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Kleingarten
Nicht alles darf blühen in der "Oase"

Rainer Borig in seinem bunten, natürlichen Kleingartenrefugium. Zu natürlich für die Kleingartenordnung.
Rainer Borig in seinem bunten, natürlichen Kleingartenrefugium. Zu natürlich für die Kleingartenordnung. © Foto: Th. Messerschnmidt
Th. Messerschmidt / 05.07.2019, 11:08 Uhr
Brandenburg (MOZ) Vor fünf Jahren war Rainer Borig familienbedingt von Lünow nach Brandenburg gezogen und in Hohenstücken heimisch geworden. "Doch bin ich mit Tieren groß geworden. Mir fehlte die Natur. Ich brauchte einen Garten. Möglichst nahegelegen", erinnert sich der 63-Jährige. Ein Traum ging in Erfüllung, als er im Vorjahr per Annonce seinen Wunschgarten entdeckte. Gelegen zwischen Brahmsstraße und Eichspitzweg in der Kleingartensparte "Oase". "Der Garten war zwar etwas verwildert, aber der weitaus größte in der Anlage. Mit kleiner Laube, schönen Obstbäumen, der Möglichkeit der Kleintierhaltung und viel Platz für die Selbstversorgung", schildert Borig. Er wurde Vereinsmitglied, entwilderte den Garten und gestaltete ihn nach seinen Ideen: kleines Folienzelt, Kräutergarten, Beete mit Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Zuckermais, dazu Luzerne als Futterpflanze für die Hasen.  Die Bäume erhielt er allesamt, freute sich auf Kirschen, Pflaumen, Äpfel und Quitte. Und weil im vorderen Bereich die Maulwurfsgrille zuhauf ihr Unwesen trieb, sollte daraus ein Naturidyll werden: eine kleine Wildwiese. Er belas und informierte sich, bestellte für 160 Euro Samen und schuf eine Bienenweide. Börig: "Seitdem habe ich wieder Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Marienkäfer im Garten. Meine Oase!" Auch Nachbar Fritz Rottenberg, 73 Jahre alt und seit 50 Jahren "Oase"- Kleingärtner, freut sich über die Blütenvielfalt und beteuert, "auch ich habe nun wieder Schmetterlinge im Garten!" Ein Stückchen Natur statt grüner Rasen-Einfalt. Rainer Borig: "Oft bleiben Leute stehen, staunen, freuen sich und fotografieren." Letzteres tat vielleicht auch der Vereinsvorstand, doch weniger aus Begeisterung. "Die wollen, dass ich das wegmache. Überall werden Wildwiesen gefördert! Und im Kleingartenverein soll das nicht erlaubt ein? Das ist doch Mist."

Oder eben die Rahmengartenordnung des Landesverbandes der Gartenfreunde e.V., die für 62.300 Gartenfreunde gilt, "die sich in 1.251 Vereinen organisiert haben, welche in 32 Kreis-, Bezirks- und Regionalverbänden (Mitgliedsverbände) zusammengeschlossen sind und ca. 3.100 ha kleingärtnerische Fläche nutzen" (www.gartenfreunde-lv-brandenburg.de). Da heißt es: "Die Verpachtung der Kleingärten erfolgt nur zum Zwecke der kleingärtnerischen Nutzung im Sinne des § 1 Abs. 1, Nr. 1 des Bundeskleingartengesetzes. Die kleingärtnerische Nutzung beinhaltet die Kombination eines nichterwerbsmäßigen Anbaus von Obst, Gemüse und Blumen sowie die Gestaltung und Nutzung des Kleingartens zu Erholungszwecken… Rasenbewuchs und Ziersträucher dürfen nicht überwiegen."

Lothar Hahn, Geschäftsführer des Kreisverbandes Brandenburg/Havel der Gartenfreunde e.V., bringt es auf den Punkt: "Wenn man vor dem Garten steht, muss man sehen, dass es ein Kleingarten ist und kein Biotop." Bienenunfreundlich sei das nicht. Insekten seien hier immer zuhaus‘, zumal keine Pestizide verwendet würden, viele einjährige Blumen und Obstbäume vorhanden wären und Totholz liegen bleibe. Auf Freiflächen in den Sparten würden auch schon  Streuobstwiesen praktiziert. Im Kleingarten nicht. Dabei sind  als "Ziele der Kleingärtenorganisationen" auf der Internetseite des Landesverbandes auch benannt: "Kleingärten als natürliche Lebensräume in der Stadt erhalten, Menschen zum umweltgerechten Gärtnern anleiten und motivieren, Eigeninitiative und Verantwortung im Umgang mit der Ressource Natur fördern, Kindern spielerisch den Zugang zur Natur verschaffen." Rainer Borigs Oase wäre ein perfekter Schulgarten.

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Anlage Lothar Hahn Fritz Rottenberg

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