Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Trinkwasser
Kritik am Wasserverband in Wandlitz

Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband Wandlitz spült im Sommer Leitungen, ohne die Bürger zu informieren. (Symbolfoto)
Der Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband Wandlitz spült im Sommer Leitungen, ohne die Bürger zu informieren. (Symbolfoto) © Foto: dpa
Hans Still / 31.07.2020, 03:00 Uhr
Wandlitz (MOZ) In Wandlitz reißen die Diskussionen über das sogenannte schwarze Wasser im Trinkwassernetz  nicht ab. Aktuell werden in mehreren Wandlitzer Bereichen die Rohrnetze durch den Niederbarnimer Wasser- und Abwasserverband (NWA) gespült, ohne dass die Bürger davon wissen.

Sie konnten hinterher auf der NWA-Homepage nachlesen, dass bei ihnen Wartungsarbeiten vorgenommen wurden. Zugleich wird auf der Homepage aber gewarnt, zu den angegebenen Zeiten Trinkwasser zu entnehmen beziehungsweise geraten, den Verbrauch mindestens stark einzuschränken. Auf diesen Widerspruch angesprochen, reagiert NWA-Geschäftsführer Matthias Kunde mit der Bitte um Verständnis. Dies sei nicht anders möglich, weil bei Störungsmeldungen zu schwarzem Wasser die NWA-Mitarbeiter sofort ausschwärmen würden, um den Missstand mit einer Spülung zu beheben. "Wir können dann nicht jeden Hauseigentümer erreichen. Wen wir vor Ort erwischen, dem sagen wir Bescheid", so Matthias Kunde.

Öffentlichkeitsarbeit unbesetzt

Auch der Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert bekam bei einem Telefonat am Donnerstag diese Antwort des Geschäftsführers, er zeigt daraufhin ebenfalls Verständnis. "Bei diesen Eisen-Mangan-Ablagerungen muss der Verband sofort reagieren. Um die Ablagerungswolke zu erwischen, wird sofort gehandelt. Da können nicht alle informiert werden." Wandlitzer Bürger berichten allerdings von anderen Sachverhalten. "Wir haben uns Mitte Juni wegen des schwarzen Filters per Mail an den NWA gewandt und gar keine Reaktion erhalten. Im Mai gab es bei der gleichen Beschwerde wenigstens noch eine Spülung des Hausanschlusses", so eine Wandlitzerin aus dem Seebadkorso. Eine Familie aus dem Haselweg berichtet ebenfalls von anderen Erfahrungen. "Wir hatten Kontakt mit dem NWA und der Verband hat auch reagiert. Innerhalb einige Tage wurde gespült. Wir wussten davon, unsere Nachbarn mit zwei kleinen Kindern und sämtliche anderen Anwohner allerdings nicht", schildert Annika B.*

Zudem vermisst sie die Erfolge der Wartungsarbeiten. "Es wurde gespült und trotzdem haben wir alle drei Tage schwarze Filter", beklagt sie und empfindet die Reaktionen beim NWA als nicht zeitgemäß. "Beim letzten Telefonat wurde ich regelrecht angebrüllt. Der Mitarbeiter könne schließlich nicht dafür, dass wegen Corona so viele Leute zu Hause seien und Trinkwasser abnehmen würden. Daher komme es zu den schwarzen Bestandteilen im Wasser", gibt Annika B. die Unterhaltung wieder.

Bei den Bernauer Stadtwerken, Geschäftsbesorger des Wasser-Abwasserverbandes Panke/Finow, das ergibt die Nachfrage bei einem Verantwortlichen, werden hingegen die Anwohner informiert. "Diese Mangan-Ausflockungen setzten sich schwarz im Filter ab. Wir verteilen vor dem Spülen entsprechende Handzettel an die betroffenen Haushalte", wird geantwortet.

Fraglich erscheint, warum dies beim NWA nicht möglich sein soll? Wenn diese Netzspülungen zwei-drei Tage Vorlauf benötigen, dann könnte nach menschlichem Ermessen sicher auch auf der NWA-Homepage oder auf anderem Weg rechtzeitig auf die Arbeiten hingewiesen werden. Bürgermeister Borchert verweist in diesem Zusammenhang auf eine halbe Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim NWA, diese werde seit Dezember 2019 nicht besetzt. "Die Verbandsversammlung hat diese Stelle gefordert und genehmigt, besetzen muss sie der Geschäftsführer."

Indes mehren sich in Wandlitz die Sorgen vor einem strukturellen Problem: Wenn die Gemeinde beständig wächst, müsste das Trinkwassernetz zwingend mitwachsen. Borchert bestätigt dies, fordert aber auch ein Umdenken der Wandlitzer. Diese müssten angesichts der heißen Sommer ihre Gewohnheiten beim Trinkwasser-Verbrauch umstellen. Zugleich soll der NWA "das Lebensmittel Trinkwasser in der geforderten Qualität sicherzustellen und entsprechend reagieren".

Gespült wurde beispielsweise in Nibelungenstraße/Tannhäuserstraße, Wegenerstraße, Rehwinkel, Am Hasenberg, Seebadkorso, Falkenkorso, Auf der Heide, Tristanweg, Sieglindeweg, Isoldeweg, Brunhildeweg, Siegfriedweg, Haselweg /Ruhlsdorfer Straße (Bogenheide),

*Name geändert

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG