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Corona-Folgen
Barnimer beantragen mehr Zuschüsse zum Leben

Wenn das Geld nicht reicht: Immer mehr Senioren, aber auch Familien müssen Hilfen beantragen.
Wenn das Geld nicht reicht: Immer mehr Senioren, aber auch Familien müssen Hilfen beantragen. © Foto: Malte Christians
Andrea Linne / 31.07.2020, 09:30 Uhr - Aktualisiert 31.07.2020, 10:01
Eberswalde (MOZ) Sabine K. (Name der Redaktion bekannt) hat zwei Kinder. Sie ist noch immer in Kurzarbeit und lebt in Eberswalde am Rande des Existenz­minimums. Ihre Lage ist schwierig, berichtet sie. Nun ging sie zum Landkreis und bat um Hilfe. Mit ihr taten das 29 Frauen und Männer, die sich um Unterstützung an die Behörden wandten. 26 Mal wurden nach Auskunft aus der Behörde die Anträge auf Miet- oder Lastenzuschüsse genehmigt, dreimal auf Grundsicherung im Alter. Vielen fehlen die Einnahmen, auch weil Nebenjobs in der Corona-Zeit weggebrochen sind.

In solchen Fällen, berichtet Richard Bloch vom Büro des Landrates, greift das Wohngeldgesetz, das Möglichkeiten eröffnet, den Miet- oder Lastenzuschuss zu erhalten. Im Alter und bei Erwerbsminderung gibt es diesen Zuschuss. "Diese Leistungen sind antragsabhängig. Bei den Leistungen nach SGB II hat sich grundsätzlich nichts geändert. Jedoch hat der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates das Gesetz für den erleichterten Zugang zu sozialer Sicherung aufgrund des Coronavirus Sars-CoV-2 (Sozialschutz-Paket) beschlossen", sagt Referent Richard Bloch.

Nebenjobs fallen weg

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll demnach den Lebensunterhalt sichern, wenn keine vorrangigen Hilfen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen aufgrund Covid-19 greifen oder Einkommen fehlt. "Diese Leistungen sollen in einem vereinfachten Verfahren schnell und unbürokratisch zugänglich sein, um die Betroffenen zeitnah unterstützen zu können", sei die Intention. Dazu gehören das Aussetzen der Vermögensprüfung für sechs Monate ab dem 1. März bis 30. Juni, eine vorübergehende Prüfungserleichterung bei Weiterbewilligungsanträgen. Eine erneute Antragstellung für Bewilligungszeiträume, die ab 31. März bis 31. August dauern, sei deshalb nicht nötig. Leistungen liefen einfach weiter.

"Vor diesem Hintergrund wird aktuell sichergestellt, dass Leistungsberechtigte, insbesondere Selbstständige, Freiberufler und Arbeitnehmer, sofern ihnen Hilfebedürftigkeit droht, einen schnellen Zugang zu den Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten", versichert der Mitarbeiter. Vereinfacht wurde demnach auch der Bezug von Kinderzuschlägen durch die Familienkassen. "Alle Möglichkeiten und Formulare sind auf der Homepage des Jobcenters Barnim zu finden", rät Richard Bloch.

Die Anträge auf Wohngeld wurden aufgrund von Kurzarbeit gestellt. Bei der Grundsicherung im Alter ging es um den Wegfall von zusätzlichen Einkommen. Das traf auch viele Rentner, die sich sonst etwas dazuverdienen.

Anstieg der Zahlen

Dabei sei auch eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Im Mai und Juni gab es mit 8376 und 8317 erwerbsfähigen Leistungsberechtigen, wie es im Fachjargon heißt, einen Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,2 und 0,8 Prozent. In drei Monaten dürften dann die aktuellen Zahlen vorliegen. Aktuell bekommen 205 Barnimer Hilfe zum Lebensunterhalt. 1964 Frauen und Männer brauchen die Grundsicherung im Alter oder durch Erwerbsminderung. 2003 Elternpaare von Kindern wurden zum 1. Juni von Elternbeiträgen in Kitas befreit, weil sie als Geringverdiener einzustufen sind.

Insgesamt, so Bloch, lässt sich bei Wohngeldanträgen eine Steigerung um 20 Prozent registrieren. Direkt auf die Corona-Pandemie sei das aber nicht zurückzuführen, so der Referent.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Regelungenin der Corona-Zeit

Die Bundesregierung hat schon im April Erleichterungen im Zugang von Soloselbstständigen und Unternehmern auf den Bezug von Leistungen im Rahmen der Grundsicherung ermöglicht. Aber auch Senioren fehlt oftmals Geld, um den Alltag zu meistern. Familien trifft es ebenso hart. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor. Aber Insider befürchten Benachteiligungen vieler Menschen und Familien. Neben den Hilfen der Agenturen für Arbeit über das ALG II gibt es Zuschüsse für Mieten oder Sonder-Aufwendungen, wie für den Schulanfang. Infos: www.arbeitsagentur.de/corona-faq-grundsicherung⇥li

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