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Gastronomie
Verein aus Hobrechtsfelde setzt Wirt vor die Tür

Tatjana Littig / 31.07.2020, 17:16 Uhr
Hobrechtsfelde (MOZ) Das Vertrauensverhältnis ist zerstört", sagt Petra Bierwirth, Vorsitzende des Fördervereins Naturpark Barnim. "Ich bin wütend", sagt Thomas Lubina, der mit Geschäftspartner Christian Fröhlich den Alten Speicher in Hobrechtsfelde betreibt.

Zu Ende Juli hat der Förderverein als Verpächter der Immobilie auf Beschluss des Vorstandes vom Mai den beiden Gastronomen fristlos gekündigt. Wegen einer drohenden Räumung haben die Pächter beim Amtsgericht Bernau eine einstweilige Verfügung gegen den Förderverein erwirkt. "Ich muss doch das Eigentum unserer Firma schützen", begründet Lubina. Inzwischen kommunizieren die Streitparteien nur noch über ihre Anwälte. Was war geschehen?

Im April 2019 haben Lubina, Fröhlich und ein dritter Partner, der inzwischen abgesprungen ist, die gastronomische Bewirtschaftung des historischen Speichers übernommen. "Die braucht das Gut auch", findet Bierwirth. "Es ist uns ein Anliegen, einen Anlaufpunkt zu schaffen mit Gastronomie. Und aus meiner Sicht wird sie auch gut besucht, im vergangenen und in diesem Jahr."

Die Gastronomen möblierten den einstigen Trichterraum, statteten ihn mit einem Tresen aus. Zu gewöhnlichen Zeiten können im Innenraum etwa 50 Gäste bewirtet werden. Im Moment werde er nur bei schlechtem Wetter genutzt und auch dann nur für zehn bis 15 Gäste, erklärt Lubina. Als Küchen- und Sanitärersatz dienen zwei Container. Auf der Terrasse und vor dem Speicher finden normalerweise etwa 100 Gäste Platz. "Wir haben 50 000 Euro investiert, die Arbeitszeit nicht eingerechnet", sagt Lubina.

Pandemie durchkreuzt Pläne

Zu Pfingsten 2019 wurde der gastronomische Betrieb aufgenommen. Bis zum 23. Dezember ging die Saison. Nach einer Pause wollten Lubina und Fröhlich Mitte März wieder öffnen. Anfang des Monats noch fand ein Gespräch aller Beteiligten statt, bei dem detaillierte Pläne für das gesamte Gelände geschmiedet wurden. Doch die Corona-Pandemie durchkreuzte diese. Lubina und Fröhlich wollten in diesem Jahr 10 000 Euro investieren. 5000 Euro flossen seit Mitte Mai für die Anschaffung weiterer Küchengeräte. Als nächstes sollten Sonnensegel folgen, nun ruht das Vorhaben. "Ich brauche Rechtssicherheit", sagt Lubina.

Am 13. Mai fand ein Gespräch zwischen Bierwirth sowie einem weiteren Vertreter des Fördervereins, Lubina, Fröhlich und deren Betriebsleiterin Madlen Lungfiel statt. Es ging um die Zukunft der Gastronomie. Angesichts der gegenwärtigen Situation haben Lubina und Fröhlich auf eine neue Vereinbarung für die Mietzahlung bestanden. Statt einer festgelegten Miete wollen sie den Förderverein prozentual an den Umsätzen beteiligen. Das sei üblich in der Gastronomie, sagt Lubina. Und betont: Wenn es gut läuft, bekommt der Förderverein mehr Miete als ursprünglich vereinbart. Pächter und Verpächter teilen sich so das Risiko.

Hohe Mietkaution

Auch die Höhe der Mietkaution wollten die Gastronomen neu festsetzen. "Sie ist 26 Mal so hoch wie die Miete", informiert Lubina. Er findet das sittenwidrig. Am Tisch habe Bierwirth den neuen Vertragsrahmenbedingungen zugestimmt, sagt er. Bierwirth entgegnet:  "Seit vorigem Jahr sind Posten offen." Es geht um die Mietkaution und eine Unstimmigkeit bezüglich der Betriebskosten. "Erst muss der Pächter seinen Verpflichtungen nachkommen, bevor es in neue Vertragsverhandlungen geht", so Bierwirth. Bis heute sei das nicht geschehen. Lubina widerspricht: Das sei nicht der Deal gewesen. Er habe klar zu verstehen gegeben, dass er nicht mehr öffnen und Insolvenz anmelden würde, wenn die neuen Konditionen nicht ab Anfang 2020 gelten. Er fragt sich, ob der Förderverein schon einen neuen Betreiber an der Hand hat. "Wir haben keinen, gehen aber davon aus, dass es Interessenten geben wird", sagt Bierwirth.

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