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Interview
OB Steffen Scheller: 100 Tage im Amt

Steffen Scheller ist Jahrgang 1969, geboren in Köthen im damaligen Bezirk Halle und bis zum Abitur dort geblieben. Der Wehrdienst brachte ihn erstmals nach Brandenburg an der Havel  (Flugplatz Briest). Bei der MBS in Potsdam wurde er sodann zum Bankkaufmann ausgebildet, woran sich nebenberuflich ein Studium anschloss.  2003 wurde er CDU-Mitglied, im März 2005 Kämmerer der Stadt Brandenburg an der Havel, im November 2006 auch Bürgermeister.  Seit 2008 ist er verheiratet, hat zwei Töchter (27 & 10 Jahre). Am 25. Februar 2018 wählten ihn die Brandenburger mit Zweidrittelmehrheit zum Oberbürgermeister. Erster Arbeitstag als solcher:  02. März 2018 (Freitag).
Steffen Scheller ist Jahrgang 1969, geboren in Köthen im damaligen Bezirk Halle und bis zum Abitur dort geblieben. Der Wehrdienst brachte ihn erstmals nach Brandenburg an der Havel  (Flugplatz Briest). Bei der MBS in Potsdam wurde er sodann zum Bankkaufmann ausgebildet, woran sich nebenberuflich ein Studium anschloss.  2003 wurde er CDU-Mitglied, im März 2005 Kämmerer der Stadt Brandenburg an der Havel, im November 2006 auch Bürgermeister.  Seit 2008 ist er verheiratet, hat zwei Töchter (27 & 10 Jahre). Am 25. Februar 2018 wählten ihn die Brandenburger mit Zweidrittelmehrheit zum Oberbürgermeister. Erster Arbeitstag als solcher:  02. März 2018 (Freitag). © Foto: Thomas Messerschmidt
Thomas Messerschmidt / 10.06.2018, 09:23 Uhr
Brandenburg (MOZ) Am Sonntag muss auch ein Oberbürgermeister freihaben dürfen, dennoch ist der 10. Juni 2018 für Steffen Scheller der 100. Tag im Amt als Stadtregent. Zeit, nachzufragen, was der Aufstieg vom Stadtkämmerer zum Stadtchef für ihn bedeutet, welche Ideen er hat und angegangen ist und welche Momente schon in Erinnerung bleiben werden.

Woran ich mich sehr gerne erinnere, ist die offizielle Amtseinführung am 24. März. Eine Veranstaltung, die man zwar inhaltlich mit mir besprochen hat, aber intensiver wirkt, wenn man sie erlebt, weil sie ja einem selbst gewidmet ist. Und es gab manche Leute, die so nette Sachen über mich gesagt haben. Es war eine würdige Veranstaltung. Wobei es nicht um die Lobeshymnen geht, sondern darum zu zeigen, was das Amt für die Stadt bedeutet und dass Brandenburg an der Havel einen neuen Oberbürgermeister hat.

Der erste Arbeitstag war dann beinah normaler Büroalltag.

Was ich ganz bewusst nicht gemacht habe, strukturell größere Änderungen vorzunehmen. Das bringt zu viel Unruhe und uns nicht voran. Und wenn man so lange wie ich schon Verantwortung im Rathaus mitgetragen habe, kann das, was wir im Rathaus aufgebaut haben, nicht verkehrt sein. Von Vorteil ist, das ich ein gutes, eingespieltes Team um mich habe. Was mir allerdings als Neuerung wichtig war: regelmäßige Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden – zum zwanglosen, informellen Austausch.

Ich bin tatsächlich niemand, der es früher vermisst hat, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich akzeptiere aber auch, dass ich als Oberbürgermeister stärker in Erscheinung treten muss. Inzwischen komme ich damit ganz gut klar und ich freue mich, wie offen und herzlich mir die Brandenburger begegnen. Das macht es einfach, stärker präsent zu sein. Was aber nicht heißt, dass sie mir nur mit positiven Botschaften gegenübertreten. Sie erwarten, dass ich ein offenes Ohr habe und das werden sie bei mir auch immer finden.

Meine Familie akzeptiert, dass ich, wenn ich als Privatperson in der Stadt unterwegs bin, trotzdem als Oberbürgermeister angesprochen werde. Die Brandenburger gehen aber recht sensibel damit um und respektieren das Privatleben eines Oberbürgermeisters. So sehen sich meine Frau und meine Kinder äußerst selten mit privaten OB-Anfragen konfrontiert. Familie und Freundeskreis nehmen uns weiterhin als ganz normale Leute wahr. Das sind wir auch und wir wünschen uns, dass es so bleibt.

Es gab einige Gesprächsrunden mit Unternehmern, Politikern, Vereinen, und es gab auch einige, die sich gern selbst im Rathaus vorstellen wollten. Solche Treffen und Termine sind wichtig und nötig, aber auch recht bald vorbei. Ich habe Vertreter von Landes- und Bundesbehörden eingeladen, die in der Stadt tätig sind, habe mich und die Stadt vorgestellt. Wir haben uns unterhalten und diskutiert und wollen das jährlich wiederholen.  Achso, beim Ministerpräsidenten habe ich mich als neuer Oberbürgermeister natürlich auch vorgestellt.

Ja. Wobei ich vorher fleißig gearbeitet habe und das weiterhin tun werde. Der Arbeitsinhalt hat sich etwas verändert, aber eigentlich schon mit dem 12. Oktober 2017, dem letzten Arbeitstag von Dr. Dietlind Tiemann als Oberbürgermeisterin. Seitdem trug ich die Verantwortung.

Dienstbeginn ist 7.45 Uhr im Rathaus, bis 8.30 Uhr wird die Post erledigt und dann gibt es in der Regel im Stundentakt Termine. Zwischendurch bleibt ein bisschen Zeit für Büroarbeit. Und was ich mir vorgenommen habe, ist mir regelmäßig die Zeit zu nehmen, Mittag essen zu gehen – meistens in der Kantine in der Spielwarenfabrik. Abendtermine sind nicht selten, aber auch nicht die Regel, sodass ich an zwei, drei Abenden – also an Werktagen – auch zum Abendbrot zu Hause bin.

Nein, nicht wesentlich.

Das hat schon angefangen, bevor ich gewählt wurde – unmittelbar mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, um zu erfahren, was sie bewegt. Dazu sind die Bürgersprechstunden und Einwohnerversammlungen sehr wertvoll. Da konnten wir schon einige Anregungen mitnehmen, die uns womöglich sonst gar nicht erreicht hätten.

Das Sommerfest der Stadt am 23. Mai. Der Einladung sind viele Vertreter des öffentlichen Lebens der Stadt gefolgt sowie viele Gäste aus anderen Kommunen, aus Ministerien und aus den Partnerstädten Kaiserslautern und Yvry-sur-Seine.

Das persönliche Verhältnis zwischen den Stadtverordneten war aus meiner Sicht auch in der Vergangenheit in Ordnung. Das, was manchmal als Streit nach außen getragen wird, ist oftmals dann doch nur ein Verharren auf dem politischen Standpunkt. Ich wünsche mir, dass Fraktionen bereit sind, ihren Standpunkt zu überprüfen und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Darum hatte ich schon im Wahlkampf gebeten. Und wenn sie das mehr und mehr in die eigene Arbeit übernehmen, ist das ein wichtiger Schritt politische Entscheidungsprozesse nicht mehr als Streit darzustellen. Die Bereitschaft aufeinander zuzugehen muss von den Leuten kommen und ich will gerne meinen Beitrag leisten.

Es gibt momentan zwei Anliegen: dass es die Entscheidung auf Landesebene gegeben hat, die Kreisgebietsreform nicht durchzuführen – wir hätten sonst die nächsten Jahre nur mit Strukturfragen und Personalüberführungen zu tun gehabt. Nun haben wir einen genehmigten Haushalt, haben uns mit dem Land über Entschuldungsmaßnahmen verständigt und haben im Mai Gespräche über die Theaterfinanzierung geführt. Wir können uns plötzlich sogar wieder über die Auferstehung der Schauspielsparte Gedanken machen – rund 20 Jahre nach Auflösung des Dreispartentheaters. Das sind positive Dinge, die für die Stadtentwicklung und die gesamte Region von großer Bedeutung sind.

Außerdem lag mir die neue Elternbeitragsordnung sehr am Herzen, weil sie eine deutliche Entlastung für Familien bringt.

Wir werden mit Freunden acht Tage auf Island sein und planen, mit dem Wohnmobil die Insel zu erkunden. Und wir wollen ein Wochenende mit meinen Schwiegereltern nach Kühlungsborn fahren. Außerdem haben meine Frau und ich vor, uns eine Monatsangelkarte für die Havel zu kaufen. Wir angeln beide ganz gerne, es gelingt uns nur zu selten.

Ab und an gibt es vormittags einen Termin, doch meistens ist der Sonntag ein Familientag. Und wenn das so ist, gibt‘s am Haus oder im Garten was zu tun, aber ich lese auch gerne mal ein Buch oder in der Zeitung.

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