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Archäotechnica
Der Mensch in der mittelalterlichen Stadt

Franziska Schober / 12.08.2019, 14:48 Uhr - Aktualisiert 12.08.2019, 14:48
Brandenburg Gut betucht mit Gewändern aus Leinen, Seide und Wolle entführten die Darsteller der Archäotechnica am vergangenen Wochenende ihre Besucher in das alltägliche Leben einer mittelalterlichen Stadt. Vereine, Gruppen und Privatpersonen aus ganz Deutschland waren angereist, um das St. Pauli Kloster in einen aufregenden Ort des Spätmittelalters zu verwandeln. Die jährliche zweitägige Veranstaltung begeisterte sowohl Erwachsene als auch Kinder und lud einmal mehr zum bunten Ausprobieren und Bestaunen ein.

Dabei wurde in diesem Jahr der Frage nachgegangen, wie sich das Leben hinter der schützenden Stadtmauer abgespielt hat, weshalb sich im gesamten Außenbereich des Klosters Handwerkskünstler verschiedenster Zünfte und Gebiete fanden. Der Meister des atz Welzow stellte Kämme aus Geweih und Rinderknochen her und leitete seine Lehrlinge bei der Befiederung von Pfeilen an. Antonia und Sebastian Slawik aus Münster präsentierten süße Naschereien und verrieten altertümliche Originalrezepte. So konnten Heidelberger Lebkuchen, kandierte Gewürzsamen, mit Blattgold und Perlenstaub verzierte Manuas Christi sowie die älteste Süßigkeit der Welt, das Comfit, probiert werden. Ebenso bestaunten die Besucher die Herstellung von flüssigen Kostbarkeiten. So stellte die Brauerei Eulenspiegel eine originale Bierwürze aus Gerste, Malz und Hopfen her. Paternostermacher, Mollenhauer und Schuster stellten ihre handwerklichen Fähigkeiten zur Schau. Dem Fischer Jörg Nadler aus Schleswig konnte beim Knüpfen eines Hanfnetzes über die Schulter geschaut werden und Jan Beckebrede aus Niedersachsen führte den komplexen Prozess der Pergamentherstellung und des Buchbindens vor. Der kulturelle Spaßfaktor wurde zudem durch Ulrike Heesen aus Mühlheim an der Ruhr erhöht, die verschiedenes Spielzeug zum Anfassen und Ausprobieren mitbrachte und über Materialien und Herstellungsverfahren von Spielfiguren aufklärte. Philipp Heil und Mai-Britt Wiechmann von Histofaber hatten es sich zudem zur Aufgabe gemacht, Historie lebendig zu vermitteln und zeigten darstellerisch die tiefen Wünsche und Hoffnungen aber auch Nöte und Gefahren von Pilgerreisenden zu der damaligen Zeit auf.

Im kühlen Kreuzgang ertönten unterdessen im Wechsel klassische und tanzbare Klänge der Drehleier von Neleke von Hamburch. Die praktische Heilkundlerin und Chirurgin hatte pflanzliche Medizin im Gepäck und verteilte Salben aus Kampfer und Terpentin ebenso wie Magenmittel aus Bitterorange und Wermut an die Besucher. Klosterhändler und Kaufleute handelten indes mit selbst gefärbtem Nähgarn, gewebten Tüchern, Kerzen und Seifen und die Gruppe Veni Vide Vetera aus Viersen stellte die Rolle der Geistlichkeit im Mittelalter zur Schau und zeigte, wie unfälschbare Urkunden mit Siegel erstellt wurden.

Im Hofgarten  vermittelte die Jugendbauhütte Berlin/Brandenburg ein Gesamtbild der mittelalterlichen Handwerkskunst. Bleigießer, Zimmerer und Schnitzer vereinten sich um ein historisch bemaltes Fenster mit verzierten Holzrahmen für eine Schmiede zu erschaffen. Außerdem illustrierten die anwesenden Kaufleute, Handwerker und Geistlichen leidenschaftlich und authentisch wichtige Aspekte dieser historischen Epoche und ließen die Besucher in eine längst vergangene Zeit eintauchen.

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