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B102-Ausbau
Zwischen Natur- und Lärmschutz

Bleibt es bei der geplanten Umleitung über Rietz wird es - vorübergehend - voller auf den Straßen des Ortes der Gemeinde Kloster Lehnin.
Bleibt es bei der geplanten Umleitung über Rietz wird es - vorübergehend - voller auf den Straßen des Ortes der Gemeinde Kloster Lehnin. © Foto: MZV
Anja Linckus / 11.03.2018, 10:52 Uhr
Rietz (MOZ) Bernd Gorgas ist besorgt: Im Zuge des begonnenen Ausbaus der B102 zwischen der Autobahn A2 und dem Gewerbegebiet Schmerzke ist für den vierten Bauabschnitt - die Herstellung des Knotenpunktes B102/L88 - auch eine Vollsperrung der L88 geplant. Der Verkehr zwischen Schmerzke und Prützke soll dann komplett über Rietz fließen. Bernd Gorgas fürchtet für diese Zeit einen Dauerstau in der Ortslage "schließlich sind unsere engen Straßen mit den vielen Kurven zum Beispiel für den Lkw-Verkehr gar nicht ausgelegt. Schon bei der letzten Umleitung durch unseren Ort als die Abfahrt von der A2 gesperrt war haben die Autos hier stundenlang Schlange gestanden", so der Rietzer Einwohner. Und ein weiteres Problem belastet Bernd Gorgas: Gleich hinter der Durchfahrtsstraße durch den Ort befindet sich der Rietzer See, der seit 1997 zum Vogelschutzgebiet gehört und seit 2000 auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Das Vogelschutzgebiet zu dem auch der Netzener See, der Moorsee und eine streng genannte Zwischenniederung gehören, ist eines der bedeutendsten Brut- und Rastgebiete für Vögel im Land Brandenburg. Etwa 270 Vogelarten konnten bisher nachgewiesen werden, wobei etwa 160 Arten im Gebiet Brutvögel sind. Dazu gehören Eisvogel, Schilfrohrsänger, Weißstorch, Knäkente, Rotmilan, Rohr- und Zwergdommel. Das Areal ist Durchzugsgebiet für Gänsearten, Wat- und Greifvögel. Der Seeadler ist inzwischen ganzjährig zu beobachten. "Wenn die Umleitung kommt, dann brütet hier auch der letzte Vogel nicht mehr", so die Angst von Bernd Gorgas. Natur- und Lärmschutz würden mit der geplanten Umleitung durch Rietz komplett ignoriert werden ist er sich sicher. Wenig zufriedenstellend war deshalb auch die Antwort von Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner in der jüngsten Sitzung des Rietzer Ortsbeirates. Auf seine Rückfrage im Landratsamt zur geplanten Umleitungsstrecke habe er die Antwort erhalten, dass es zumutbar wäre. Auch bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam Mittelmark sieht man der Problematik entspannt entgegen. Bei der K6949 - der Ortsdurchfahrt durch Rietz - handle es sich um eine öffentliche Straße, die vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg als Projektdurchführer als Umleitungsstrecke ausgewiesen werde, das sei eben so, so die zuständige Sachbearbeiterin auf BRAWO-Nachfrage. Bernd Gorgas indes sieht das ganz anders und hat auch eine Lösung parat. Anstelle davon den Verkehr über Rietz umzuleiten, könnte - so wie vor 20 Jahren schon einmal - die alte Heerstraße durch den Wald westlich von Rietz provisorisch wieder hergerichtet werden. Das würde nicht nur die Rietzer und das Vogelschutzgebiet entlasten, sondern wäre ohnehin die kürzeste Verbindung zwischen Schmerzke und Prützke. Was so - in Bezug auf die Tierwelt - nicht ganz richtig ist, wie Bodo Rudolph vom NABU Regionalverband Brandenburg/Havel weiß: "Die Rietzer Bewohner wären natürlich ganz klar entlastet. Welche Variante von beiden umweltverträglicher wäre, ist nicht leicht einzuschätzen. Vermutlich würden sie in den Bewertungen dicht beieinander liegen." Zumal die Strecke Schmerzke-Rietz-Holzberg-Prützke bestehende Straßen nutze und mit Blick auf das Vogelschutzgebiet die Variante sei, die zwar auch Belastungen mit sich bringe, aber für die Tiere, die im Umfeld leben, bereits als Gefahrenquelle bekannt sei. Viel mehr als die Vögel selbst seien zudem Amphibien auf ihren Wanderungen betroffen.

Projektleiter Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg kann die Sorgen von Bernd Gorgas zwar verstehen, beruhigt aber dahingehend: "Die Sperrung dauert maximal zwei Monate an, zudem fahren auf dieser Strecke nicht mehr als 3500 Fahrzeuge am Tag." Die Möglichkeit die Umleitung über die alte Heerstraße zu führen indes schließt er aus, da die Straße in keinem guten Zustand sei und bei der Kosten-Nutzen-Abwägung ganz klar die Variante über die gut ausgebaute Straße durch Rietz vorzuziehen ist. "Alles andere könnte man keinem Steuerzahler oder Prüfer plausibel erklären", so Schmidt. Wann genau mit der Sperrung und Umleitung zu rechnen ist, konnte er am Freitag noch nicht sagen, da der Frost der vergangenen Wochen zu vorläufigen Bauverzögerungen geführt hat.

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