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Volksfest
Werders 140. Baumblütenfest beginnt

Werder und Wein sind eine althergebrachte Einheit. Doch auch mit der Blütenpracht wusste die urkundlich 1317 ersterwähnte Stadt frühzeitig zu punkten, so wie auf dieser am 20. April 1914 abgestempelten Ansichtskarte.
Werder und Wein sind eine althergebrachte Einheit. Doch auch mit der Blütenpracht wusste die urkundlich 1317 ersterwähnte Stadt frühzeitig zu punkten, so wie auf dieser am 20. April 1914 abgestempelten Ansichtskarte. © Foto: Sammlung Th. Messerschmidt
Th. Messerschmidt / 23.04.2019, 12:29 Uhr
Werder (MOZ) "Und eh‘ der erste Sonnenschein um den Marienkirchturm blitzt, lachen in langer Reihe, zwischen den Brücken hin, die roten Knupper der Werderschen", schrieb Theodor Fontane in seinem dritten Teil "Der Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Erschienen im Jahr 1873 und dem "Havelland" gewidmet. Werder an der Havel war für ihn "in erster Reihe die ‚Werderschen‘, in zweiter Reihe ‚die Werdersche‘." Fontane schreibt: "Eine Welt von Unterschied legt sich in diesen einen Buchstaben n. Wie Wasser und Feuer im Schoße der Erde friedlich nebeneinander wohnen, solange ihr Wohnen eben ein Nebeneinander ist, aber in Erdbeben und Explosionen unerbittlich sich Luft machen, sobald ihr Nebeneinander ein Durcheinander wird, so auch hier. Den Erfahrenen schaudert." Die Erklärung des kleinen Unterschieds folgt ein paar Sätze weiter: "Ein Bierkapitel schiebt sich verlegen in das Obstkapitel ein." Ja, das wenigstens 700-jährige Werder hat zeitweilig aufs Bierbrauen im großen Stil gesetzt, blieb aber vor allem als märkische Obstkammer geschätzt und wurde mit Wein und Blütenpracht berühmt. Den Start des Baumblütenfest-Zeitalters hat Theodor Fontane leider knapp verpasst.

Auf www.werder-havel.de ist nachzulesen: "In der Vorstandssitzung des Obstzüchtervereins vom 13.03.1879 brachte Herr Wilhelm Wils den Antrag ein, den Höhepunkt der Baumblüte in den Berliner Blättern bekannt zu geben, die Naturfreunde einzuladen, für die Entsendung eines Extrazuges Sorge zu tragen und freiwillige Führer zu stellen. Der Antrag wurde angenommen, beschlossen und noch im selben Jahr umgesetzt." Das Baumblütenfest war geboren und soll schon im ersten Jahr zwei Sonderzüge gefüllt haben. Um 1900 kamen bereits 50.000 Besucher und in der Gegenwart 10 Mal  so viele. Orientierte sich der Fest-Sonntag einst streng an der tatsächlichen Baumblüte, schließt die Festwoche heute stets den Mai-Feiertag ein. Geblieben sind das zünftige Feiern und der Obstwein. Und natürlich die herrliche Landschaft. Nicht zu vergessen die einst schon vor dem Zweiten Weltkrieg und seit 1989 wieder stattfindende Wahl der Baumblütenkönigin. 1997 gesellte sich ein Festumzug zum Auftakt hinzu, indes mehr und mehr auf große Künstlernamen verzichtet und verstärkt das Baumblüten- als Familienfest beworben wurde. So heißt es auf das Stadt-Homepage auch: "Das Baumblütenfest in Werder (Havel) ist weit mehr als nur der Besuch vieler Stände und Bühnen rund um die Insel. Unzählige Veranstaltungen bieten eine abwechslungsreiche Zeit für Jung und Alt."

So soll es auch vom 27. April bis zum 5. Mai 2019 sein, wenn das 140. Baumblütenfest gefeiert wird.  Es  beginnt am Vorabend der offiziellen Eröffnung mit dem Blütenball am 26. April im Ballsaal der Bismarckhöhe, in der als Stargast Howard Carpendale erwartet und die neue Blütenkönigin Madeleine Reichelt inthronisiert wird. Der 27. April startet um 13 Uhr mit dem Festumzug  von der Moosfennstraße zum Markt, wo Blütenkönigin und Bürgermeisterin das Blütenfest um 14 Uhr offiziell eröffnen werden. Das Stadtgebiet ist einer der Schauplätze des Familienfestes, für das dank vieler Sponsoren kein Eintritt gezahlt werden muss. "Rund 340 Händler werden auf der Festmeile vertreten sein", sagt Rainer Wohlthat, der mit Horn & Co seit 2001 das größte Volksfest der Region organisiert. Zum Rummel am Hartplatz kommen etwa 60 Schausteller, die u.a. mit Breakdancer, Wildwasserbahn und dem 55 Meter hohen Booster anreisen.  Ein weiterer wesentlicher Schauplatz, der zudem an die Festursprünge anknüpft, sind die Obstgärten: Entlang des Obstpanoramaweges werden ein gutes Dutzend Obstbauern ihre Plantagen für die Gäste öffnen. Für Unterhaltung sorgen im gesamten Festgebiet rund 70 Bands und Diskotheken auf sechs Bühnen. Die Berliner Show-Legende Frank Zander wird am 2. Mai auf der Regattastrecke und am 5. Mai auf der Bismarckhöhe erwartet. Bereits am 1. Mai ist auf der Bismarckhöhe um 20 Uhr die Deutschrockband "Brenner" zu erleben, deren Debütalbum am 15. März 2019 erschienen und auf Platz 26 der deutschen Charts durchgestartet ist.Ein paar gut gemeinte Fest-Tipps von Bürgermeisterin Manuela Saß: "Genießen Sie unseren leckeren Obstwein in Maßen und lassen Sie das Auto zu Hause stehen. Gäste kommen zum Baumblütenfest mit den zusätzlichen Angeboten von Bus, Bahn und Dampfer wunderbar nach Werder."

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