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"Cats"-Sonderausstellung
Gefürchtet, geliebt, gehasst

Alexandra Gebhardt / 08.07.2019, 15:45 Uhr
Brandenburg (MOZ) Ob das grimmsche Märchen vom "Gestiefelten Kater", Comic- und Zeichentrickfiguren wie die Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" und "Hello Kitty" oder die wohl berühmteste und reichste Katze der Welt, Karl Lagerfelds Chaupette – Katzen sind heute allgegenwärtig, dominieren die Internetwelt und gelten mit mehr als einer Milliarde Exemplaren in den Haushalten als das weltweit beliebteste Haustier. Das war jedoch längst nicht immer so, weiß Dr. Kurt Felix Hillgruber, Kurtor der Ausstellung "Cats  von Säbelzahnkatzen und Stubentigern", die aktuell im Archäologischen Landesmuseum gezeigt wird. Sie wirft, unterteilt in drei verschiedene Ausstellungsbereiche, einen Blick auf die lange und wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Katz.

Ihren Lauf nimmt sie bereits vor rund 300.000 Jahren, als die Säbelzahnkatze beim frühen Menschen  als eines der gefährlichsten Raubtiere gilt. Dass sich beide tatsächlich noch begegnet sind, bezweifelten Experten lange, der Knochenfund einer Europäischen Säbelzahnkatze vor sechs Jahren bei einer Grabung im niedersächsischen Schöningen beweist jedoch das Gegenteil. "Die Oberschenkelknochen des Funds wiesen menschlich bearbeitete Spuren auf. Dass es sich dabei wirklich um eine Säbelzahnkatze handelt, war zudem durch den Fund eines sogenannten Hyperkarnivoren,  ein geriffelter Zahn, der typisch für die Europäische Säbelzahnkatze ist", erklärt Hillgruber mit Blick auf das 20-fach vergrößerte Exponat des Zahns. Eines des wohl eindrucksvollsten Exponate des ersten Ausstellungsteils, der sich rund um die ausgestorbene Großkatze und ihre heutigen Nachfahren dreht und auf der Wanderausstellung "Die Eiszeitjägerin - Säbelzahnkatzen, die tödliche Gefahr basiert. Absolut sehenswert ist hier das weltweit einzige vollständig erhaltene Skelett einer Säbelzahnkatze, das bei Grabungen im Frankreich gefunden wurde. "Wir wissen von anderen Überresten zudem, dass die Säbelzahnkatze, genau wie Löwen heute, im Rudel gejagt hat. Sogar kleine Mammuts waren dabei nicht vor ihnen sicher", vervollständigt Hillgruber.

Wie ambivalent die Beziehung zwischen Mensch und Katze von der Antike bis zur Gegenwart war, zeigt dann der zweite Teil der Ausstellung. Er entführt zunächst ins alte Ägypten, wo sich die Katze gleich mehrfach als Gottheit wiederfindet: einerseits als Katzenköpfige Göttin Bastet, die für Fruchtbarkeit und Familie steht, und andrerseits  Sachmet, die in löwenartiger Gestalt als Kriegsgöttin galt. Zu sehen sind außerdem die mumifizierten Überreste einer Katze. Ein Fund, der so bisher nur in Ägypten gemacht wurde. "Außerdem stand es dort unter Strafe, Katzen außer Landes zu bringen, woran sich viele Römer jedoch nicht gehalten haben", so Hillgruber, der die Falbkatze verantwortlich für die erste Annäherungsversuchen zwischen Mensch und Katze sieht. Sie galt seinen Ausführungen nach als besonders neugierig, hat sich nach und nach in die Nähe der  sesshaft werdenden Stämme getraut. "Woraus dann eine Art Symbiose wurde, denn die Katze hielt Mäuse und Ratten von den Lagerbeständen fern und hatte darum wiederum genügend Nahrung." Wann diese Domestikation begann, ist laut Hillgruber jedoch nur schwer einzuschätzen. "Wir können nur vermuten, dass Menschen schon vor etwa 10.000 Jahren Katzen als Haustiere gehalten haben, da auf Zypern neben dem Grab eines Menschen Überreste einer Katze gefunden wurden. Und dort gab es sonst keine Katzen."

Wesentlich düsterer zeigt sich hingegen das nächste Kapitel der Katze-Mensch-Beziehung, in dem Katzen, wie Hillgruber sagt, plötzlich auf der "Abschussliste standen". Exponate aus der Frühen Neuzeit zeigen etwa Überreste einer Katze, die in eine Hausmauer eingelassen wurde. In Frankreich war es zudem viele Jahrzehnte Tradition, Katzen zu verbrennen. Warum es zu diesem Wandel kam, lässt sich nach Hillbgruber nicht zweifelsfrei sagen. "Eine Theorie ist, dass Katzen als teuflisch galten, weil vor allem weibliche Katzen, wenn sie rollig sind, gleich mehrere Kater an sich heran lassen und dann lautstarke Geräusche von sich geben. Wie man damals nicht wusste, jedoch vor Schmerz. Das passte der damals dominierenden Kirche wohl nicht und so gerieten Katzen wie Hexen an den Pranger."

Ihre Renaissance als geliebter Stubentiger erfährt die Katze dann im 20. Jahrhundert. Vor allem Schiffskatzen sind beliebt, werden teils aus Aberglauben, teils während ihres Nutzens als Jäger bei einigen Handelsgesellschaften sogar zur Vorschrift. Kater Oskar geht als Schiffskatze der Bismark etwa als "unsinkable Sam" in die Geschichte, weil er gleich mehrfach das Sinken eines Schiffes überlebt. Sein Porträt können die Besucher im Übergang zum letzten Teil aus der Ausstellung bewundern. Sie zeigt die lebensnahen Illustrationen des spanischen Künstlers Mauricio Anton, der als Paleo-Künstler mit seinen Werken ein beeindruckendes Bild ausgestorbener Raubkatzen liefert und die Ausstellung so abrundet.

Führung und Vortrag

Eine Führung durch die Sonderausstellung mit Kurator Dr. Felix Hillgruber ist am 26. Juli um 14 Uhr möglich. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird um Anmeldung unter 03381/4104112 gebeten. Der Einritt kostet 5 Euro, es wird keine Führungsgebühr erhoben.

Zudem lädt das Archäologische Landesmuseum am 7. August um 18.30 Uhr zum Themenvortrag "Säbelzahn und Stubenhocker. Die Katze im archäologischen Befund" mit Archäozoologin Dr. Suanne Hanik ein. Der Eintritt ist frei.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 12. Januar.

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