Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Historisches
Sieben "Rentiers" im Parlament

Manfred Lutzens / 07.07.2019, 11:12 Uhr
von Manfred Lutzens 47 Brandenburger gehören der am 26. Mai 2019 neu gewählten Brandenburger Stadtverordnetenversammlung an. Es sind 46 Abgeordnete sowie als stimmberechtigtes Mitglied Oberbürgermeister Steffen Scheller, die auf die Dauer von fünf Jahren in diesem Plenum die Interessen der 72 000 Einwohner vertreten werden.

Wie aber sah es beispielsweise anno 1892, elf Jahre nach Gründung des Deutschen (Kaiser-) Reiches, im Stadtparlament  aus? Die Anzahl der damals gewählten Brandenburger war damals mit 44 Abgeordneten nur um zwei geringer als die in der heutigen Zeit. Dabei hatte unsere Havelstadt vor mehr als 125 Jahren gerade einmal rund 35 200 Bürger, hinzu kamen nahezu 3400 einquartierte kaiserliche Soldaten in den drei Regimenten. Die alphabetische Liste der Volksvertreter reichte von Balzer, Julius (Kaufmann in der Ritterstraße) über Tuchfabrikant Hermann Genrich, den Ackerschulzen Gustav Henkel, Lederfabrikant Jahn und Schiffsbaumeister Mette bis hin zu Unternehmer Adolf Reichstein (Brennabor), Hermann Schlee (Stadtverordnetenvorsteher) und Maschinenfabrikant W. Wiemann. Vertreten waren in diesem Plenum neben Fabrikbesitzern aber auch etliche Handwerksmeister wie Tischler Horning aus der Kurstraße, zwei Zimmerer, zum anderen der Kommerzienrath (Gumpert (Hauptstraße), Bankiers, Lehrer, Mediziner und Rechtsanwälte. Ja, mit dem Abgeordneten Mewes - einem Pfandleiher -, hatte das Parlament einen Mann in seinen Reihen, der sich zu jener Zeit für etliche  Havelstädter wohl öfter als denen lieb war zum "Retter in der Not" erwies.

Besonders auffällig indes die relativ hohe Zahl von Altersruheständlern, den Rentiers - so die Schreibweise für den Rentner zum Ausklang des 19. Jahrhunderts. Auf sie entfiel mit sieben Plätzen ein bemerkenswerter Teil der Sitze. Und was wäre damals die Stadtverordnetenversammlung wohl ohne ihren zuverlässigen Sekretär, den Rechnungsrevisor Rathge, oder den stets von Eile getriebenen Boten für dieses Plenum, Nuntius Dochow, gewesen?!

Werfen wir noch einen Blick auf den hiesigen Magistrat im Jahr 1892. Ihm gehörten im Neustädtischen Rathaus neben Oberbürgermeister Karl Reuscher sowie Bürgermeister Rudolf Hammer - nach beiden sind Straßen benannt  -, ein Syndikus sowie der Baurat an. Unter den 12 Stadträten befanden sich Namen solch renommierter Brandenburger wie Blell, Eckstein,  Hampke oder Raschig. Hinzu kamen innerhalb  der kommunalen Verwaltung 18 Subaltern- (untergeordnete) Beamte, wie u. a. drei Stadtsekretäre,  ein Standesbeamter, die Vorsteher vom Steuer-Büro bzw. Einwohner-Meldeamt und darüber hinaus 15 sogenannte Unterbeamte. Angefangen vom Schulgeld- und Steuererheber bis hin zum Kassendiener und Stadtgärtner. Brandenburg an der Havel war selbstverständlich auch zum Ausklang des 19. Jahrhundert in den höheren Parlamenten präsent, so im Reichstag durch den Rentier Hugo Hermes. Zum anderen hatte Bürgermeister Rudolf Hammer ein Mandat für das sogenannte Herrenhaus des Landtags, während sich in dessen Abgeordnetenhaus Rittergutsbesitzer v. Bredow-Landin sowie Landrath von Stülpnagel und Prof. Dr. Kropatscheck einbrachten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG