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Hobby
Mann aus Britz ist verliebt ins Abendpfauenauge

Sven Klamann / 31.07.2020, 03:00 Uhr
Britz (MOZ) Es ist die unglaubliche Vielfalt, die Karl-Heinz Krüger an der Welt der Insekten am meisten begeistert. Der 66-Jährige gerät ins Schwärmen, wenn er von den besonders langen Fühlern des Kleinen Eichenbocks, dem rot-schwarzen Kleid der Streifenwanze oder der Farbenpracht des Admirals erzählt.

Der Insektensammler kennt von nahezu jedem Käfer, jeder Wanze und jedem Schmetterling in seinem Besitz den lateinischen Namen. Und er weiß noch ganz genau, wie er zu seinem mit Abstand größten Hobby gekommen ist. "Anfang der sechziger Jahre haben meine Eltern mit mir eine Ausstellung des Deutschen Entomologischen Institutes besucht, die im ehemaligen Speisesaal der Mönche im Kloster Chorin aufgebaut war", erinnert sich Karl-Heinz Krüger. Da habe er sich Hals über Kopf in einen der präparierten Schmetterlinge verliebt. "Es war ein Abendpfauenauge", blickt der Insektenkundler aus Leidenschaft zurück.

Blaue Tupfer auf Hinterflügeln

Das Erkennungsmerkmal des Nachtfalters aus der Familie der Schwärmer seien die an Augen erinnernden blauen Tupfer auf den kleinen rosaroten Hinterflügeln, sagt der ambitionierte Laie. Ein Exemplar des Abendpfauenauges gehöre bis heute zu  den Exponaten in den Schaukästen, die sein Herz schneller schlagen lassen, verrät Karl-Heinz Krüger.

Was im Kloster Chorin mit der Kraft einer Orkanböe begann, ist für den Sammler nie abgeflaut. So hat er in seiner Jahresarbeit im Bio-Unterricht der zehnten Klasse einen Insektenkasten angefertigt, der mit einer Eins benotet wurde. Obwohl der Britzer, der in einem von seinem Großvater gebauten Haus aufgewachsen ist und heute noch wohnt, auch in den meisten anderen Fächern gute Zensuren nach Hause brachte, hat er für sich nie ernsthaft in Erwägung gezogen, sein liebste Freizeitbeschäftigung zum Beruf zu machen und vielleicht Biologie zu studieren. Stattdessen hat er auf elterlichen Rat den Beruf eines Elektromaschinenbauers gelernt und die theoretische Ausbildung dafür in Greifswald absolviert. In der Universitäts- und Hansestadt am Bodden sorgte ein im Schaufenster einer Schädlingsbekämpfungsfirma ausgestellter Schaukasten dafür, dass der Lehrling Kontakt zum Zoologischen Institut in Greifswald aufnahm, um unter fachkundiger Anleitung weiter seinem Hobby frönen zu können. "Die netten Leute da haben mich übrigens auf das Entomologische Institut in Eberswalde verwiesen", sagt Karl-Heinz Krüger. Dort sei ihm vom freundlichen Personal tatsächlich immer geholfen worden.

Institut übernimmt Sammlung

Inzwischen in Rente, ist der Britzer  etwas kürzer getreten. "Ich fange und töte keine Insekten mehr. Es gibt zu wenig davon", erklärt er. Wenn ihm hingegen ein Käfer, eine Wanze oder ein Schmetterling begegnen, die schon tot und interessant genug sind, verleibt er sie seiner Sammlung ein. Auch gegen Tauschgeschäfte hat er nichts.

Die Schaukästen und die zum Teil antiquarische Fachliteratur hat Karl-Heinz Krüger dem Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg vermacht, um sie der Nachwelt zu erhalten. Seine Tochter habe keine Lust verspürt, ihrem Vater nachzueifern.

Der Insektenkundler hatte noch nie ein Problem damit, alles anzufassen, was kreucht und fleucht.  "Nur bei Spinnen gehe ich vor Angst die Wand hoch", gibt er zu. Welch Glück für den Sammler: Spinnen gehören zwar ebenfalls zum Stamm der Gliederfüßer, sind aber keine Insekten.

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