere wiederum schmökern einfach nur gern. "Die, die nur das Internet gewöhnt sind, findest du eher selten im Laden", befindet Schmerschneider. Es seien Leute, für die der Kauf mehr ist als nur der reine Konsum. "Im Laden kann ich dich beraten. Ich weiß bei vielen schon vorher, was sie suchen und kann dementsprechend helfen. Dieses Persönliche kann dir das Internet nicht geben." Darum kommen viele, die einmal dort waren auch gerne wieder. Man kennt sich, man mag sich, man bekommt maßgeschneiderte Tipps. "Es ist schon eine kleine Oase", freut sich Schmerschneider.

Er sieht in seinem Laden mehr als nur ein Geschäft. "Ich sehe uns schon als Subkultur, oder vielmehr als Potpourri der Subkulturen. Punk, Metal, HipHop, Techno, alles ist dabei. Und wenn jemand eine Schlagerplatte sucht, dann kriegt er die auch von mir. Es ist egal, ob du aus einer Szene kommst, dich einfach nur für Musik interessierst oder deinem Enkel was zum Geburtstag schenken willst. Hier ist jeder willkommen, außer Nazis."

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