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Armuts-Renten
28,1 Prozent hiesiger Arbeitnehmer droht „Alters-Hartz-IV“

Wer Renten unterhalb der Grundsicherung erhält, braucht eine finanzielle Stütze. Nach aktuellen Berechnungen werden 28,1 Prozent heutiger havelländischer Arbeitnehmer auf „Alters-Hartz-IV“ angewiesen sein.
Wer Renten unterhalb der Grundsicherung erhält, braucht eine finanzielle Stütze. Nach aktuellen Berechnungen werden 28,1 Prozent heutiger havelländischer Arbeitnehmer auf „Alters-Hartz-IV“ angewiesen sein. © Foto: NGG
René Wernitz / 07.12.2018, 09:09 Uhr
Havelland (MOZ) Auch der Landkreis Havelland kann schon mal sparen. Denn die Gefahr besteht, dass die Zahl hiesiger Rentner, die von „Alters-Hartz-IV“ abhängig sein werden, weiter steigt. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)  in dieser Woche hingewiesen.

Ihren Angaben zufolge würden, so wie sie heute tätig sind, 13.766 Arbeitnehmer im Landkreis Havelland nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind 28,1 Prozent aller Beschäftigten. Die NGG hatte das in Hannover ansässige Pestel-Institut mit einer deutschlandweiten Rentenanalyse beauftragt, wofür die Wissenschaftler amtliche Statistiken ausgewertet hätten, wie seitens der NGG erläutert wird.

Sollte die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen, könnte die Zahl armutsgefährdeter havelländischer Rentner deutlich steigen. Dann gäbe es mehr als 16.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so geht es aus einer vom Pestel-Institut erstellten Grafik hervor, die BRAWO vorliegt. Laut dieser liegt im Havelland die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ bei aktuell 723 Euro im Monat.

Der brandenburgische Vergleich, den die Grafik auch ermöglicht, belegt, dass sich der Landkreis Havelland bei der  drohenden Altersarmut für gegenwärtig 28,1 Prozent der Arbeitnehmer im Mittelfeld bewegt. Für Teltow-Fläming wird der Wert mit 25,1 Prozent angegeben, für Cottbus mit 32,3 Prozent.

Die Nachbarn der Havelländer liegen bei 27,9 Prozent (Brandenburg/Havel), 31,6 Prozent (Potsdam-Mittelmark), 31,5 Prozent (Stadt Potsdam), 27,9 Prozent (Oberhavel) und 28,4  Prozent (Ostprignitz-Ruppin). Für Berlin ist übrigens von 30,6 Prozent die Rede. Altersarmut ist also ein flächendeckendes Problem.

Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können, so Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung habe eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so der Geschäftsführer. Die Regierungskoalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben. Riesner und die NGG sehen auch die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, so der Gewerkschaftler. Gerade in NGG-relevanten Branchen wie Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Landkreis Havelland viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif.“

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