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Die Bär Cement war in Rüdersdorf

Alles spielte sich auf dem Wasser ab: Um etwa 1937 ist dieses Foto entstanden. Joachim Schütt (4) sitzt in der Zinkwanne und wird von seiner Mutter Marta gründlich geschrubbt. Opa Carl schaut dabei zu.
Alles spielte sich auf dem Wasser ab: Um etwa 1937 ist dieses Foto entstanden. Joachim Schütt (4) sitzt in der Zinkwanne und wird von seiner Mutter Marta gründlich geschrubbt. Opa Carl schaut dabei zu. © Foto: privat
Margrit Höfer und Jürgen Kreows / 25.02.2016, 06:23 Uhr
Rüdersdorf (MOZ) Birgit Mallon hat mit ihrem Lebensgefährten Peter Dubovsky die Samland, den früheren Schlepper Bär Cement, gekauft. Sie bat in der MOZ um Hilfe bei der Recherche zur Geschichte ihres Schiffes. Joachim Schütt aus Rüdersdorf hat sich gemeldet.

Mit solch einer prompten Reaktion war nicht zu rechnen: Doch Joachim Schütt aus Rüdersdorf, gerade 83 Jahre alt geworden, konnte nicht nur umfangreiches Wissen beisteuern, sondern auch Erinnerungen und Fotos. Joachim Schütt stammt aus einer Binnenschiffer-Familie. Nicht nur die Großeltern Carl und Emma, sondern auch seine Eltern Karl und Marta waren auf dem Wasser unterwegs. Ihr Berliner Maßkahn, erbaut 1892 in Havelberg, enthielt eine größere Wohnung im Heck und eine kleinere im Bug. Das Leben fand auf dem Wasser statt. Auch für Klein-Joachim, der seine Kinderzeit dort verbrachte. Als er allerdings zur Schule kam, musste er an Land und lebte bei Tante Gertrud und Onkel Otto Lichterfeld in Rüdersdorf.

Für die Rüdersdorfer Zementwerke, die ab 1998 unter Adler Deutsche Portlandzement AG firmierten, war der Transport von Gütern auf dem Wasser, insbesondere Kohle und Zement, lebenswichtig. Die Kaimauern, die später noch erweitert wurden (in Nähe der heutigen Thälmannstraße), sind heute noch vorhanden. Weitere Zementwerke entstanden am Langerhans Kanal und Am Stienitzsee. Hinzu kamen Ziegeleien und Kalksandsteinfabriken. "Das Rückgrat des Transportwesens bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Binnenschifffahrt über die Woltersdorfer Schleuse", sagt Joachim Schütt. Innerhalb der Rüdersdorfer Gewässer und im Uferbereich des Stienitzsees wurden die Kähne anfangs oft mit Schubstangen bewegt. Später kamen Schlepper zum Einsatz, die acht solcher Kähne, wie Schütts Eltern ihn besaßen, zusammenfassten und zogen. Der Schlepper "Bär Cement" wurde dafür oft von Schütts Eltern genutzt. Von großer Bedeutung für das Schleppen war die Kuppelstelle am Stolpkanal. Die Schiffer legten mit ihren Kähnen an, um von einem Schlepper ins Schlepp genommen zu werden. Von dort aus ging es dann nach Berlin, Hamburg, Dresden.

Der Kahn der Familie Schütt wurde am 22. September 1945 in Stettin von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet und in die Sowjetunion verbracht. Nach der Rückkehr des Vaters aus einem Kriegsgefangenenlager nahmen die Eltern eine Arbeit bei der Deutschen Binnenreederei auf. Den Schlepper Bär Cement haben sie nie wieder gesehen.

Doch es gibt ihn noch: Er heißt Samland. Nach dem Krieg wurde der Schlepper als Bergeschiff in Berlin eingesetzt. Vor zehn Jahren haben Birgit Mallon und ihr Lebensgefährte Peter Dubovsky das Schiff gekauft und aufwendig restauriert.

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