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Konflikt
Eberswaldes Stadtverordnete lassen Jugendhütte Finow abreißen

Vor dem Aus: Die Reste der Jugendhütte in Finow sollen in Kürze demontiert werden. Seit der Eröffnung im November 2018 gibt es massive Beschwerden der Anlieger über Lärm, Müll, Alkohol- und Drogenkonsum.
Vor dem Aus: Die Reste der Jugendhütte in Finow sollen in Kürze demontiert werden. Seit der Eröffnung im November 2018 gibt es massive Beschwerden der Anlieger über Lärm, Müll, Alkohol- und Drogenkonsum. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 27.06.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 29.06.2020, 13:23
Eberswalde (MOZ) Eigentlich war alles in trockenen Tüchern. Es gab klare Mehrheitsverhältnisse in Sachen Jugendhütte Finow. Gleich vier Frakionen – Linke, SPD/BFE, CDU und Grüne – hatten sich im Vorfeld auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt.

Am Ende sollten die anwesenden Anlieger doch noch fast vier Stunden auf die finale Entscheidung warten müssen. Die Stadtverordneten beschlossen am späten Donnerstagabend: Der Treff kommt "zeitnah" weg. Vor dem Abriss ist allerdings ein alternativer Standort, möglichst mit öffentlichem WLAN, zu schaffen.

Was zeitnah heißt, dazu erklärte Jan König: "Unser Ziel ist es, Ihnen am 30. Juli  eine Lösung zu präsentieren." Gleichzeitig versprach der Sozialdezernent, dass das Ordnungsamt mindestens vier Wochen lang den erhofften Wechsel der Jugendlichen durch engmaschige Kontrollen begleiten wird. Mit der Aussicht, so also vielleicht zumindest einen hal-ben Sommer Ruhe zu haben, zogen die genervten Anlieger von dannen.

Dem Votum war eine breite, teils kontroverse Debatte vorausgegangen mit mehreren Änderungsanträgen. Unerwartet spannende Momente. Vorsitzender Martin Hoeck musste letztlich vier Mal abstimmen lassen, zwei Mal namentlich. Bei allen Unterschieden, eines war sämtlichen Anträgen gemein: Alle zielten auf den Abriss der Jugendhütte. Die Rathausspitze selbst hatte den Abbau vorgeschlagen, nachdem das beauftragte Büro per Prüfung zu der Überzeugung gelangt war, dass eine Befriedung des Konflikts nicht möglich ist.

Während der Einwohnerfragestunde hatte Dagmar Liebschwager, eine Anliegerin, den Abgeordneten noch einmal einen Einblick in die Gemütslage der genervten Finower gewährt. Sie verwies darauf, dass die Anlieger am vergangenen Wochenende an einem besonderen Event "teilnehmen" durften, als die Jugendlichen nämlich ein Feuerwerk veranstalteten. Liebschwager forderte erneut eine schnelle Lösung, eine Lösung, die terminiert ist. Die im Fachausschuss in Aussicht gestellte "zeitnahe" Lösung, die empfinden die Finower als ein Verschieben "auf den Sankt-Nimmerleins-Tag". Ronny Weiland ergänzte später: "Es braucht klare Regeln." Eine Spielplatzsatzung müsse her. Auch im Interesse der jungen Familien mit Kindern. Die Anlieger, dies wollte er betont wissen, seien kooperativ.

Katharina Walter (Linke) bekräftigte für die Einreicher des "Kollektivantrags": Ohne Alternative wäre der Abbau der Hütte "das falsche Signal". Erst recht, da es ohnehin zu wenig Orte für Jugendliche in Eberswalde gebe. Dass die Stadt kürzlich eine zusätzliche Streetworker-Stelle genehmigt habe, sei ein wichtiger Schritt. "Es sind Straftaten, die da passieren", erinnerte Simone Blum (FDP/BFB) ihre Kollegen noch einmal an das Treiben. Etwa an das "Verticken von Drogen". Allerdings: "Ohne klare Regeln haben wir an anderer Stelle dieselben Probleme." Fraktionschef Götz Trieloff sieht das ähnlich: "Das eigentliche Problem wird damit nicht gelöst."

Anlieger fordern klare Regeln

Die Fraktion AfD – Die Mitte beantragte den Abriss der "Kifferbude" zum 15. Juli, die AfD zum 1. August. Lutz Landmann (SPD/BFE) bat um Zustimmung für den Kollektivantrag, der "keine ideale Lösung" sei. "Aber es ist das Wenigste, was wir tun können." Die Mehrheit schloss sich dieser Auffassung an. Wie Jan König sagte, prüfe die Verwaltung bereits zwei Alternativstandorte.

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