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Besuchsdienst
Zeit und Zuwendung schenken

Anette Drehmann (li.) engagiert sich seit gut sechs Jahren als Besucherin und ist damit Freiwillige der ersten Stunde beim Besuchsdienst der Caritas, koordiniert vom Annett Keißig.
Anette Drehmann (li.) engagiert sich seit gut sechs Jahren als Besucherin und ist damit Freiwillige der ersten Stunde beim Besuchsdienst der Caritas, koordiniert vom Annett Keißig. © Foto: age
Alexandra Gebhardt / 09.03.2019, 10:21 Uhr
Brandenburg. (MOZ) Wer in den vergangenen Wochen die VOX-Sendung "Wir sind klein und ihr seid alt" gesehen hat, war sicherlich einige Male den Tränen nahe.  Für die dreiteilige Dokumentation ließ der Kölner Sender Kindergartenkinder und zehn Senioren sechs Wochen aufeinandertreffen. Die Gruppe spielte, bastelte, unternahm gemeinsam Ausflüge. Das Fazit: die körperlichen Werte aller Senioren hatten sich stark verbessert, viele trauten sich mehr zu, waren insgesamt aktiver und fitter. Was jedoch vor allem zu Beginn der Serie auffiel: viele Senioren sind einsam, haben nur selten Gesellschaft, weil der langjährige Ehepartner verstorben, der Kontakt zur Familie abgebrochen ist, Freunde und Bekannte bereits verstorben sind oder nachlassende Mobilität die eigene Wohnung zur ganzen Welt macht. Ein Schicksal, das viele ältere Brandenburger teilen.

Um ihnen Gesellschaft bieten zu können, organisiert die Caritas Brandenburg an der Havel mit ihrem Freiwilligenzentrum seit 2013 einen Besuchsdienst. Gut zwanzig Ehrenamtliche engagieren sich hier mittlerweile, schenken älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen, die von Isolation bedroht sind, ein klein wenig ihrer Freizeit. Für die Besuchten Zeit von unschätzbarem Wert, wie Anette Drehmann weiß.

Sie ist seit der Gründung des Besuchsdienstes dabei, trifft sich seit vier Jahren einmal in der Woche mit einer 88-jährigen Rentnerin. "Je nachdem, wie das Wetter ist, spielen wir  Rommé, trinken Kaffee und unterhalten uns oder gehen spazieren, machen kleine Besorgungen in der Stadt oder gehen ins Bürgerhaus. Ein besonderes Highlight für sie war jedoch eine Dampferfahrt, die wir im vergangenen Sommer gemacht haben", erzählt die 60-jährige Brandenburgerin. In den Jahren zuvor hatte sie bereits einen Mann, der später an Demenz erkrankte und intensive Pflege benötigte, und eine Frau, die nach einiger Zeit ins betreute Wohnen zum Sohn nach Dortmund zog, besucht. Auch mit ihnen verstand sich Anette Drehmann gut.

Keine Selbstverständlichkeit, immerhin treffen Ehrenamtler und Besuchte zunächst als völlig Fremde aufeinander, müssen sich erst kennenlernen. Dafür, dass ‚die Chemie’ zwischen beiden Parteien stimmen könnte, sorgt Annett Kießig als Koordinatorin des Besuchsdienstes. Sie erhält vom Pflegestützpunkt der Stadt, Pflegediensten oder auch Ärzten immer wieder Hinweise auf Personen, die kaum soziale Kontakte haben und drohen zu vereinsamen. "Ich versuche dann einen Kontakt herzustellen und taste ab, ob unser Besucherdienst, etwas für sie wäre. Falls ja, schaue ich, welcher der Freiwilligen passen könnte. Wenn Interessen oder Hobbys gleich sind, ist das zum Beispiel eine gute Basis. Bei einem ersten Zusammentreffen, werden dann die Erwartungen beider abgeklärt. Etwa wie oft man sich treffen möchte. Immerhin sollen beide von den Treffen profitieren", erklärt Annett Kießig die Vermittlung und  das Kennenlernen beim Besucherdienst. Die meisten Fälle, so wie bei Anette Drehmann, sind dann echte Selbstläufer, bedürfen kaum noch einer Regelung durch den Besuchsdienst – auch weil Drehmann als gelernte Altenpflegerin ohnehin viel Empathie und Geduld mitbringt. Fähigkeiten, die jedoch kein Muss sind, wie Annett Kießig betont: "Der Besuchsdienst hat absolut nichts mit einer pflegerischen Tätigkeit zu tun. Es soll auch niemand als Haushaltshilfe fungieren oder putzen. Viel mehr sollte man ein guter Zuhörer sein, gern unter Menschen sein und ein wenig Zeit und Lust mitbringen."  Der Bedarf nach mehr Freiwilligen, die ein wenig ihrer Zeit und Zuwendung spenden, ist nach Kießig dabei in jedem Fall da. Wer sich ebenfalls engagieren möchte, erreicht den Besuchsdienst unter 03381/2099339 oder Annett Kießig unter a.kiessig@caritas-brandenburg.de.

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