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Glocken eingeweiht
Ein Jahrhundertereignis für Gollwitz

Werner Fräßdorf, Vorsitzender des Fördervereins, freut sich wie alle in Gollwitz über die neuen Glocken.
Werner Fräßdorf, Vorsitzender des Fördervereins, freut sich wie alle in Gollwitz über die neuen Glocken. © Foto: geh
Erhard Herrmann / 02.11.2018, 09:12 Uhr
Gollwitz „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Nicht allein Goethes Faust, sondern viele Menschen können heutzutage mit dem Läuten der Glocken nichts mehr anfangen. Dabei hielten sie Dr. Faustus ab, sich das Leben zu nehmen. Kirchenglocken bestimmten zudem über viele Jahrhunderte den Zeitablauf, Tagesrhythmus und gehörten zur Normalität. Meist merkt man ihre Anwesenheit, wenn sie fehlen oder nicht mehr läuten.

So wie die Glocken der Dorfkirche in Gollwitz bei Warchau. Das Gotteshaus ist mit seinen rund 850 Jahren eines der ältesten Gotteshäuser in der Mark. Die alte Stahlglocke hatte im Laufe ihres Lebens winzige Haarrisse bekommen und durfte in den letzten Jahren nur noch zu Ostern und Weihnachten zwei Minuten geläutet, später nur noch angeschlagen werden. „Eine stille Kirche ist, wie ein Kuchen ohne Zucker“, bedauerten die Mitglieder des Fördervereins.

Fast vier lange Jahre hat der Förderverein daraufhin gearbeitet, dass in Gollwitz wieder geläutet werden kann. Nun war es endlich soweit. Die neuen Glocken wurden mit einem feierlichen Gottesdienst der Gemeinde übergeben und von Pfarrer Holger Zschömitzsch geweiht. „Vom Glockensachverständigen der Landeskirche wurde anhand der alten Glockenlager und des teilweise vorhandenen Glockenstuhls die Größe der zwei Glocken festgestellt. Daraus wurde dann der Glockenton bestimmt“, erklärte Werner Fräßdorf Vorsitzender des Fördervereins. Die beiden Glocken erklingen nun im C und D Ton. Ermittelt wurden die Tonschwingungen von der Gießerei Perner in Passau. Sie hat auch die Glocken aus einer Bronzemischung mit Kupfer und Zinn hergestellt. Fast eine Woche nach dem Gießen, bis zur Aushärtung unter der Erde, musste die Gemeinde auf eine Erfolgsmeldung warten. Nachdem Erde und Schlacke entfernt wurden, bekamen die Kirchenglocken ihren Feinschliff und nun konnte man deutlich die Inschriften „Der Schall tut kund“ bei der zweiten Glocke „Kommt zusammen“ und 2018 das Herstellungsdatum lesen. Auch der Transport verlief reibungslos. „Somit kann hier in Gollwitz ein Jahrhundertereignis gefeiert werden. Von diesem Ereignis profitieren noch Generationen nach uns“, merkte Pfarrer Holger Zschömitzsch in seiner Predigt an. 15.000 Euro kosten die beiden Glocken. Weitere 15.000 bezahlte der Verein für den neuen Glockenstuhl und die elektronische Läutetechnik. Für die beiden neuen Glocken kamen insgesamt 22.000 Euro von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und Lottomitteln des Landes Brandenburg. „Die übrigen 8000 Euro sammelten wir als Spenden bei unseren Konzerten, am Tag des offenen Denkmals, durch den Verkauf kleiner Getränke und Speisen und durch die Kollekte“, betonte der Vereinsvorsitzende. Wie er freuen sich alle auf den ersten Glockenschlag. Der wird in den nächsten Wochen erklingen, nachdem die beiden Glocken in ihre Stube im Glockenturm eingezogen sind. Dabei ist dann noch einmal Maßarbeit und Fingerspitzengefühl angesagt. Die Klangarkaden wurden von den Mitarbeitern des Architekturbüros Fleege + Oeser höchstmöglich erweitert, dennoch sind beim Einbau der Glocken rechts und links jeweils nur ein Zentimeter Platz. Neben einer ruhigen Hand des Kranführers hoffen dann auch alle ein wenig auf Gottes Beistand.

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