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Auszeichnung
Vom Praktikanten zum geschätzten Kollegen

Liebt seinen Beruf: Friseurazubi Saber Hajo ist Azubi des Monats der HWK Potsdam.
Liebt seinen Beruf: Friseurazubi Saber Hajo ist Azubi des Monats der HWK Potsdam. © Foto: Linckus
Anja Linckus / 12.04.2019, 15:27 Uhr
Brandenburg (MOZ) Wenn sich Friseurmeisterin Monika Nowotny daran erinnert, wie sie vor gut zwei Jahren zu ihrem jetzigen Auszubildenden mit syrischen Wurzeln gekommen ist, dann fällt ihr der alte Ausspruch "Wie die Jungfrau zum Kinde" ein.

Die HAIRTEAM-Friseursalonchefin und Ausbilderin meint dabei Saber Hajo, einen junger Syrer, der eines Tages unangekündigt in ihrem Salon stand und mit Hilfe eines ehrenamtlichen Mitarbeiters des DRK nach einer Ausbildungsstelle fragte. Sein Deutsch war spärlich, trotz der absolvierten Deutschkurse. Doch die Eigeninitiative des jungen Mannes beeindruckte sie. Mit Hilfe eines Dolmetschers, der vor der Tür wartete, machte man nach nur zehn Minuten sogleich "Nägel mit Köpfen".  Heute lernt der 29-Jährige im zweiten Lehrjahr und wurde am Donnerstag für sein vorbildliches Ausbildungsengagement als Azubi des Monats April durch die Handwerkskammer Potsdam (HWK) geehrt.

Die Gründe für den Auszeichnungsvorschlag sind aus Sicht von Chefin Monika Nowotny vielfältig: "Gleich am nächsten Tag kam er zum Probearbeiten. Da merkte ich schon, das kann was werden. Er half sofort, wo er zugreifen konnte, beobachtete genau und war bei der Sache. Das überzeugte mich, es mit ihm zu versuchen". Bis heute bereut sie die Entscheidung nicht.

Mit Hilfe des Willkommenslotsen der HWK Potsdam meisterte er zunächst den Weg der Einstiegsqualifizierung, der dann in einen Ausbildungsvertrag mündete. Die Zeit im Salon nutzte er intensiv, sein Deutsch zu verbessern. Dank "learning by doing" beherrscht er die Sprache heute beeindruckend. So manche deutsche Redewendung seiner Kolleginnen wird hinterfragt, wie etwa: "Ihr Deutschen sagt immer ´zack-zack´… Was ist damit gemeint?"… Umgekehrt ´lernen´ die Kolleginnen ganz selbstverständlich die arabische und kurdische Sprache kennen, ´so sind wir Multikulti´", schmunzelt die Salonchefin. Saber arbeitete bereits in Syrien als Herrenfriseur. Mit der Ausbildung hier schafft er sich die entsprechende Basis für die Zukunft, denn in Syrien ist dies kein Lehrberuf. Entsprechend imponieren ihm auch die Ausbildungsinhalte. "Manchmal denke ich, ich studiere Chemie und Medizin, so vielfältig sind die Themen", lacht er. Auch in der Berufsschule beißt er sich durch, die theoretische Prüfung ist bereits absolviert. Vor wenigen Tagen legte er auch den ersten Teil der praktischen Gesellenprüfung im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz ab.

Nowotny, die in ihrem Salon seit 15 Jahren junge Menschen ausbildet, lobt ihren Azubi mit den vielen Talenten. Dabei schwingt auch Stolz mit, bis hierher mit ihm und ihrem Team diesen Weg gegangen zu sein. Sein Kundenstamm reiche mittlerweile sogar bis Berlin, erzählt Monika Nowotny. Seine Wissbegierde, Akribie, seine Auffassungsgabe schätzen sie und die Kolleginnen sehr. "Er ist ein guter Beobachter, er fragt nach, schaut genau hin, lernt auch mit den Augen. Ob Lockwelle oder Dauerwelle – er ist ein unglaublicher Perfektionist, Saber lebt seinen Beruf. Und das macht ihn besonders", beschreibt sie den jungen Mann und ergänzt lachend "Auch mit seinen Kochkünsten hat er uns bereits bezaubert."

Mittlerweile ist Saber Hajo drei Jahre in Deutschland, wohnt in einer eigenen Wohnung, auch seine Frau konnte inzwischen nachziehen. Mit seinem kleinen einjährigen Sohn freut sich die Stadt nun auch über einen weiteren Neu-Brandenburger. Der angehende Friseur fühlt sich in "seiner" Handwerksfamilie wohl, er schätzt das Miteinander. Einen großen Traum möchte er sich nach der Ausbildung übrigens noch erfüllen – den der Meisterausbildung.

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