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Talentförderung
Fußball-Talente müssen auf Sichtung warten

Vorbild: Lennard Czyborra trainiert mit den Junioren von Eintracht Wandlitz. Hier begann einst seine Karriere. Heute spielt der 21-jährige Defensiv-Mann in der Champions League bei Atalanta Bergamo.
Vorbild: Lennard Czyborra trainiert mit den Junioren von Eintracht Wandlitz. Hier begann einst seine Karriere. Heute spielt der 21-jährige Defensiv-Mann in der Champions League bei Atalanta Bergamo. © Foto: Sergej Scheibe
Markus Pettelkau / 13.07.2020, 18:30 Uhr - Aktualisiert 13.07.2020, 19:24
Eberswalde (MOZ) Die drei Monate sind natürlich verlorene Zeit", blickt Mario Hellmich, Leiter des DFB-Stützpunkts in Eberswalde, etwas konsterniert auf die Corona-bedingte Trainingspause zurück. "Unsere Talente hätten in dieser Zeit die Möglichkeit gehabt, für die Sportschulen gesichtet zu werden. Das passiert eigentlich immer im Mai und Juni. Jetzt müssen wir schauen, wann der DFB das nach holen möchte" An den über 360 DFB-Stützpunkten in Deutschland werden die besten Jugendkicker gesichtet und für die Sportschulen rekrutiert, wenn das Talent ausreicht. Im Barnim werden aktuell rund 60 Jugendliche unter 15 Jahren trainiert und beobachtet.

Das Talentförderprogramm startete im Jahr 2002 und hat sich seitdem als erste Stufe der Talentförderung im deutschen Fußball fest etabliert. Das Projekt bildet mit seinen Stützpunkten die Brücke zwischen der unverzichtbaren Jugendarbeit an der Vereinsbasis und der zweiten Stufe der Talentförderung, den Leistungszentren und Eliteschulen des Fußballs. Jedes Talent soll von einem regionalen Beobachter entdeckt werden und anschließend auf Basis eines individuellen Trainings vorankommen. Um dies flächendeckend zu schaffen, wurden die Stützpunkte an allen Ecken der Republik installiert. Das Ziel, Profi zu werden, soll für die Talente greifbarer werden. Das Perspektivziel ist ein größeres Potenzial an zukünftigen Spitzenspielern für die DFB-Teams, aber auch für alle Vereine im Lizenz- und höherklassigen Amateurfußball.

Hartes Auswahlverfahren

Bei rund 60 Spielern schaffen aber nur wenige anschließend den Sprung an die Leistungszentren. "Pro Jahrgang sind es vier bis fünf Spieler, das ist schon ein guter Schnitt. Das heißt natürlich aber auch, dass viele auf der Strecke bleiben. Da ist dann natürlich auch psychologische Aufbauarbeit gefragt. 15 ist schon das Höchstalter. Wer es bis dahin nicht packt, hat auf diesem Wege keine Möglichkeit mehr, den Sprung zu den Profis zu schaffen", so Mario Hellmich. Anmeldungen laufen entweder über die Vereine oder privat. Das Trainerteam entscheidet dann, wer gefördert wird und wer nicht.

Während der Zwangspause mussten die Talente Hausaufgaben erledigen, sagt Mario Hellmich. "Trainieren kann man ja auch allein. Das Training ist ja dazu da, um bestimmte Dinge zu verinnerlichen, bestimmte Abläufe zu üben und Sicherheit in sein Können zu bekommen. Das haben unsere Jugendlichen hier auch fleißig getan. Da waren alle voll bei der Sache. Die Kinder wissen halt auch, welche Chance das ist"

Den Kindern ist durchaus bewusst, welche Chance sie hier kriegen, glaubt Hellmich. "Es gibt ja auch Beispiele, wo es geklappt hat, wie zum Beispiel bei Lennart Czyborra." Der heute 21-jährige begann mit sechs Jahren bei Eintracht Wandlitz und spielte bei Motor Eberswalde, ehe er über die Jugendabteilungen von Union Berlin, Hertha BSC, Energie Cottbus und Schalke den Sprung zu den Profis schaffte. Heute kickt der Abwehrspieler bei Atalanta Bergamo in Italien. "Das ist ein gutes Beispiel, wie es gehen kann", so Hellmich.

Ein weiteres Talent auf dem Sprung zu den Profis ist Franz Roggow. Der 17-jährige wurde einst vor Ort entdeckt und spielt derzeit bei der U19 von St. Pauli. "Das sind natürlich Erfolgsgeschichten, die den Kindern auch zeigen: Der Sprung ist möglich", freut sich Hellmich.

Fakten zur DFB-Jugendförderung

366 Stützpunkte sollen ein engmaschiges, flächendeckendes Netz zum intensiven Sichten und Fördern junger Spielerinnen und Spieler bilden. Stützpunktkoordinatoren fungieren dabei als Schnittstellen zwischen dem Deutschen Fußballbund, den Landesverbänden und den ausgesuchten Stützpunkten. Etwa 1 300 Stützpunkttrainer sollen die Talente sichten und eine optimale individuelle Förderung durch das Zusatztraining sichern. ⇥mpe

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