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Jubilar
Mit "Hochzeitseis" und "Opa-Hermann-Brot"

Bäckermeister Heino Fischer hat zum 100. Bäckerei-Geburtstag eine Wand im Café mit Meisterbriefen und Ahnengalerie verziert und das "Opa-´Hermann-Brot" kreiert.
Bäckermeister Heino Fischer hat zum 100. Bäckerei-Geburtstag eine Wand im Café mit Meisterbriefen und Ahnengalerie verziert und das "Opa-´Hermann-Brot" kreiert. © Foto: Th. Messerschmidt
Th. Messerschmidt / 07.04.2019, 14:30 Uhr
Götz (MOZ) "Das klassische Mischbrot machen wir noch wie vor hundert Jahren", verrät Heino Fischer. Ansonsten habe sich vieles verändert, "man muss sich dem Wandel der Zeit anpassen."

Am 1. April 2019 war es genau 100 Jahre her, dass Hermann Fischer am westlichen Götzer Ortseingang, direkt an der heutigen Bundesstraße, eine Bäckerei eröffnet und somit den Grundstein für eine lange Familientradition gelegt hat. Fortgeführt ab 1967 von Sohn Horst und seit 1989 von Enkel Heino, mit dessen Spross Samuel die vierte Generation bereitsteht.

Prägte Herrmann als Leitmotiv "Schmecken muss es, erst dann kommt der Preis", mussten sich die Folgegenerationen vor allem in Kreativität üben.  Weil der DDR-Staat Bäckermeister Horst Fischer die geplante Kaffeestube verbot und ihm zur Sicherheit ein Halteverbotsschild an die Hauswand nagelte, wurde nun Eis hausgemacht – und zum Verkaufsschlager. In seinen Erzählungen hieß es: "Vom Böttchermeister in Lehnin bekam ich den Bottich, vom Schmied in Brandenburg den Kupferkessel und in Wust ein Getriebe, fertig war meine erste Eismaschine." Das eisige Ergebnis sei so lecker gewesen, dass der Umsatz mit Eis im Sommer nicht selten den der Bäckerei überstieg. Einzig das frühe Aufstehen habe er manchmal verflucht, aber das sei nun einmal das Los des Bäckers. Eigentlich ein großes Los, das Heino Fischer vor nunmehr 30 Jahren gerne gezogen hat. Schließlich stand er seit 1974 in der väterlichen Backstube, nachdem er Konditor bei Fiedlers in Lehnin gelernt hatte. Die Zeit der Übergabe war 1989 gekommen, kurz bevor sich die DDR verabschiedete. Für alle änderte sich das Leben, für Selbstständige oft stärker als erhofft. "Früher hatte Handwerk goldenen Boden und abends war der Laden leer. Heute trage ich abends fünf oder sechs Säcke Backwerk raus, worüber sich die Hühner, Schweine, Schafe mancher Bauern im Umfeld freuen. Es ist eine Gradwanderung, aber sonst heißt es, ab 17 Uhr brauchst du zu dem nicht mehr hin", schildert Heino Fischer. Dennoch sei das Bäckerhandwerk ein wunderbares Handwerk geblieben, "auch wenn man oft mehr ums Überleben kämpft, als seine Kreativität ausleben zu können, zumal Bürokratie und Vorschriften weiter zunehmen." Dennoch: "Für uns ist das Bäckerhandwerk Berufung" und für die nächste Bäcker-Fischer-Generation gesorgt.  Samuel ist 33 Jahre, längst Meister seiner Zunft und rückt Stück für Stück ans Ruder. Sogar Opas Eis beherrscht er im Schlaf. Opas gutes Eis. Denn es gab ursprünglich das Alltagseis und das "Hochzeitseis", bei dem sechs Eier auf den Liter Milch kamen. Das wusste die Kundschaft zu schätzen und gab gern ein paar Pfennige mehr aus. Und  sie blieb aus, als im geeinten Deutschland vorübergehend auf Fertigeis gesetzt wurde. Schnell besann sich Heino Fischer auf das, was seit dem 100. Bäckerei-Geburtstag unter der Ahnen-Galerie steht: "Hier läuft die Ware nicht vom Band, hier schafft man noch mit Herz und Hand." Was für Fischers leckeres Eis wieder gilt, war beim Backwerk niemals anders. Trotz der 14 Brötchen- und 20 Brotsorten. Die Kundschaft verlangt nach Vielfalt – und verstärkt wieder nach gutem Bäckerbrot. Dass immer mehr Menschen sich gesünder ernähren, kommt traditionellen Bäckern zugute, die auf Zuschlagstoffe verzichten. Fischer: "Unser Brot kann fünf Tage liegen und schmeckt noch immer frisch – wenn es nicht längst aufgegessen ist. Wir backen alle Brote mit hauseigenem Natursauerteig, Hefe, Salz, Wasser, Milch – das ist ehrliches Handwerk und das schätzt unsere Kundschaft." Wie sehr, bekam die Bäckerfamilie am Jubiläumsmontag zu spüren. "Der Geburtstag begann für mich mit einer ganz gewöhnlichen Arbeitsnacht um 1 Uhr. Vom Zuspruch und den vielen Gratulanten am Tage wurden wir dann völlig überrascht. Ob Bürgermeister Reth Kalsow, Handwerkskammerpräsident Robert Wüst, Stammkunden, Nachbarn – alle kamen. Wir hätten einen Blumenladen aufmachen können! Und sogar die vier Führungen durch die Backstube waren rasch ausgebucht." Die Jubilare revanchierten sich mit Gemütlichkeit und mit einer neuen Brotkreation, dem Gründer gewidmet: das "Opa-Herrmann-Brot" ist ein 99-prozentiges Roggenbrot, bestehend aus 74% Roggenmehl, 25% Waldstaudenroggen (Urgetreide!) und 1% Weizeneiweiß. Es war für die Jubiläumswoche gedacht, findet reißenden Absatz und wird nun einen ganzen Monat lang gebacken.

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