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Berufsausbildung
Unternehmen aus Eberswalde bietet Übernahme-Garantie

Im Werk Eberswalde der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH starteten neue Azubis. Ihnen winkt eine Übernahmegarantie. Gina Senderreck, Paul-Leon Vorpahl, Mehr Ali, Andreas Schreyer vom Betriebsrat. Personalrefernt Ulf Boehnke, Lukas Sohst, Duncan Urban und Geschäftsführer Ralf Raschen (v. l.) stehen vor Radsätzen, die aufgearbeitet werden müssen.
Im Werk Eberswalde der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH starteten neue Azubis. Ihnen winkt eine Übernahmegarantie. Gina Senderreck, Paul-Leon Vorpahl, Mehr Ali, Andreas Schreyer vom Betriebsrat. Personalrefernt Ulf Boehnke, Lukas Sohst, Duncan Urban und Geschäftsführer Ralf Raschen (v. l.) stehen vor Radsätzen, die aufgearbeitet werden müssen. © Foto: Sven Klamann/MOZ
Sven Klamann / 31.07.2020, 18:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Auftragslage sei unverändert prima, sagt Nicolai Volkmann, kaufmännischer Geschäftsführer der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH mit 220 Beschäftigten, von denen 140 im Werk Eberswalde arbeiten. Das Unternehmen sei durch die Corona-Krise kaum beeinflusst worden.

"Wir haben von der Pandemie nur dadurch etwas mitbekommen, dass mancher unserer Geschäftspartner schleppender bezahlt hat", sagt der Finanzverantwortliche, der seit Mai 2019 dabei ist. Die eigene Liquidität sei aber nie in Gefahr gewesen. Sein Geschäftsführer-Kollege Oliver Wiechmann ist seit der Übernahme des Werkes Eberswalde im Januar 2018 für den Vertrieb zuständig. Und seit Februar 2020 koordiniert Ralf Raschen die Produktion, ist damit praktisch Werksleiter und ebenfalls Geschäftsführer.

"Wir hatten und haben durchweg so viel zu tun, dass es bei uns keine Kurzarbeit gegeben hat", sagt Andreas Schreyer vom Betriebsrat, der am Freitag dazu geholt wurde, um die fünf neuen Auszubildenden und deren Eltern feierlich in Empfang zu nehmen.

28 Ruheständler in spe

Der Berufsnachwuchs werde dringend gebraucht, betont Ulf Boehnke, der als Personalreferent Verantwortung trägt. Denn altersbedingt würden in den kommenden zehn Jahren 28 Mitarbeiter des Werkes Eberswalde ausscheiden. "Mit ihnen geht jede Menge Erfahrung und Schlagkraft verloren", sagt Ulf Boehnke.

Deswegen gebe die Geschäftsführung jedem Azubi eine Übernahme-Garantie, hebt Ralf Raschen hervor. Die einzige Bedingung dafür sei, dass die jungen Leute ihre Prüfungen zu bestehen hätten, fügt er hinzu.

Im vorigen Jahr hatte das Werk Eberswalde die ersten fünf Lehrlinge eingestellt, jetzt kommen mit Gina Senderreck (16) aus Eberswalde, Lukas Sohst (17) aus Grüntal, beide angehende Mechatroniker, sowie Paul-Leon Vorphal (16) aus Sommerfelde und Duncan Urban (16) aus Altwriezen, beide angehende Industriemechaniker, vier Azubis hinzu. Überdies wird Mehr Ali (20) aus Eberswalde zur Fachkraft  für Metallverarbeitung ausgebildet. "Ich bin 2015 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, habe im Eberswalder Werk im vorigen Jahr meine Einstiegsqualifizierung absolviert und freue mich riesig darüber, diese große Chance zu bekommen", sagt der Geflüchtete, der sich in den zwei Jahren Lehre jeden Tag aufs Neue mächtig anstrengen will.

In den anderen beiden Ausbildungsberufen müssen die Facharbeiter in spe sogar dreieinhalb Jahre lang Schul- und Werkbank drücken.  Sie wirken beim Rundgang allesamt hochmotiviert.

"Ich weiß genau, worauf ich mich hier einlasse", verrät Lukas Sohst. Schließlich habe er den Betrieb bereits während seiner Schulzeit bei zwei Praktika kennen- und lieben gelernt.  Auch Gina Senderreck ist zuversichtlich, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. "Ich schraube für mein Leben gern", sagt die junge Frau, die zwar der einzige weibliche Azubi, nicht aber die einzige Arbeiterin im Werk ist.

Eigene Werkstatt im Aufbau

Die Ausbildung zu forcieren, hat für die drei Geschäftsführer Priorität. Deswegen wird in Eberswalde die Lehrwerkstatt wiederaufgebaut, die es zuletzt zu Zeiten der Deutschen Bahn AG gab. Noch absolvieren die Lehrlinge einen Teil ihres Praxisunterrichtes im Angermünder Bildungswerk. Dort lernen sie unter anderem das Schweißen. Die Deutsche Angestellten-Akademie, die auf dem Kranbau-Gelände in Eberswalde ansässig und die erste Anlaufstelle auch der Bahnwerk-Azubis war, hat ihre Tätigkeit vor Ort eingestellt. "Wir kaufen der DAA die komplette Technik ab, um unsere Lehrwerkstatt auszurüsten", teilt Nicolai Volkmann mit. Ab dem vierten Quartal solle im Werk Eberswalde eine neueingestellte Ausbildertruppe einsatzfähig sein.

Herzstück ist und bleibt die Radsatzinstandsetzung. In Eberswalde werden überdies Waggons gewartet, gereinigt und repariert. In naher Zukunft soll zudem eine Kesselwagenwaschanlage installiert und betrieben werden, kündigt Personalreferent Ulf Boehnke beim Rundgang an.

Wieder auf der Erfolgsspur

Der Vorläufer des heutigen Werks Eberswalde der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH ist 1877 in Eberswalde gegründet worden. 1994 hat die Deutsche Bahn AG den Traditionsbetrieb übernommen und bis zum 31. Dezember 2016 geführt. Mehr als 500 Beschäftigte standen da noch in Lohn und Brot, davon 350 in der Produktion. Zum 1. Januar 2017 wurde der Verkauf an die Quantum Capital Partners AG wirksam, die für ihre neugegründete Eberswalder Tochterfirma ein Vierteljahr später Insolvenz angemeldet hat. Als zum 1. Januar 2018 die Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH als neuer Betreiber einstieg, zählte das Werk Eberswalde noch 74 Beschäftigte. ⇥ sk

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