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Schaltzentrale aus grauer Vorzeit

Steffen Göttmann / 03.08.2014, 22:40 Uhr
Kunersdorf (MOZ) Wer am Sonnabend Abkühlung von der Hitze suchte, hatte mit dem Besuch des Fernmeldebunkers Kunersdorf die richtige Wahl getroffen. Detlef Mallon entführte die Besucher in ein unterirdisches Relikt des Kalten Krieges, wo eine Temperatur von zehn Grad herrscht.

Ein streng gehütetes Geheimnis war der Fernmeldebunker Kunersdorf in der DDR. "Wir waren damals der Meinung, dass von hier aus die Raketen von Biesow gesteuert werden", sagte Werner Lichtenberg aus Schulzendorf, der am Sonnabend mit seiner Frau erstmals an einer Bunkerbesichtigung in Kunersdorf teilnahm. Auch Detlef Mallon, der durch den Bunker führte und in den achtziger Jahren in Vevais lebte, ahnte damals nichts von dem Bunker. "Wir wussten, dass dort ein NVA-Objekt ist, mehr aber auch nicht", sagte Mallon, der seit einigen Jahren in Bad Freienwalde wohnt.

Für den stellvertretenden Vorsitzenden Fördervereins Rüsterbusch Kunersdorf ist es wichtig, an die Geschichte des kalten Krieges zu erinnern und den Bunker als historisches Bauwerk zu erhalten. Funktionsfähig ist er schon lange nicht mehr. Nach der Übergabe an die Bundeswehr wurde der Bunker ausgeplündert, Teile ausgebaut, die auf dem Schrott landeten oder gestohlen wurden.

Im Gegensatz zum Bunker Harnekop steigt die Besucher keine Treppe hinab, sondern kommt ebenerdig in den Bunker, der zwei Stockwerke in die Erde reicht. Durch die mit tonnenschweren Stahltüren gesicherten Schotts begibt er sich in eine andere Welt, die kalt und abweisend erscheint. Der Bunker sollte beim einem Angriff mit Kernwaffen stand halten und der rund 50 Mann Besatzung abgeschottet von der Welt das Überleben sichern. Ihr Aufgabe war, auch im Notfall per Kurzwelle die Kommunikation innerhalb der Armee und zu den Warschauer-Pakt-Staaten zu sichern.

Mallon zeigte den Besuchern Luftfilter, Schleuse, Klimablock, Durckluftbehälter und den Raum, in dem einst drei Dieselaggregate standen, um die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Ferner gab es Speisesaal und Küche für die Besatzung. Auf großes Interesse stießen die Steuerungszentralen für den Bunker und für die Fernmeldetechnik. Im Zeitalter von Tablets und Handys muten die großen grauen Rechner und Schaltanlagen als urzeitlich an.

1975 sei der Grundstein für den Bunker Kunersdorf gelegt worden, sagte Fördervereinsvorsitzender Helmut Kirchner, der als zeitweise als Leiter der Fernmeldetechnik im Bunker gearbeitet hat und das Gebäude sehr gut kennt. Errichtet worden sei er vom Zivilbau- und Montagekombinat Ost aus Schwedt, das bis zu 1500 Arbeiter auf die Baustelle schickte. 1981 sei der Bunker fertig geworden und bis zur Wende als Funkmeldezentrale der NVA geführt worden.Technisch bedeutend war, dass zur Funkmeldezentrale elf "Sputniks" gehörten, ortsfeste Sendestellen mit je zwei Kurzwellensendern, die per Kabel vom Bunker aus ferngesteuert wurden. Sie befanden sich, beispielsweise in Haselberg, Wriezen, Reichenow, Neutrebbin, Trebnitz und Müncheberg.

Der Förderverein, der sich 2008 gründete, sorgt für Frischluft im Bunker und verhindert Schimmel. Er versucht, den Bau in kleinen Schritten zu restaurieren."Ich bin froh, dass der Bunker nie wirklich gebraucht wurde, sagte Werner Lichtenberg. Für dessen technische Einrichtung habe die DDR weder Mühen, Material und Kosten gescheut, stellten der Schulzendorfer und seine Frau fest. Wenn die Bürger jedoch ein Telefon beantragten, hätten sie nur schwer eines bekommen.

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