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Ein Sattelzug rast nachts auf einer Autobahn in Brandenburg an einer Unfallstelle in die Einsatzfahrzeuge. Zwei Feuerwehrleute sterben. Nun steht der Lastwagenfahrer vor Gericht.

Nach Tod von Feuerwehrleuten
Prozess gegen Lastwagenfahrer vertagt

Wartende Feuerwehrleute vor dem Amtsgericht in Brandenburg/Havel: Mehr als ein Jahr nach dem Tod von zwei Feuerwehrmännern bei einem Rettungseinsatz auf der Autobahn A2 hat der Prozess gegen einen Lastwagenfahrer begonnen.
Wartende Feuerwehrleute vor dem Amtsgericht in Brandenburg/Havel: Mehr als ein Jahr nach dem Tod von zwei Feuerwehrmännern bei einem Rettungseinsatz auf der Autobahn A2 hat der Prozess gegen einen Lastwagenfahrer begonnen. © Foto: dpa/Bernd Settnik
dpa / 04.12.2018, 13:57 Uhr - Aktualisiert 04.12.2018, 14:07
Brandenburg/Havel (dpa) Im Beisein von zahlreichen Angehörigen und Kameraden hat vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel der Prozess zum tragischen Tod von zwei Feuerwehrleuten begonnen. Die 23 und 38 Jahre alten Männer waren im September 2017 bei einem Einsatz auf der Autobahn 2 von einem umstürzenden Feuerwehrwagen erschlagen worden. Mehr als ein Jahr danach steht nun ein Lastwagenfahrer, der das Feuerwehrauto mit seinem Sattelzug gerammt hatte, wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Der Prozess wurde am Dienstag jedoch bereits nach dem Verlesen der Anklage auf Mittwoch vertagt. Als Grund nannte die Vorsitzende Richterin Susanne Götsche, dass der zuständige Staatsanwalt wegen anderer Termine verhindert sei. Am Mittwoch will der Anwalt des Lastwagenfahrers eine Erklärung seines Mandanten verlesen.

Laut Anklage war der Verkehr am frühen Morgen des 5. September 2017 auf der Autobahn bei Kloster Lehnin an einer Unfallstelle vorbeigeleitet worden. Der Sattelzug des 57-Jährigen habe mit überhöhter Geschwindigkeit zunächst ein Polizeiauto und dann den Feuerwehrwagen gerammt. Der Wagen stürzte um und begrub die beiden Helfer unter sich. Aus Sicht der Anklage war der 57-Jährige zum Zeitpunkt des Unfalls übermüdet.

Zu dem Prozess erschienen acht Angehörige als Nebenkläger. Im Saal waren zudem Kameraden der beiden getöteten Helfer von der Berufsfeuerwehr Potsdam und der Freiwilligen Feuerwehr Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Die getöteten Feuerwehrmänner waren auf der Autobahn als freiwillige Helfer im Einsatz.

Unter den Feuerwehrmännern im Saal war auch der ehemalige Feuerwehrmann Klaus Schulz. Der 68-Jährige war von 1994 bis 2006 Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Kloster Lehnin. Der 38-jährige Getötete war bei der Berufsfeuerwehr in Potsdam und sein Nachfolger in Kloster Lehnin. Seit dem 5. September herrsche bei der Mannschaft eine sehr bedrückte Stimmung, berichtete Schulz. „Dieses tragische Unglück hat noch keiner richtig verarbeitet - die Kameraden sind stiller und nachdenklicher geworden.“

In den 50 Jahren seiner aktiven Zeit habe er zahlreiche schlimme Unfälle mit vielen Toten und Verletzten erlebt. Auf den Autobahnen werde rücksichtslos gerast und gedrängelt, sagte der 68-Jährige. „Viele Lkw-Fahrer respektieren ja nicht einmal die Feuerwehr, sie schließen die Rettungsgasse und versuchen sich irgendwie durchzudrängeln.“ Die Autobahnpolizei müsste härter durchgreifen, meinte Schulz. „Aber die ist ja viel zu selten zu sehen.“

Der Tod der beiden Männer hatte große Betroffenheit und eine Diskussion über die finanzielle Absicherung der Helfer in den Freiwilligen Feuerwehren ausgelöst. Rückwirkend zum 1. Januar 2017 werden nun bei freiwilligen Feuerwehrleuten im Todesfall dieselben Leistungen für die Hinterbliebenen bezahlt wie bei Berufsfeuerwehrmännern. „Warum musste erst so ein schlimmes Unglück passieren, damit die Politik endlich reagiert“, fragte Schulz. Und die getöteten Kameraden bringe dies auch nicht zurück.

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